Heidenheim Drum grünt’s so grün: Unterwegs mit den Brenzparkschaffern

Werkzeug einladen und los geht’s.
Werkzeug einladen und los geht’s. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Tina Lischka 01.09.2018
Tina Lischka war einen Vormittag lang mit den Ehrenamtlichen im Park unterwegs und hat Einblicke in deren Arbeit bekommen.

Es ist heiß, die Sonne knallt vom Himmel – noch nicht einmal 9 Uhr morgens. Der geliehene Strohhut auf dem Kopf schützt. In der Hand: eine Gartenschere. Das Werkzeug für die nächsten paar Stunden. Vorsicht. Nicht auf die Blumenstängel treten. Erde quillt über die Schuhsohlen. Der Untergrund ist weich. Weiter: Vorbei an duftenden Blüten und Sträuchern und runter in die Knie – schnipp. Der erste Stängel ist ab. Er ist vertrocknet, sieht nicht mehr schön aus. „Großzügig schneiden, auch wenn es wehtut“, ruft Bernhard Krause, Leiter der Brenzparkschaffer.

Er weiß, wie es geht – sein Team auch. Jeder Schritt: Routine. Geräte einpacken, Werkzeug auswählen, Aufgaben verteilen – den Brenzpark kennen die Ehrenamtlichen wie ihre Westentasche. Planänderungen: kein Problem. „Im Bereich ,Fließend Blau' wurde gegossen, da können wir heute nicht wie geplant hin“, erklärt Krause, der deshalb auf den „Raritätengarten“ ausweicht. Arbeit gibt es genug. Immerhin pflegen sie insgesamt 5000 Quadratmeter. Alles was blüht, auch 70 Pflanzentöpfe und Würfel gehören dazu. „Unkraut findet man immer“, sagt er und lacht.

Großzügig schneiden

Weiter geht's. Fertig werden, bevor es zu heiß wird. Immer im Fokus: eine verdorrte Pflanze. Sie hat lange Stiele und kleine Blüten. Wie heißt sie? „Steppenkerze“, sagt Helferin Gerlinde Buck. „Die können Sie ganz unten abschneiden.“ Gesagt, getan. Eine nach der anderen kommt ab. Zerkleinern, in den Eimer werfen und von vorn. Eintönige Arbeit? Keineswegs. Es duftet. Bienen summen, ein Schmetterling landet und – die Farben. Schier endlose Farben erstrecken sich über den „Raritätengarten“. Braune Verfärbungen – unerwünscht. Deshalb sind die anderen mit den Dahlien beschäftigt. Schnipp, eine Blüte kommt ab. Warum? Sie sieht doch noch wunderschön aus. „Man muss die Blumen immer unten anschauen. Wenn sie da Verfärbungen haben, müssen sie abgeschnitten werden“, erklärt Heidi Benz. Jetzt versteht sich das Motto: „Großzügig schneiden, auch wenn es wehtut.“

Alle Beete sind durch, die Steppenkerzen ab, der Eimer voll. Wohin damit? „Wir dürfen da hinten alles auf einen Haufen werfen. Die städtischen Mitarbeiter kümmern sich darum“, erklärt Krause. Ausschütten und weiter geht's. Was nun? Hacken. Die plattgetretene Erde auflockern. „So kommt das Wasser besser durch“, sagt Buck. Die Rentnerin weiß viel über Gärten. Sie hat selbst 900 Quadratmeter zu Hause. 5000 weitere sind es im Brenzpark – für sie ein erfüllendes Hobby. So geht es den meisten hier. Der Garten: ein Ort zum Abschalten.

Es geht harmonisch zu. Viele kennen sich schon seit der Gründung 2007. Witze und Lachen – ganz normal. „Trinken nicht vergessen“, mahnt eine Helferin und verteilt Wasserflaschen. Einen Schluck. Erfrischung. Der Schweiß rinnt über die Stirn. Hacken, immer weiter hacken. Bis die Erde locker ist. Auch neben dem Beet landet Erde. Ein Besen muss her. Den Dreck: einfach zurück kehren.

In der nächsten Rabatte: Kakteen. Das Revier von Norbert Pfeiffenberger. „Den anderen ist es zu stachelig“, sagt er. Hier sorgt er für Ordnung. Er kennt sich aus, ist Mitglied in der deutschen Kakteen-Gesellschaft. Er und eine weitere Helferin sind die einzigen, die alleine losziehen. „Normalerweise lasse ich bei der Hitze aber niemanden alleine arbeiten“, sagt Krause. Immer zu zweit wird gegärtnert. So macht es auch das Ehepaar Stöckle. Die beiden sind am anderen Ende des Brenzparks. Sie arbeiten im Kräutergarten, ihrem Spezialgebiet. Dort gibt es noch mehr Düfte. Die Hand streift über die Blätter. Minze – es duftet nach Minze. Herrlich.

Zeit für eine Pause

Zeit für eine Pause. Das Vesper um 10 Uhr: Ebenfalls Routine. Diesmal ist es etwas ausgiebiger. Es gibt Sekt, belegte Semmeln und Essiggurken. Im Schatten vor dem Café Lieblingsplatz macht man es sich bequem. Immerhin ist Johann Mokosch 80 geworden. Das muss gefeiert werden. Prost. Ein Ständchen. Alle lachen.

Weiter geht's zum Rundgang. Krause zeigt, wo die Brenzparkschaffer überall zum Einsatz kommen. Die Flächen sind verteilt. Verstreut über das gesamte Gelände. Keine leichte Aufgabe. Werkzeug muss am Schuppen eingepackt und zum jeweiligen Arbeitsort gebracht werden. Jeden Mittwoch und Freitag: Karren beladen und vom Geräteschuppen zu den Rabatten ziehen. Für schweres Material gibt es auch einen kleinen Traktor. Und was ist mit der Bewässerung? „Es kommt fast täglich jemand von uns in den Park zum Gießen“, sagt Krause. Entweder wird der Schlauchwagen verwendet oder Gießkannen. Am „Fließend Blau“ ist eine Bewässerungsanlage installiert. Eine Erleichterung. Immerhin ist der Bereich sehr groß und liegt am anderen Parkende als der Geräteschuppen.

Rund 20 Helfer

Krause spricht in den höchsten Tönen über die Mitarbeiter. Jeder einzelne: eine Hilfe. Sie sind ein Team, freundschaftlich geht man miteinander um. Die einzige Sorge: der Nachwuchs. Die Brenzparkschaffer sind Rentner im Alter zwischen 60 und 80 Jahren. Wenn niemand nachkommt, was dann? Wer wird die Arbeit machen, fragt man sich. Dennoch: Von Trübsinn keine Spur. Wer kommen kann, der kommt. Helfen, so gut es eben geht.

Auf dem Rückweg zum „Raritätengarten“ kommen einem die ersten Helfer entgegen. Sie laufen zum Schuppen. „Wir machen Schluss für heute, es ist einfach zu heiß“, sagt einer. Krause stimmt zu. Also: Handschuhe aus, Strohhut ab. Jetzt heißt es aufräumen. „Wenn die Saison Ende Oktober vorbei ist, machen wir alle Geräte sauber und verstauen sie“, sagt Helga Viola. Heute aber wird nur das Gröbste gemacht. Apropos: Was passiert mit den Pflanzentöpfen in den Wintermonaten? „Die werden im beheizbaren Schuppen gelagert“, erklärt Krause. Wo heute Kinder ihre Ferienfreizeit genießen, stehen bald wieder rund 70 Gefäße – eingesammlt von den Brenzparkschaffern.

Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Doch für heute: Feierabend. Inzwischen haben die anderen alles verstaut. Auf dem Weg zum Tor wird munter geplaudert – wie den ganzen Vormittag. Ein Vormittag, der aller Anstrengung zum Trotz vor allem unterhaltsam und lehrreich war. Mit dem Fahrrad geht's nach Hause. Die Gedanken noch immer im Brenzpark – jetzt aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Seit wann gibt es die Brenzparkschaffer

2007 wurden die Brenzparkschaffer gegründet. Die Gruppe von Ehrenamtlichen ist dafür zuständig, alles Blühende im Park zu versorgen. Sie ist eine der drei Säulen, die zum Brenzparkverein gehören: Brenzparkschaffer, das blühende Klassenzimmer und das Veranstaltungsteam von Sommer im Park. Leiter Bernhard Krause spricht von insgesamt 5000 Quadratmetern, die die Brenzparkschaffer bewirtschaften.

Dazu gehören neben den großen Beeten auch Pflanzentöpfe und sogenannte Würfel. Wenn die Saison im Oktober endet, wird von den Helfern alles winterfest gemacht. Auch für die Bewässerung sind die rund 20 Helfer, die jeden Mittwoch Vor- und Nachmittag sowie Freitagnachmittag in den Park kommen, zuständig.

Deshalb ist auch an den übrigen Tagen meist ein Brenzparkschaffer vor Ort, um die Pflanzen zu gießen und Bewässerungsanlagen einzuschalten. In Zusammenarbeit mit den städtischen Mitarbeitern wird außerdem Unkraut abtransportiert. Allesamt haben sich die Hobbygärtner ihr Wissen selbst beigebracht.

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