Heidenheim / Michael Brendel Am Freitagnachmittag wurde das Haus Barbara an der Bergstraße feierlich seiner Bestimmung übergeben. Nicht selbstverständlich heutzutage: Bauzeiten- und Kostenplan hatten Bestand.

Beim Richtfest im September vergangenen Jahres fasste Georg Peyk, der Leiter des Hospizes, dessen Zweckbestimmung in einem prägnanten Satz zusammen: „Obwohl es ums Abschiednehmen geht, soll es ein Ort des Lebens werden.“ Nicht nur die farbenfrohe Gestaltung der Räume, sondern auch die Äußerungen bei der gestrigen Einweihung und die schwungvollen Beträge des Gospelchors Omnibus machen zuversichtlich, dass dieses Ziel erreicht wird.

Die Unbeschwertheit des von den Dekanen der beiden großen christlichen Kirchen geleiteten Gottesdienstes gab der Veranstaltung darüber hinaus einen optimistischen Rahmen. So sprach Dr. Karl-Heinz Schlaudraff von einem frohen Tag trotz des ernsten Hintergrunds. Prof. Dr. Sven van Meegen bezeichnete die christliche Sterbebegleitung als „Bumerang, der zu einem zurückkommt, wenn man für andere in Fürsorge da ist“. Er verhehlte aber nicht, dass es sich um einen der schwersten Dienste überhaupt handele.

Eigene Vergänglichkeit

Darauf wies auch Jürgen Kunze hin, Vorstandsmitglied der Stiftung Haus Lindenhof, in deren Trägerschaft das Hospiz steht. Heutzutage werde alles, was der Spaßgesellschaft nicht entspreche, gerne verdrängt. Man wolle frei von Schmerz und Leid sein, gerne viele Jahre leben, aber nicht alt sein. Folglich seien viele Menschen nicht mehr vertraut damit, sich täglich mit ihrer eigenen Vergänglichkeit auseinanderzusetzen. Daraus erwachse eine große Herausforderung für alle Hospiz-Mitarbeiter.

Zum hauptamtlichen Fachpersonal kommen Peyk zufolge 19 Freiwillige, die sich mittlerweile zu Sterbebegleitern haben ausbilden lassen. Ihnen wünschte er „Kraft, Ausdauer und Achtsamkeit“ für ihren Dienst. Er verdeutlichte, dass in einem Hospiz Menschen in Würde Abschied nehmen könnten, Gleichzeitig seien dort Fragen möglich, ohne dass zwingend eine Antwort erwartet werde. Wichtig außerdem: Mitunter würden in diesem Rahmen „Sachen geklärt, die bis dahin offen geblieben sind“.

Leuchtturm der Lebensfreude

Kunze äußerte die Hoffnung, das Haus Barbara möge sich zu einem „Leuchtturm der Lebensfreude“ entwickeln. Er zeigte sich glücklich darüber, welch große Unterstützung das Vorhaben von Anfang an in der Öffentlichkeit erfahren habe.

Die geplante Förderstiftung ist gegründet, das aktuelle Spendenaufkommen beläuft sich auf rund 250 000 Euro. Ohnehin war das Geld auch an diesem Tag der Rückschau auf die elfmonatige Bauzeit ein wichtiges Thema, schließlich steht und fällt mit einer ausreichenden Finanzausstattung der Betrieb des Hospizes. Oberbürgermeister Bernhard Ilg wies denn auch darauf hin, dass der Heidenheimer Gemeinderat als Unterstützung 30 000 Euro bewilligt habe. Er betonte seinen Stolz auf „die solidarische und menschenfreundliche Stadtgesellschaft Heidenheims“, deren Interesse am Hospiz von Anbeginn an bemerkenswert gewesen sei.

Baufortschritt bewegte

Rege Anteilnahme sei auch im direkt nebenan gelegenen Landratsamt spürbar gewesen, sagte der Erste Landesbeamte Peter Polta. Den Baufortschritt beschrieb er als „bewegend, weil er ein Thema betrifft, das wir gerne vor uns herschieben“. Dabei sei das Haus Barbara als erstes stationäres Hospiz im Landkreis angesichts des demographischen Wandels dringend notwendig gewesen. Im Herbst soll laut Polta darüber hinaus ein flexibles Palliativnetzwerk vorgestellt werden.

Zufrieden blickte Architekt Stefan Wittmann auf den Neubau, der am Montag offiziell in Betrieb genommen wird. Es habe sich um die schwierigste Aufgabe seines gesamten Berufslebens gehandelt, „aber ich denke, es kann sich sehen lassen“.

Robert Antretter, Mitglied im Vorstand der Veronika-Stiftung in Rottenburg, lobte unterdessen in seinem Grußwort den Geist im Hospiz: „Hier wird nicht nur von Ökumene geredet, hier wird sie wirklich gelebt.“

Heute offene Türen

Die Einweihung des Hospizes erfolgte gestern im Beisein geladener Gäste. Um auch der Bürgerschaft die Möglichkeit zu geben, das Haus in Augenschein zu nehmen, schließt sich am heutigen Samstag von 9 bis 18 Uhr ein Tag der offenen Tür an. Ein kultureller Höhepunkt folgt am Sonntag: Ab 19 Uhr bietet der Chor der Dreifaltigkeitsgemeinde unter dem Titel „. . .und dann war Licht“ in der Dreifaltigkeitskirche das Schöpfungsoratorium. Der Eintritt ist frei, Spenden zugunsten des Hospizes sind erbeten.

Ein Kommentar von Michael Brendel zur Eröffnung des ersten Hospizes in Heidenheim.