Heidenheim Die „Open“-Ausstellung im Langen Haus in Königsbronn

Heidenheim / Joelle Reimer 25.04.2018
18 Künstler stellen am 12. und 13. Mai im Torbogenmuseum und im Langen Haus in Königsbronn aus. Ein Rundgang durch letzteres gleicht einer Reise durch die Jahrhunderte.

Die rostrote Tür schwingt auf, und zunächst einmal ist da nur Dunkelheit. Zu stark der Kontrast der grellen Mittagssonne zum schattigen Innenraum. Ein Schwall kalter Luft dringt nach draußen, und mit ihm ein ganz eigener Geruch. Nach Stein, altem Holz, Staub. Es ist der Geruch nach Geschichte.

Nach ein paar Schritten hinein ins Lange Haus in Königsbronn zeichnen sich Wände, alte Balken und eine Treppe ab. Die Details folgen auf den zweiten Blick: Abbröckelnder Putz, staubige Balken, zentimeterdicke Lagen von Tapetenresten an der Wand. Eine lange Spinnwebe im Eck zieht sich bis fast ganz nach unten. Der Blick fällt auf den Boden: unebene Steinplatten, von denen manche schon gebrochen sind.

Und das soll das Erste sein, was die Besucher der am 12. und 13. Mai stattfindenden „Open“-Ausstellung zu sehen bekommen? Beate Gabriel nickt begeistert. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Schmelzofen, der die Kunstausstellung Jahr für Jahr auf die Beine stellt. „Open“ – das heißt: immer anders, und vor allem: immer an einem anderen Ort.

Diesmal also Königsbronn. Zum ersten Mal blickt der Verein damit über die Stadtgrenzen von Heidenheim hinaus. „Friedemann Blum, ein Mitglied des Vereins und wohnhaft in Königsbronn, hat das Lange Haus vorgeschlagen. Nach einer Anfrage über den Kulturverein bei der Gemeine war schnell klar, dass das klappen könnte“, so Gabriel.

Und sowohl der Kulturverein, dessen Mitglieder seit 2014 die Außenfassade komplett renoviert haben, als auch die Gemeinde Königsbronn zeigen sich froh darüber, dass das leerstehende Gebäude nun zumindest temporär genutzt wird. Besenrein: So bezeichnet Ulrich Knöller, Vorsitzender des Königsbronner Kulturvereins, den derzeitigen Zustand des Langen Hauses. Das scheint freilich etwas übertrieben – doch die Mitglieder des Vereins haben in den vergangenen Wochen quasi in jeder freien Minute entrümpelt und dafür gesorgt, dass die Räume inzwischen zumindest gut begehbar sind. „Tja, das Lange Haus. Das hat eben Charakter. Wir haben es gesehen und sofort gewusst: das passt“, sagt Johanna Bauer, Vorsitzende des Kunstvereins Schmelzofen.

Mit jedem Schritt, der die Treppen hinauf und weiter in die Geschichte hinein führt, steigt die Begeisterung für das denkmalgeschützte Gebäude als Ausstellungsraum. Einst als Kornkammer des ehemaligen Klosters angelegt, wurde das Lange Haus 1553 völlig zerstört und zwischen 1560 und 1573 wieder aufgebaut – noch heute finden sich in den historischen Mauern Balken aus dieser Zeit.

Genauso im benachbarten Torbogenmuseum, in dem am 12. und 13. Mai vier der 18 „Open“-Künstler ausstellen werden. „Das Torbogengebäude diente den Herzogen von Württemberg damals als Jagdschloss, und im Langen Haus kamen die Jäger und Gehilfen unter“, so Knöller. Im Erdgeschoss führt über einen Großteil des 61 Meter langen Hauses ein Gang, von dem links und rechts kleinere Räume abzweigen – hier waren einst die Stallungen untergebracht. „Sogar bis in die 70er Jahre dienten die Räume als Hühner- und Hasenställe“, weiß Knöller.

Die meisten Kunstwerke der „Open“-Ausstellung werden im ersten Obergeschoss zu sehen sein – ein Labyrinth aus schier unzähligen kleinen Räumen, die erahnen lassen, dass sie einst als Wohnungen genutzt wurden.

Ein Haus wie ein Kunstwerk

Uralte Tapeten, Malereien, Fußballaufkleber, morsches Holz und ein Stück alter Zeitung kommen hier zum Vorschein – der Gang durch die Räume gleicht einer Zeitreise durch vergangene Jahrhunderte. „Hier, das Stück Tapete. Da müsste man nur noch einen Rahmen drum herum machen, und schon wäre es selbst Kunst“, meint Gabriel.

Ganz an der östlichen Seite des Gebäudes kommt eine Wand, die zugleich die Grenze zu einer ausgebauten Wohnung auf der Ostseite ist. „Diese diente immer schon als Wohnung der Hüttenwerksdirektoren. Sie ist auch heute noch bewohnt“, sagt Knöller.

Im zweiten Obergeschoss des Langen Hauses beeindruckt das Fachwerk der uralten Balken. Die Räume auf der Westseite seien Anfang des 20.Jahrhunderts zu Wohnungen ausgebaut worden, so Knöller; zuletzt hätten sie in den 90er Jahren als Unterkunft für Asylbewerber gedient.

An den zwei Tagen der „Open“-Ausstellung rechnen die Verantwortlichen des Kunstvereines mit rund 1500 Besuchern. „Und da wir selbst so beeindruckt von der rührigen Arbeit des Kulturvereins sind, hoffen wir natürlich, dass auch dieser davon profitiert“, so Gabriel.

Einen ersten Einblick ins Lange Haus in Königsbronn:

Die Geschichte des Langen Hauses in Königsbronn

Ursprünglich ein Teil des ehemaligen Klosters Königsbronn, wurde das Lange Haus 1553 völlig zerstört, als der protestantische Markgraf Albrecht von Brandenburg die Anlage niederbrannte.

Von 1560 bis 1573 wurde das Lange Haus neu aufgebaut. Das Torbogengebäude diente den Herzogen von Württemberg als Jagdschloss, im Langen Haus kamen die Jäger und Gehilfen unter.

Da das Herzogtum Eigentümer der Hüttenwerke war, war auch deren Verwaltung dort untergebracht. Auch als Wohnungen für Arbeiter diente das Lange Haus.

Einst waren das Lange Haus und das Torbogengebäude in der Klosteranlage miteinander verbunden. Erst 1865 wurde diese Verbindung mit dem Bau der Eisenbahnschienen unterbrochen.

Die Sonnenuhr an der Außenfassade zeigt acht Jahreszahlen - alles Jahre, in denen das Lange Haus renoviert, saniert oder wieder aufgebaut wurde.

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