Heidenheim Ein Buch von Roderich Kiesewetter sorgt für Irritationen

Roderich Kiesewetter.
Roderich Kiesewetter. © Foto: Archiv HZ
Heidenheim / Thomas Zeller 16.08.2018
Der CDU-Bundestagsabgeordnete ließ seine Partei prüfen, ob sie einen Gedichtband von ihm mit Spendengeldern kaufen könne.

Manchmal verändern Verse die Welt, manchmal sorgen sie aber auch nur für ein irritiertes Stirnrunzeln. Aktuell ist das bei einem Gedichtband des Heidenheimer CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter der Fall.

Bereits 2013 veröffentlichte er seinen Lyrikband „Auszeit“ im Selbstverlag. Die Gedichte wurden auch bei Lesungen in der Region präsentiert und fanden ein kleineres Publikum.

Doch dem Autor war das anscheinend nicht genug. Einige Zeit erwog er ungewöhnliche Wege, um Einnahmen mit seinem Buch zu erzielen. So ließ er nach einem Medienbericht prüfen, ob man einen Teil der Auflage mit Spendengeldern der CDU aufkaufen könne. Im September 2013 soll dann ein Mitarbeiter der CDU-Bundesgeschäftsstelle von dieser Idee abgeraten haben.

Die Zeitschrift Stern zitiert aus einer Mail an Kiesewetters Büro. Darin wird der Mitarbeiter mit der Aussage wiedergegeben: Die ganze Konstruktion mit den Lyrikbänden sei viel zu angreifbar und es könnte der Vorwurf der Zweckentfremdung von Spendengeldern entstehen.

Wirtschaftsprüfer riet ab

Davor hatte bereits ein Wirtschaftsprüfer der CDU von dem Erwerb der Bücher abgeraten: „Auch bei weiter Auslegung könne er nicht sehen , warum es sich beim Aufkauf von Kiesewetters Gedichten um Ausgaben für Zwecke der Partei handeln könnte, schrieb der Mann von der Ernst & Young.

Auf HZ-Nachfrage räumt Kiesewetter ein. „Ich habe im Vorfeld verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten geprüft und mich in Zweifelsfällen bewusst vorab nach der Zulässigkeit erkundigt, um eine unzulässige Verwendung von Mitteln auszuschließen“, so der Politiker. Außerdem habe er später mehr als die Hälfte der Erlöse, rund 3000 Euro, an den gemeinnützigen Verein Aufwind in Aalen gespendet.

Reservistenverband kaufte 18 Exemplare

2015 fand Kiesewetter dann aber doch noch einen Abnehmer für einige Exemplare seines Gedichtbandes. Der Reservistenverband kaufte nach eigenen Angaben für 250,59 Euro insgesamt 18 Bände. Diese wurden dann bei Veranstaltungen an Redner und ehrenamtliche Unterstützer vor Ort verteilt.

Pikant ist dieses Geschäft, weil Kiesewetter zu diesem Zeitpunkt, noch dem Verband vorstand. Er selbst weist in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass er den Verkaufspreis für diese Bände so weit reduziert habe, dass für ihn kein Gewinn geblieben sei. „Insofern kann nicht die Rede davon sein, dass ich eigennützig nach Abnehmern suchte“, so der Abgeordnete gegenüber der HZ.

Ein gewisses Geschmäckle bleibt allerdings, wenn man bedenkt, dass Kiesewetter ein Jahr später sein Amt als Präsident des Reservistenverbands niederlegte. Die Begründung lautete, dass der Verband bei den Bewirtungskosten für einen Empfang jegliches Maß verloren habe. Laut dem Verband kostete das Buffet für ein größeres Publikum 21400 Euro, wovon die Organisation nur einen Teil tragen musste.

Kiesewetter begründet seinen damaligen Rücktritt wie folgt: „Mein Ärger bezog sich vor allem darauf, dass ich gerade in der Vorwoche wegen Sparauflagen die Haushaltsansätze der Landesverbände für Sicherheitspolitik um 11000 Euro kürzen musste und bei der Veranstaltung für eine kleine Zielgruppe nach meiner Erinnerung mit 24000 Euro mehr als doppelt so viel ausgegeben wurde wie vorgesehen.“

Ein nachvollziehbarer Ärger, hätte es nicht in der Zeit seiner Präsidentschaft beim Reservistenverband einige Veranstaltungen mit deutlich höheren Bewirtungsetats gegeben.

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