Heidenheim / Marita Kasischke  Uhr
Der 22-jährige Jacob Hetzner hat im Naturtheater bereits in mehreren Rollen überzeugt. Jetzt hatte er seinen öffentlichen Auftritt als Sänger und Komponist. Weniger Tiefgang aber mehr Erfahrung hatte die Band „Taktlos“.

Gerade mal 22 Jahre ist Jacob Hetzner alt – und doch hat er in diesem jugendlichen Alter bereits das eine oder andere Mal sein Publikum im Naturtheater Heidenheim sprachlos gemacht: Da war seine eindringliche Darstellung des verfolgten John Proctor in „Hexenjagd“, seine nicht minder unter die Haut gehende Verkörperung des machtbesessenen Schülers Wolodija in „Liebe Jelena Sergejewna“ und des hitzigen Tybalt in „Romeo meets Julia“. Und schließlich sein lässiges und heiteres Spiel als Primaner Dr. Hans Pfeiffer („mit drei f!“) in der „Feuerzangenbowle“.

Anspruchsvolle Gesangsstücke

Am Freitagabend verblüffte Jacob Hetzner abermals: Erstmals bot er der Öffentlichkeit eine Begegnung mit seiner Singstimme und mehr noch: mit seinen eigenen Songs. Freilich war dies gewissermaßen ein Heimspiel, denn diese Premiere fand in der Reihe „Kultur im Café“ des Naturtheaters statt, und natürlich waren viele Bekannte im ausverkauften Publikum.

Und, wie bereits mit seiner bewiesenen Darstellungskraft: Auch hier machte er es seinem Publikum genauso wenig leicht wie sich selbst. Denn Hetzner hatte Gesangsstücke aus Musicals ausgewählt, die sowohl für das Publikum als auch für ihn anspruchsvoll waren. „Unstillbare Gier“ aus „Tanz der Vampire“ beispielsweise oder „Gethsemane“ aus „Jesus Christ Superstar“, beides Stücke, von denen Hetzner selbst sagt, dass er eigentlich zu jung ist dafür.

Und dennoch beeindruckte er – nicht etwa weil alles perfekt war. Mit dieser Kraft und Energie, die Hetzner in den Vortrag legte, überzeugte er sein Publikum, das erkannte, welches Talent in seiner Stimme steckt und welches Spektrum mit ihr erreicht werden kann.

Und ob dies nun „Wohin führt mein Weg“ aus dem Musical „Rudolf“ war, oder „Endless Night“ aus „König der Löwen“, „Wie kann es möglich sein?“ aus „Mozart“ – stets legte Hetzner alles daran, in der Interpretation des Liedes auch die Figur zu sein, von der er sang. Noch eindringlicher wurde dies, als Hetzner im zweiten Block seine eigenen Songs präsentierte – das hatte er auch noch nie vor Publikum getan.

Unerwarteter Tiefgang

Und auch hier überrascht Hetzner – mit einem Tiefgang, der bei einem 22-jährigen nicht unbedingt zu vermuten ist, mit Arrangements, die beachtlich sind, mit Texten, die eine deutliche Sprache sprechen.

„Gute Laune ist nicht so mein Ding“, sagte Hetzner selbst, und es klang fast entschuldigend. Tatsächlich war es durchaus keine leichte Kost, die er in seinen Liedern verarbeitet: der Anschlag in Berlin, der Krebstod einer Kollegin – was Hetzner beschäftigt, das verarbeitet er in Musik, und mit dieser eigenen sehr persönlichen Musik verblüffte Hetzner sein Publikum noch mehr als mit seiner Interpretation der Musical-Songs.

Am Klavier begleitet wurde Hetzner von Benjamin Samul, dem musikalischen Leiter bei „My fair Lady“; und auch dieses Zusammenspiel klappte gut, vor allem eingedenk der Tatsache, dass Hetzner und Samul nur zweimal miteinander proben konnten.

Für die gute Laune zuständig an diesem Abend war die Band „Taktlos“, die keinerlei Mühe hatte, eben diese gute Laune herzustellen. Mit Songs wie „Angelina“, „Lollipop“, „Sundown“ und „Things“ lud sie zum Mitklatschen und Mitschwingen ein, und ihre Interpretation von „Somewhere over the rainbow“ aus dem „Zauberer von Oz“ lud vor allem wegen der glasklaren Stimmen von Johanna Schauz und Steffi Vetter zum Träumen ein.

Gegensätzlicher hätte der Abend damit nicht sein können – Applaus gab es für beide Auftritte jede Menge und sogar im Stehen.

Hetzner geht seinen Weg

Das Publikum war sich einig: Man darf gespannt sein, wohin Jacob Hetzners Weg noch führen wird. Eine Ausbildung zum Buchhändler und drei Jahre Gesangsunterricht kann er bereits vorweisen, derzeit absolviert er ein Vorstudium zum Musicaldarsteller in Sulzbach-Rosenberg mit Unterricht in Singen, Tanzen, Schauspielern und Dirigieren. Vor ihm liegen Aufnahmeprüfungen bei staatlichen Hochschulen.

Festgelegt ist Hetzner jedoch nicht: Schauspiel, Singen, Komponieren – er ist für viele Wege offen, wie er sagt. Hauptsache, es sind Wege, in denen er sein Können und sein Talent einbringen kann.

Dass davon jede Menge vorhanden ist, bewies dieser inspirierende Abend.