Person Ehrenbürger Michael Rogowski wird 75 Jahre alt

Ehrenbürger Dr. Michael Rogowski.
Ehrenbürger Dr. Michael Rogowski. © Foto: Jen Räpple (HZ)
Hendrik Rupp 12.03.2014
Dr. Michael Rogowski, früherer Voith-Chef, Ex-BDI-Präsident und einziger lebender Ehrenbürger Heidenheims, wird heute 75. Und was er einen Ruhestand nennt, ist nach wie vor ein ordentliches Arbeitspensum.

Zum Geburtstag ist der Jubilar außer Haus, im Urlaub. Natürlich mit Gattin Gabriele, mit der er seit über 50 Jahren verheiratet ist. Und auch nach dem Skiurlaub stehen erst einmal private Besuche an. „Es ist mir schon wichtig, endlich Zeit für die Familie zu haben“, sagt Michael Rogowski: „Und die Ämter werden nun ja schon weniger“.

Tatsächlich hat Rogowski in den vergangenen fünf Jahren längst nicht nur den Aufsichtsratsvorsitz bei Voith abgegeben: Jenseits der 70 überschreitet man diverse Altersgrenzen. Aktuell ist Rogowski noch in Aufsichtsräten und Kontrollgremien beim Energieriesen Vattenfall, beim Stahlkonzern Klöckner und bei Würth vertreten.

Dennoch: Rogowski bleibt eine Autorität in der Wirtschaft, dazu braucht er längst keine Ämter mehr. Gegen seinen Vorgänger, die mediale One-Man-Show Hans-Olaf Henkel, hatte Rogowski einst einen schweren Stand, doch ein Blick auf seine Nachfolger an der BDI-Spitze zeigt, wie prominent Rogowski war und bis heute ist. Ob in Podiumsrunden oder in Fachblättern und erst recht in Beratungsgremien: Rogowskis Stimme hat viel Gewicht und wird gehört. Ob im Lenkungsausschuss des Deutschland-Fonds oder aktuell in einem der größten Projekte zur Mittelstandsförderung: Der Ratgeber Rogowski hat immer noch einen dichten Terminkalender. Man muss schon einstiger Topmanager sein, um das als Ruhestand zu empfinden, auch wenn für das Golfen tatsächlich mehr Zeit bleibt als früher.

Vor Ort ist der Ehrenbürger ebenfalls engagiert – wie zuletzt auch schon mal beim Babysitten im Klinikum. Weit wichtiger auch hier die Arbeit hinter den Kulissen. Unvergessen, wie Rogowski für den Archäopark Vogelherd Klinken putzen ging – und mit seinen Verbindungen sicher ein Vielfaches dessen an Spenden an Land zog, was auf jede andere Weise möglich gewesen wäre. Und hilfreich zur Seite steht Rogowski auch seiner Gattin Gabriele bei deren Engagement für die Kunst – bislang im Bildhauer-Symposion, nach dessen Ende künftig mehr für das Kunstmuseum. „Ich bin im Wesentlichen fürs Geldausgaben zuständig“, lacht er auch über seine Tätigkeit für die Hanns-Voith-Stiftung.

Der Vorsitz des Stiftungsrats ist übrigens die einzige aktuelle Funktion, mit der man Michael Rogowski noch auf der Voith-Homepage finden kann. Eigentlich logisch bei einem angestellten Manager, der vor fast fünf Jahren auch als Aufsichtsratschef endgültig in den Ruhestand ging, und doch in Heidenheim schwer vorstellbar. Für viele hier gilt weiterhin: Michael Rogowski? Das ist Voith.

Kein Wunder, eigentlich: Über 35 Jahre lang war Rogowski bei Voith tätig. Hier wurde er auch gleichsam der Ziehsohn von Hugo Rupf, der wiederum Ziehsohn von Hanns Voith gewesen war – stets auch mit Familienanschluss. Und so verlängerte sich ein Anachronismus in die zweite Generation: Michael Rogowski, das war der letzte Voith-Chef, bei dem die Heidenheimer Manager und Eigentümer nicht auseinander halten konnten. Rogowski schüttelte jedem neuen Azubi in Heidenheim persönlich die Hand (wie es Hanns Voith getan hatte), bis heute wohnt er im früheren Haus von Hugo Rupf auf dem Voith-Firmengelände – so, wie es einst schon Friedrich Voith schräg gegenüber tat. Dass sich Rogowski heute aus den aktuellen Belangen des Konzerns heraushält, können viele Heidenheimer also kaum verstehen. Gelingt ihm seine Zurückhaltung nicht restlos, spitzt man in der Stadt die Ohren.

Man erinnert sich dann an hitzige Großkundgebungen, in denen der Arbeitsdirektor mit der Waldorfschul-Vita ganzen Hallen voller Voith-Arbeiter furchtlos die Leviten lesen konnte, erinnert sich an Rogowskis enorme Schlagfertigkeit: Einem argwöhnischen Schwaben bei Voith hatte er seinen Nachnamen einst so erklärt: „Rogowski ist Polnisch für Häberle“. Und man erinnert sich auch an den „Stämmekrieg“, der das Haus Voith in den 1990ern zu ruinieren drohte. Rogowski einte als Konzernchef damals die Nachkommen von Hanns Voith, akzeptierte die Realteilung, zahlte die Nachkommen von Hermann Voith aus. Und er schaffte es gemeinsam mit seinem Finanzgenie Hermut Kormann, diesen Schritt zu finanzieren. Die eigens aus der Taufe gehobene Voith AG musste sich als Rettungsschirm kaum bewähren, nach eineinhalb Jahrzehnten wechselte man in die GmbH-Form zurück. Nach acht Jahren an der Konzernspitze wechselte Rogowski im Jahr 2000 an die Spitze des Aufsichtsrats und übernahm auch den Vorsitz im Gesellschafterausschuss, jenem diskreten, aber mächtigen Zirkel der Eigentümerfamilien.

2001 wurde Rogowski Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Mit Kanzler Gerhard Schröder gab es zunächst Streit, später dafür um so tiefere Freundschaft. „Dass es Deutschland heute so gut geht, liegt maßgeblich an der Agenda 2010“, sagt Rogowski heute. Sein Wunsch nach mehr unternehmerischer und gesellschaftlicher Freiheit begründet auch sein politisches Engagement – Medienberichten zufolge sammelte er immer wieder Geld für die FDP.

Rogowskis Ehrungen aufzuführen, würde einen eigenen Artikel bedeuten – und keinen kurzen: Ob der japanische „Order of the Rising Sun“ oder das „Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“, ob das Bundesverdienstkreuz oder die Würde eines Ehrensenators der Universität Tübingen: Wenn es um die Titel und Anreden geht, kann man sich bei Rogowski im Namedropping verlieren.

Was hat ein Michael Rogowski also noch vor? Die Frage amüsiert Rogowski, doch er ist sie gewöhnt. Zu wenig sieht man ihm die 75 Jahre an, zu dynamisch kann Rogowski weiter auftreten, argumentieren, überzeugen. Nein, in die Politik wolle er nicht, nein aus den überlauten Talkshows will er sich fern halten und eigentlich auch keine mehr moderieren (was er für den Sender N-TV schon einmal tat). Bücher schreiben? Man hat ihn gefragt, ob er seine 20 Thesen „Für ein neues Wirtschaftswunder“ aus dem Jahr 2004 noch einmal aktualisiert herausgeben wolle. „Das ist eine Überlegung wert“, sagt er.

Und dann muss Michael Rogowski weg. Skifahren steht an, mit zwei seiner sechs Enkelkinder, denen er immer noch etwas vorwedeln kann. „Das sind“, sagt Michael Rogowski, „eigentlich doch auch sehr wichtige Termine für einen Opa“. Da hat er mal wieder Recht.