Heidenheim / Catrin Weykopf Heute Abend findet zum neunten Mal die weltweite Klimaschutzaktion „Earth Hour“ statt. Teilnehmer ist, wer zwischen 20.30 Uhr und 21.30 Uhr das Licht ausschaltet. Während in Köln dafür sogar die Dombeleuchtung abgeschaltet wird, bleibt Schloss Hellenstein erleuchtet. Anlass genug, einmal zu fragen: Was soll das?

Es geschah 2007 in Australien: Mehr als zwei Millionen Haushalte schalteten für eine Stunde das Licht aus. Das war die Geburtsstunde der „Earth Hour“. Seither gibt es jedes Jahr eine düstere Neuauflage der vom World Wildlife Fund organisierten Aktion. Inzwischen machen auch in Deutschland nicht nur Hunderttausende Bürger, sondern auch zahlreiche Stadtverwaltungen mit. In Köln, Trier, Düsseldorf, Nürnberg und Berlin gehen heute Abend beispielsweise die Lichter aus. Und auch im näheren Umkreis wird es zappenduster: Die Ellwanger Fußgängerzone und das Ulmer Münster werden heute unbeleuchtet sein – Schloss Hellenstein aber wird strahlen.

Was ist da los? So eine schicke Mitmachaktion und den Damen und Herren im Rathaus ist noch kein Licht aufgegangen? Da könnte man doch ohne großen Aufwand teilnehmen? Ein Zeichen setzen? Etwas für die Erde tun? Der städtische Sprecher, Wolfgang Heinecker, gibt die erleuchtende Antwort: „Das war bislang schlicht noch nie Thema“. Weltrettung in Heidenheim – da hat wirklich noch niemand danach gefragt? Wo es doch offenbar so einfach ist?

Was bewirkt die Aktion im örtlichen Stromnetz?

Aber: Ist es das wirklich? Wie viel Weltrettung ist denn geleistet, wenn eine Stunde lang keine Lampen leuchten? Die Antwort auf diese brennende Frage wiederum kommt von den Stadtwerken und sie ist ernüchternd: In Heidenheim ist durchs Lichtausschalten wenig bis gar keine Weltrettung möglich. Denn selbst wenn alle Haushalte gleichzeitig um 20.30 Uhr das Licht ausschalten, dann hat das im hiesigen Stromnetz – richtig – keinerlei Auswirkung. Es würde sich nicht einmal dann signifikant bemerkbar machen, wenn nicht nur das Licht, sondern alle privaten stromverbrauchenden Geräte abgestellt würden, erklärt Stadtwerke-Sprecherin Viktoria Mayer.

Ist das wahr? Licht aus – bringt nichts? Nicht ganz – denn vom Lichtausschalten geht, wenn schon keine klimaschonende, dann zumindest eine öffentlichkeitswirksame Strahlkraft aus. Und die machen sich nicht nur Köln, Berlin, Nürnberg und Ellwangen zu eigen, sondern auch so manchem Unternehmen hat's offensichtlich gedämmert. Schon Mitte der Woche kündigte etwa die „Netto“-Konzernzentrale an, man werde auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. In allen bundesweit 18 Logistikzentren ist deswegen heute Abend „Earth Hour“. Damit nimmt, wenn schon nicht zur Welt- dann eben zur Ehrenrettung, immerhin ein großes Gebäude im Landkreis teil: in Dettingen.