Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger Etwas sperrig und anstrengend auf der einen Seite, präsentierten die Michaelskantorei und das „Collegium Musicum Stuttgart“ Buxtehudes Passionsmusik dennoch auf eindrucksvolle Art und Weise.

Dietrich Buxtehudes „Membra Jesu nostri“ ist keine leichte Kost. Die formale Vielfalt und den kompositorischen Reichtum im Werk des Barockmeisters konnte man am Palmsonntag in der Pauluskirche auf beeindruckende Weise erleben.

Die Michaelskantorei samt Solisten und dem glänzend arbeitenden „Collegium Musicum Stuttgart“ boten unter dem subtilen wie fordernden Dirigat mit gediegenem Tempo von Maddalena Ernst, die auch über einen klaren, strahlenden Sopran verfügte, ein bewegendes Werk der Passionsmusik, bei dem es um die Gliedmaßen des gekreuzigten Christus ging. Mit sauberer Intonation und Phrasierung arbeitete der Chor von Beginn an, etwa bei „Ecce super montes“. Fein abgestimmte Tenöre und Bässe, aber auch die leuchtenden Soprane zeigten das hohe sängerische Niveau der Kantorei.

Markanter Bass, klarer Sopran

Leuchtend klar timbriert kam der Sopran von Maddalena Ernst bei „Salve mundi salutare“. Sibylle Bauer, Karin Dortenthon und Claudia Hering agierten als zweite Sopranstimme mit feiner Stimmfülle und Sinn für dramaturgische Feinheiten. Bei „Dulcis Jesu, pie deus“ zeigte Andreas Ocker eine markante Kernigkeit bei seiner Bassstimme und Dietrich Wrase hatte bei „Salve mundus salutare“ einen recht substanzreichen Tenor mit durchsichtiger Gestaltung, so auch bei dem komplexen „Salve Jesus, rex sanctorum“.

Die oft bohrende Intensität des Stücks, in dem formale Strenge und klangschönes Melos dicht beieinanderlagen, bereitete dem Chor wie den Solisten kaum Schwierigkeiten. Kunstreiche Figurationen wie bei „Ad ubera“ kamen mit präzisen Einsätzen und klarer Artikulation. Der federnde, nicht nur in den mittleren Lagen markante Alt von Sarah-Lena Eitrich kam dezent und ausgewogen, etwa bei „Quid sum tibi responsurus“. Der Chor zeigte eine vitale Gangart, die aber nicht auf Kosten von harmonischen Details ging.

Die Spitzentöne der Oberstimmen klangen eher luftig als streng. Der kantable Fluss, den Chor wie Solisten pflegten, sowie die Lebendigkeit der Darbietung tröstete über manche düstere Strenge in Buxtehudes Passionsmusik hinweg. Dem „Collegium Musicum“ gilt dabei eine besondere Anerkennung für das engagierte, stimmige Spiel mit differenzierter Gestaltung. Theorbe und Viola da Gamba waren aber weitgehend bei den sechs „Intermedien“ von Burkhard Kinzler vorgesehen. Düster und fast bedrohlich klang es beim ersten Intermedium mit Violone, und mystisch wirkende Cembaloklänge statt der Theorbe im Pianissimo erforderten beim dritten Intermedium die volle Aufmerksamkeit der Spieler.

Anstrengend zuzuhören

Man staunte über die kompositorischen Finessen in Kinzlers kurzen, aber bewegenden Werken, die manchmal auch bizarr und ins Atonale gehend, etwa beim Cello im Intermedium fünf, etwas irritierten. Es war oft anstrengend zuzuhören, zumal Buxtehude ja auch mit außergewöhnlichem Ausdruck arbeitete. Dennoch überwog die hymnische Pracht des Chores, der mit enormer Prägnanz und artikulatorischer Disziplin dieses oft sperrige Werk zum Leuchten brachte.

Herrlich kam das Concerto mit Chor, Tenor und Alt, und nach dem triumphalen Schluss gebührte vor allem Maddalena Ernst Anerkennung und Respekt für ihre glänzende Leistung als Sopranistin wie Dirigentin. So klein auch das Altarkreuz wirkte, es stand im Mittelpunkt des Passionsgeschehens und seine Wirkung in den unterschiedlichen Beleuchtungsarten, subtil gestaltet von Werner Glatzle, beeindruckte zu dieser herrlichen Musik die 150 Besucher, von denen allerdings nicht jeder einen freien Blick auf das Geschehen im Altarraum hatte.

Dietrich Buxtehude

Dietrich Buxtehude war als dänisch-deutscher Organist und Komponist des Barocks tätig. Zu seinen weltlichen Werken zählen überwiegend Triosonaten und Klavierwerke, außerdem schuf er etliche geistliche Orgelwerke. Verzeichnet sind 135 Vokalwerke, 89 Orgelwerke, 26 Cembalowerke und 24 Werke für Streicher.