Heidenheim/Ellwangen Drogen und Falschgeld: Ex-Chef der „United Tribuns“ vor Gericht

Gefälschte 500-Euro-Scheine, Kokain und Marihuana: Dies sind die „Zutaten“, die dem 29-jährigen Heidenheimer eine Anklage vor dem Landgericht Ellwangen eingebracht haben.
Gefälschte 500-Euro-Scheine, Kokain und Marihuana: Dies sind die „Zutaten“, die dem 29-jährigen Heidenheimer eine Anklage vor dem Landgericht Ellwangen eingebracht haben. © Foto: stock.adobe.com/Montage: hz
Heidenheim/Ellwangen / Silja Kummer 17.10.2018
Seit Dienstag steht der 29-jährige frühere Chef der rockerähnlichen Gruppierung „United Tribuns“ vor Gericht.

Der Angeklagte wird aus der Untersuchungshaft vorgeführt, Arme und Beine in Schließen. Er trägt ein blaukariertes Hemd und Jeans. Manchmal wirkt sein Blick ein wenig starr und er kaut auf seinen Lippen. Ansonsten ist ihm keine Nervosität anzumerken.

Der 29-Jährige, der Chef der Gruppierung United Tribuns in Heidenheim war, ist angeklagt, weil er mit Kokain und Marihuana in nicht geringen Mengen gehandelt haben soll. Außerdem wird ihm Betrug und Geldfälschung vorgeworfen, insgesamt geht es um fünf Taten oder rechtlich selbstständige Handlungen, wie dies in der juristischen Fachsprache heißt.

Vorerst keine Aussage

Gleich zu Beginn appellierte der Vorsitzende Richter Gerhard Ilg an den Mann, er solle sich doch wenigstens zu seinen persönlichen Verhältnissen äußern. „Wir urteilen nicht nur über Straftaten, sondern über Menschen“, so der Richter am Landgericht Ellwangen. Vorerst wolle sein Mandant nicht aussagen, meinte dazu Verteidiger Benedikt Pauka.

Die Frage, ob der Angeklagte etwas zu den Vorwürfen sagt oder gar ein Geständnis ablegt, hat in diesem Verfahren eine besonderes Bedeutung: Sagt der 29-Jährige aus, sagt er sich damit auch von der rockerähnlichen Gruppierung los, in der er eine Führungsrolle übernommen hatte.

Eine Aussage könnte sich günstig auf die Strafe auswirken, Prozessbeobachter sprechen von bis zu zwei Jahren Gefängnis weniger.

Davon, dass der vorbestrafte Mann zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wird, geht sogar sein Verteidiger aus, der mit einem Strafmaß von drei bis sechs Jahren rechnet.

Vorgeworfen wird dem 29-Jährigen beispielsweise, im Juni 2016 an ein anderes Mitglied der United Tribuns aus Ingolstadt 70 Gramm Kokain im Wert von 3500 Euro verkauft zu haben. In einem anderen Fall soll er, ebenfalls vermittelt durch den „Bruder“ aus Ingolstadt, von einem dritten Mann 9000 Euro für 1,5 Kilo Marihuana entgegengenommen haben, die Drogen aber nie an diesen ausgehändigt haben. Monate später soll er dem Ingolstädter 5000 Euro Falschgeld „sehr guter Qualität“ in 500-Euro-Scheinen gegeben haben, damit dieser Marihuana damit kaufen kann.

Der „Bruder“ aus Ingolstadt

Am ersten Verhandlungstag des mehrtägigen Prozesses drehte sich alles um die Taten, in die der 28-jährige Ingolstädter ebenfalls verwickelt war. Dieser ist schon in einer anderen Strafsache verurteilt und wurde aus der Haft vorgeführt. In welchem Gefängnis er diese absitzt, wurde aus Sicherheitsgründen nicht erwähnt.

Der Mann, der ab 2015 in Ingolstadt als Vizepräsident der United Tribuns auftrat, hatte zwar einen Job als Mechatroniker bei Audi, war aber nebenher als Türsteher tätig und glitt offenbar irgendwann ganz in diese Szene ab. Er habe über die United Tribuns den damaligen Heidenheimer Präsidenten kennengelernt und sich gut mit diesem verstanden.

„Er spielte ein falsches Spiel“

„Das Brüderliche hat gepasst, bis er ein falsches Spiel gespielt hat“, schilderte er vor Gericht das Verhältnis. Anfangs habe er von dem angeklagten Heidenheimer Anabolika gekauft, dann im Auftrag eines Freundes Kokain und schließlich habe er den Marihuana-Deal an einen anderen Bekannten aus Ingolstadt vermittelt.

Bei der polizeilichen Vernehmung hatte er davon gesprochen, dass die Drogen vom Miri-Clan, einer libanesischen Großfamilie aus Bremen, nach Heidenheim geliefert worden sein sollten. Gestern distanzierte er sich von dieser Information, die seiner Aussage nach vom Angeklagten stammen sollte. „Er ist ein Dampfplauderer“, so der Zeuge, er habe ihm irgendwann nicht mehr geglaubt, dass er Kontakte zu dem Clan haben könnte.

Die Zeugenbefragung zog sich über fast fünf Stunden hin, da vor allem der Verteidiger, Rechtsanwalt Pauka, den 28-Jährigen sehr detailliert und zu manchen Sachverhalten auch wiederholt befragte. Dieser wollte sich vor dem Landgericht beispielsweise nicht daran erinnern, dass er Vermittlungsgeld für den Marihuana-Deal bekommen hatte und im Fall des Kokaingeschäfts womöglich mehr vom Empfänger kassieren wollte, als er selbst bezahlt hat.

Beobachtet wurde der Prozess hauptsächlich nur von Familienangehörigen des Angeklagten. Die Polizei, die mit einigen Beamten vor Ort war, hatte mit Gästen aus den Reihen der United Tribuns gerechnet. Dass diese nicht gekommen sind, lässt wiederum auf eine Distanzierung des Clubs vom Angeklagten schließen. Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt.

Die Vorgeschichte: der Bandenkrieg in Heidenheim

Einige Akteure des Prozesses – neben dem Angeklagten auch mehrere Zeugen – sind bereits im Mordprozess nach der Schießerei in der Clichystraße im April 2016 vor Gericht zu sehen gewesen.

Damals hat der heutige Angeklagte als Zeuge ausgesagt, ein ebenfalls an einer der Straftaten beteiligter Mann war damals Nebenkläger.

Bei der Schießerei hatte der Präsident der Black Jackets vor einem Friseurgeschäft auf zwei Mitglieder der United Tribuns geschossen. Einen verletzte er tödlich, dessen Bruder hat schwer verletzt überlebt.

Der Täter wurde im Februar 2017 zu 13 Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt.

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