Heidenheim / Erwin Bachmann  Uhr
Wenn es um die Schlagkraft der Notfallversorgung geht, macht der DRK-Kreisverband Heidenheim keine Kompromisse. Der Preis dafür ist freilich hoch, kostet es doch viel Kraft und Geld, das Rettungswesen weiter zu verbessern.

Dass sich die Anstrengungen lohnen, zeigt ein Blick auf die aktuellen Hilfsfrist, also jene Zeit, die vom Eingang einer Notfallmeldung in der Rettungsleitstelle bis zum Eintreffen der Helfer am Notfallort vergeht. Laut Landes-Rettungs-Dienstgesetz sollen dabei möglichst nicht mehr als zehn, höchstens aber 15 Minuten vergehen– und die Frist gilt als erfüllt, wenn sie in 95 Prozent aller Fälle eingehalten werden kann.

Noch vor fünf Jahren konnte man davon im Kreis Heidenheim nur träumen, lag die Quote in der Notfallrettung doch gerade mal bei 88,2 und in der notärztlichen Versorgung bei nur 84,8 Prozent. Bereits 2009 hatte der sich aus Kostenträgern und Leistungserbringern zusammensetzende Bereichsausschuss darauf reagiert und mit örtlichen Verantwortlichen ein neues Konzept auf die Beine gestellt. Mit dem Ergebnis, dass dank einer verstärkten Kooperation mit dem Ostalbkreis, eines neuen Zuschnitts der Zuständigkeiten von Rettungswachen und Verbesserungen im notärztlichen Bereich die Hilfsfrist merklich verkürzt werden konnte.

Im ersten Halbjahr 2012 hat das Rote Kreuz noch einmal zugelegt. Jetzt liegen die Prozentsätze bei eingehaltenen Hilfsfristen für den Rettungswagen bei 95,4 und für den Notarzt bei 96,1 Prozent, also bereits über dem gesetzlich geforderten Maß. Nach Angaben von Rettungsdienstleiter David Richter nimmt Heidenheim im landesweiten Vergleich nach Stuttgart und Karlsruhe den dritten Platz ein und gehört damit zu einem exklusiven Kreis von nur sieben von 37 Rettungsdienstbereichen, in denen die notärztliche Hilfsfrist tatsächlich eingehalten wird– und das als großer Flächenkreis, in dem weitere Wege als in vielen Stadtkreisen zu bewältigen sind.

Diese Spitzenstellung kommt nicht von ungefähr. Für den Präsidenten des DRK-Kreisverbandes Heidenheim, Albert Tränkle, stellt der Rettungsdienst das„Paradepferd“ dar, das mit Hilfe vieler Beteiligter ausgesprochen gut am Laufen gehalten wird. Treibende Kraft in diesem Geschehen ist mit dem DRK-Kreisverbandsarzt Dr. Bernhard Konyen der amtierende Vorsitzende des Bereichsausschusses, der maßgeblich an den jüngst erzielten Fortschritten der notärztlichen Versorgung in Giengen und im unteren Brenztal beteiligt war. Eine Schlüsselrolle spielt der vor zwei Jahren beim DRK Giengen eingerichtete Notarzt-Stützpunkt, von wo aus bisher 2400 Einsätze gefahren worden sind. Dem Engagement des Leitenden Notarztes Dr. Konyen ist es zu verdanken, dass es in Kooperation mit vielen Beteiligten– darunter das Klinikum Heidenheim, das Bundeswehr-Krankenhaus in Ulm und auch niedergelasseneÄrzte– gelungen ist, beide Notarzt-Standorte immer zu besetzen.

„Wir sind dankbar, dass da auch die Kostenträger mitziehen“, sagt Albert Tränkle. Zusammen mit Guido Mayer, Geschäftsführer der Rettungsdienst gGmbH, verweist er darauf, dass das mit dem Rettungsdienst verbundene Engagement alleine nicht zu stemmen ist, zumal auch mit dem derzeit laufenden Ausbau des Giengener Notarzt-Stützpunkts zu einem Rotkreuz-Zentrum das finanzielle Limit erreicht wird.„Das geht an die Substanz“, so Tränkle, der hofft, dass die auf eine Million Euro veranschlagten Kosten eingehalten werden können und angesichts steigender Baukosten am Ende nicht noch 100 000 Euro draufgesattelt werden müssen.

Allein 230 000 Euro hat der DRK-Kreisverband in diesem Jahr in seinen nunmehr top ausgerüsteten Fuhrpark investiert. So verfügt man inzwischen über vier Krankentransportwagen, was den Vorteil hat, dass Rettungswagen von Krankentransporten entlastet werden– das wirkt sich zum einen positiv auf die Hilfsfrist aus, verkürzt zum anderen die Wartezeiten bei Krankentransporten.

Eine große Bedeutung im Rettungsdienst kommt den vielen ehrenamtlichen„Helfern vor Ort“ zu, die in der Rettungskette eine wichtige Rolle spielen. Im Laufe eines Jahres haben es diese Tag und Nacht dienstbereiten Frauen und Männer auf fast 500 Einsätze gebracht, bilanziert der Leitende Notarzt Bernhard Konyen, der ausgesprochen große Hochachtung vor der professionellen Leistung dieser für Erstmaßnahmen ausgebildeten medizinischen Laien hat.

Gut aufgestellt ist das Rote Kreuz auch im Bereich der Früh-Defibrillation, eine Basismaßnahme der Wiederbelebung, mit der nach Angaben Konyens schon viele Leben gerettet worden sind. Die große Zahl der an diesen Geräten ausgebildeten Menschen wird als eine herausragende Leistung des Kreisverbandes gesehen. Albert Tränkle:„Für Heidenheim ein Aushängeschild allererster Güteklasse.“