2019 Gemeinderat: Drei Fraktionen brauchen neue Vorsitzende

Die Ankündigung kommt für viele Heidenheimer überraschend: Gleich drei Fraktionen im Gemeinderat werden ab der nächsten Wahl neue Vorsitzende haben: Uwe Wiedmann, CDU (links), Michael Sautter, Grüne (Mitte) und Ulrich Grath, Freie Wähler (rechts) werden nicht mehr für den Gemeinderat kandidieren.
Die Ankündigung kommt für viele Heidenheimer überraschend: Gleich drei Fraktionen im Gemeinderat werden ab der nächsten Wahl neue Vorsitzende haben: Uwe Wiedmann, CDU (links), Michael Sautter, Grüne (Mitte) und Ulrich Grath, Freie Wähler (rechts) werden nicht mehr für den Gemeinderat kandidieren. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Andreas Uitz 19.08.2018
Die Vorsitzenden von drei Fraktionen im Gemeinderat werden bei der Wahl im kommenden Frühjahr nicht mehr antreten. Derzeit wird an den Listen gearbeitet.

Die nächsten Kommunalwahlen in Baden-Württemberg finden am 26. Mai kommenden Jahres statt. Das sind noch neun Monate, und doch bewegt das Thema die lokale Politik und lokale Politiker schon heute. Die Fraktionen im Gemeinderat und die Parteien müssen sich rechtzeitig Gedanken darüber machen, wie sie in die Wahl gehen, wie sie es schaffen, ihre Listen zu füllen, wie sie mögliche Kandidaten finden und vor allen Dingen: Wer von den jetzt amtierenden Stadträten wieder zur Wahl antritt.

Auch wenn das noch lange hin ist, eine bedeutende Veränderung steht schon jetzt fest. An der Spitze von drei der vier im Gemeinderat vertretenen Fraktionen wird es ganz gehörige Veränderungen geben, denn: die Fraktionsschefs treten nicht mehr an.

Gravierende Wechsel

Auf Nachfrage der HZ bestätigen Uwe Wiedmann, Fraktionsvorsitzender der CDU, Ulrich Grath, Fraktionssprecher der Freien Wähler und Michael Sautter, Fraktionschef der Grünen, dass sie bei der Gemeinderatswahl im kommenden Mai nicht mehr kandidieren werden. Damit gehen drei Lokalpolitiker von Bord, die teils über jahrzehntelange kommunalpolitische Erfahrung verfügen und auch schon viele Jahre ihren Fraktionen vorstehen. Für viele kommen die Ankündigungen überraschend. Vor allen Dingen die von Ulrich Grath, denn erst vor einem Monat hatte er erklärt, 2019 wieder antreten zu wollen.

Damit kandidiert der SPD-Fraktionsvorsitzende Rudi Neidlein als Einziger erneut. „Derzeit ist in unserer gesamten Fraktion nicht erkennbar, dass jemand nicht wieder kandidieren will“, so Neidlein, „ich trete auf jeden Fall wieder an.“ Von zwei Dritteln der SPD-Stadträte liege die Zusage mündlich schon vor. „Wir sind bei der Kandidatensuche schon fast in der Endphase, bis Ende Oktober sollten alle Bewerber feststehen“, so der Fraktionschef. So kündigt er an, dass auf der Liste auch einige neue Köpfe auftauchen werden, „wichtig ist, dass auch jüngere Menschen dabei sind“. Die Fraktion sollte seiner Ansicht nach verjüngt werden, das Problem jedoch sei, dass die älteren Wähler meist auch die älteren Kandidaten wählen. Neidlein erklärt auch, dass die Liste, mit der seine Partei in die Gemeinderatswahl gehen wird, ein Reißverschlusssystem haben soll, in dem sich weibliche und männliche Kandidaten abwechseln.

Bei der CDU ist der Stadtverbandsvorsitzende Michael Kolb für die Liste verantwortlich. Der bisherige Fraktionschef Uwe Wiedmann begründet seinen Rückzug folgendermaßen: „Nach zehn Jahren ist es Zeit, die Verantwortung weiterzugeben. Die Arbeit des Gemeinderates lebt immer auch vom Wechsel und damit neuen Ideen und Impulsen.“ Doch zusätzlich zu Wiedmann treten voraussichtlich auch andere Stadträte nicht wieder an. „Von vieren wissen wir das schon, andere haben sich noch nicht entschlossen“, sagt Kolb. Das bedeutet, dass es in den Reihen der CDU-Fraktion auf jeden Fall einen größeren Wechsel geben wird. „Das ist eine große Chance für neue Kandidaten, tatsächlich auch gewählt zu werden“, so Kolb. Die CDU hat ausreichend Kandidaten, es seien aber auch noch weitere Interessenten willkommen. Wichtig ist ihm, dass auch jüngere Menschen auf der Liste stehen.

Wunsch nach jungen Kandidaten

Gründe, warum er nicht mehr antreten wird, will Ulrich Grath noch nicht nennen. Die Suche nach neuen Kandidaten für die Liste der Freien Wähler habe schon vor Wochen begonnen. „Es gibt Leute, die uns angesprochen haben, auf andere sind wir zugegangen“, so Grath. Er sei sehr zuversichtlich, dass die Liste die Bandbreite der Gesellschaft abdecken wird, „aber in erster Linie werden wir Selbstständige auf der Liste haben“. Auch ihm ist es ein Anliegen, dass jüngere Kandidaten vertreten sind.

Bei den Grünen kümmert sich Stefani Schall-Uhl um die Kandidatenliste. Von ihr war zu erfahren, dass Michael Sautter nicht mehr zur Gemeinderatswahl antreten wird. Auch sie ist der Ansicht, dass das eine große Chance für neue Kandidaten ist, sich kommunalpolitisch einzubringen. In Partei und Kreisverband seien viele Grüne bereit. „Wir haben keine Sorge, dass wir unsere Liste nicht füllen können. Ich bin sogar überrascht, wie gut das funktioniert“, so die Stadträtin. Ihre Partei setze bei den anstehenden Wahlen auf „Verjüngung und Verweiblichung“. Es gebe etliche jüngere Menschen, die sich überlegen, der Grünen-Liste beizutreten.

Mehr Probleme hat da die Linke, die mit zwei Stadträten im Gemeinderat vertreten ist. „Wir treten auch wieder an“, erklärt Norbert Fandrich. Es sei nicht einfach, Kandidaten zu finden, aber man habe schon etliche Interessierte für die Liste beisammen. Auch bei den Linken hätten sich Interessierte gemeldet, andere potenzielle Kandidaten habe man angesprochen.

Dass in einem Stadtparlament auch die DKP vertreten ist, ist landesweit eine Besonderheit. Auch deren Stadtrat Reinhard Püschel erklärt, bei der Wahl im Mai erneut anzutreten, eine Liste werde derzeit erstellt.

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