Heidenheim Dorf in der Stadt eröffnet sein Herzstück

Das Gemeinschaftshaus im Dorf in der Stadt ist fertig: Am Samstag fanden sich etliche Interessierte ein, um beim Tag der offenen Tür die innovative Wohnform im Heidenheimer Westen sowie das neue Haus Ugental kennenzulernen.
Das Gemeinschaftshaus im Dorf in der Stadt ist fertig: Am Samstag fanden sich etliche Interessierte ein, um beim Tag der offenen Tür die innovative Wohnform im Heidenheimer Westen sowie das neue Haus Ugental kennenzulernen. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Holger Scheerer 17.06.2018
Seit über zehn Jahren besteht die generationenübergreifende Siedlung namens Dorf in der Stadt. Mit dem Gemeinschaftshaus ist nun der Mittelpunkt fertig.

Die Siedlung am Eingang des Heidenheimer Ugentals im Westen der Stadt gilt als Vorzeigeprojekt, was Wohnen in einer generationenübergreifenden Gemeinschaft angeht. Die Krönung war nun die Fertigstellung des lange herbeigesehnten Gemeinschaftsgebäudes. Mit einem Tag der offenen Tür wurde das Haus Ugental am Samstag der Öffentlichkeit vorgestellt.

Zwei Stockwerke sind belegt

Oberbürgermeister Bernhard Ilg zeigte sich nach wie vor beeindruckt vom langen Atem und Willen aller Beteiligten, „dieses Zukunftsmodell umzusetzen“ und sprach von einem „großartigen Gemeinschaftswerk“. In der Tat musste im Verlauf der rund zehnjährigen Planung des Hauses so manche Hürde genommen werden, bevor das lange ersehnte Bauprojekt endlich konkrete Gestalt annehmen konnte.

Die Idee einer ambulant betreuten Seniorenwohngemeinschaft im Rahmen einer bewusst gestalteten Mehrgenerationensiedlung nahm so richtig Fahrt auf, als sich Investor Michael Stocker, seit Jahrzehnten in der Altenpflege tätig, den Vereinen „Dorf in der Stadt“ und „Haus Ugental“ beiseite stellte und die Bagger anrollen ließ.

Obwohl es im Erdgeschoss des halbrunden Hauses mit seinen großen, bodentiefen Fenstern noch einige Kleinigkeiten zu erledigen gibt, sind die beiden Wohngemeinschaften im ersten und zweiten Obergeschoss bereits vollständig belegt.

Initiative „Zeitraum“

Im Erdgeschoss will Stocker neben Gemeinschaftsräumen für das Dorf in der Stadt seine Initiative „ZeitRaum“ unterbringen. Langzeitarbeitslose und Menschen mit Handicaps sollen hier eine sinnvolle Beschäftigung finden und neben Auftragsarbeiten auch anfallende Tätigkeiten im Dorf übernehmen. Ins Erdgeschoss eingezogen ist der Pflegedienst Humanitas, der die Betreuung der Senioren übernommen hat.

Alternative zum herkömmlichen Pflegeheim

Das Haus Ugental versteht sich als bewusste Alternative zu herkömmlichen Pflegeheimen. Weniger Anonymität und Massenabfertigung, mehr Selbstbestimmung und vertrautes Beisammensein, so lauten die Grundideen der betreuten Seniorengemeinschaft. So sind die Bewohner nicht an feste Essenszeiten gebunden. Auch den Zeitpunkt, zu dem sie den Pflegedienst beanspruchen wollen, können sie selbst bestimmen. Gemeinsames Leben in familiärer Atmosphäre macht die eine Seite der Qualität des Wohnens im Haus Ugental aus, die Möglichkeit zum jederzeitigen Rückzug in die Privatsphäre die andere.

Die beiden Vereine „Dorf in der Stadt“ und „Haus Ugental“ sorgen für die Integration des Gemeinschaftsgebäudes in das Gesamtkonzept der Siedlung. Gemeinsame Unternehmungen, Dorfkino, Veranstaltungen und Feste sind geplant, die das „Dorf in der Stadt“ als Ganzes weit über seine eigenen Grenzen hinaus zu einem Anziehungspunkt werden lassen sollen.

Die Idee dahinter

Um Nachbarschaftshilfe ging es, als sich 1994 Menschen in Heidenheim in einer neuen Form des Zusammenlebens zusammenfanden. Wenig später entstand das Wohnkonzept und der Verein „Dorf in der Stadt“. 2003 pflanzten die Initiatoren eine Dorflinde und begannen mit dem Bau von Häusern in ökologischer Bauweise mit viel Holz und begrünten Dächern sowie der Nutzung von Regenwasser.

2004 zogen die ersten Bewohner ein. Heute leben 80 Menschen in 55 Wohnungen; Familien, Paare, Alleinerziehende, Senioren und Singles.

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