Wahl Domberg-Nachfolge in Heidenheim: Olaf Bernauer zieht Kandidatur zurück

Heidenheim / Hendrik Rupp 11.01.2018
Steinheims Bürgermeister sieht keinen ausreichend breiten Rückhalt in den Fraktionen.

Olaf Bernauer will nicht mehr Nachfolger von Rainer Domberg werden. Am Donnerstag teilte der Steinheimer Bürgermeister der Stadt mit, dass er seine Kandidatur zurückzieht und bei der Wahl nicht mehr antritt.

Zeitgleich veröffentlichte Bernauer eine schriftliche Erklärung. „Über die Erklärung hinaus habe ich im Moment nichts mitzuteilen“, so Bernauer zur Heidenheimer Zeitung.

In der Erklärung bezeichnet sich Bernauer als Teamplayer, der Netzwerke pflege: „Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass aus Heidenheim an mich herangetreten wurde, wollte ich die gebotene Herausforderung annehmen. In den Gesprächen, die ich dazu führen durfte, stellte sich mein eigenes Netzwerk als stabil heraus. Trotzdem ist es allein nicht tragfähig genug, um den notwendigen breiten Rückhalt zu gewährleisten, den ich für den Erfolg meiner Kandidatur benötige.“

Bürgermeister in Steinheim bleiben

In der Erklärung kündigt Bernauer an, weiterhin Rathauschef in Steinheim bleiben zu wollen. Dort hätte sich damit auch die vorgezogene Bürgermeisterwahl erledigt, im Herbst stellt sich Bernauer regulär zur Wiederwahl.

„Ich schätze und bedanke mich sehr herzlich für den Rückhalt, der mich auch in der Phase meiner Bewerbung getragen hat und der mich weiterhin tragen wird“, so Bernauer in seiner Erklärung.

Mehrheit geriet ins Wanken

In Heidenheim hatte sich insbesondere SPD-Fraktionschef Rudi Neidlein für die Kandidatur Bernauers stark gemacht. Dessen Wahl in Heidenheim galt zunächst als sicheres Heimspiel, doch gerieten die anfangs erhofften Mehrheiten zuletzt offenbar schwer ins Wanken, und schon am vergangenen Wochenende war aus Kreisen des Gemeinderats zu hören, dass es „doch sehr eng“ werden könne.

Zuvor hatte Bernauer lange wie der sichere Gewinner der Wahl ausgesehen: Die SPD stand zu ihm, dem Vernehmen nach auch OB Ilg, die Freien Wähler waren nicht abgeneigt und selbst unter den linken Räten durfte der Steinheimer Bürgermeister auf Unterstützung hoffen.

Eher auf Gegenkurs waren anfangs allein die Grünen, die sich nach dem für sie schmerzlichen Parteiwechsel von Sabine Bodenmüller ohnehin noch mit allem schwer tun, was die SPD macht. Erst wollten die Grünen einen Bauexperten als Beigeordneten, dann hieß es, eine Frau sei in jedem Fall besser als ein Mann.

Tatsächlich knapp wurde es am Ende aber offenbar in der CDU-Fraktion. Das zumindest kann man erahnen, wenn man hört, dass die CDU in einer gemeinsamen Fraktionssitzung mit den Grünen den beiden verbliebenen Kandidaten auf den Zahn fühlte und sich später nach und nach und schließlich mit großer Mehrheit für Sabine Maiwald ausgesprochen haben soll.

Dass mit der CDU gerade jene Fraktion streikt, der man das im diplomatischen Vorfeld nie zugetraut hätte, mag genau das Motiv bilden: Die CDU will offenbar nicht die „Kanzlerfraktion“ im Gemeinderat sein, die man bei Absprachen im Vorfeld schon gar nicht mehr fragen muss.

Bernauer wollte Stelle tauschen, wenn die mehrheiten apssen

Olaf Bernauer wiederum hatte von Anfang an klargemacht, dass er seinen Posten im Steinheimer Rathaus nur gegen die Beigeordneten-Stelle tauschen werde, wenn er auf eine große Mehrheit zählen könne.

Mit Bernauers Rückzug wird die Wahl des Beigeordneten am 25. Januar im Gemeinderat wohl zur Ein-Frau-Show: Simone Maiwald ist die letzte verbliebene Kandidatin. 

Was ist ein Beigeordneter?

Beigeordnete sind hauptamtlich Beschäftigte einer Stadt, die die Bürgermeisterin oder den Bürgermeister ständig in ihrem Geschäftskreis vertreten. Sie werden vom Gemeinderat für acht Jahre gewählt.

Ob Beigeordnete bestellt werden, hängt von der Größe der Gemeinde ab. Beispielsweise müssen in Stadtkreisen immer welche bestellt werden.

In Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern können sie bestellt werden. Die Anzahl der Beigeordneten wird durch die Hauptsatzung der Gemeinde festgelegt. Die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister kann ihnen Weisungen erteilen.

Die oder der Erste Beigeordnete ist die ständige allgemeine Stellvertretung des Bürgermeisters. Sie oder er führt in Stadtkreisen und Großen Kreisstädten die Amtsbezeichnung Bürgermeisterin oder Bürgermeister. Die von den Bürgern gewählte Bürgermeisterin führt dann die Bezeichnung Oberbürgermeisterin. In gleicher Weise trägt ein Bürgermeister die Bezeichnung Oberbürgermeister.

Die weiteren Beigeordneten sind nur dann eine allgemeine Stellvertretung der Bürgermeisterin oder des Bürgermeisters, wenn sowohl die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister als auch die oder der Erste Beigeordnete verhindert sind. In Stadtkreisen und Großen Kreisstädten kann der Gemeinderat den weiteren Beigeordneten die Amtsbezeichnung Bürgermeisterin oder Bürgermeister verleihen.

In Gemeinden ohne Beigeordnete bestellt der Gemeinderat aus seiner Mitte einen oder mehrere ehrenamtliche Stellvertreterinnen oder Stellvertreter der Bürgermeisterin oder des Bürgermeisters. Diese Stellvertretung ist auf die Fälle beschränkt, in denen die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister selbst verhindert ist. / Quelle: Service BW

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