Ermittler DNA-Massentest beginnt heute: die wichtigsten Fragen und Antworten

Am 5. Febraur schließlich wird bekannt: Der Massentest soll am Wochenende vom 14. bis 16. Februar stattfinden.
Am 5. Febraur schließlich wird bekannt: Der Massentest soll am Wochenende vom 14. bis 16. Februar stattfinden. © Foto: Steve Heap (43219513)
Kreis Heidenheim / 14.02.2014
Ab heute Nachmittag findet in Neresheim der DNA-Massentest zum Mordfall Bögerl statt. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Mehr als 3000 Männer werden ab heute in Neresheim zum DNA-Massentest gebeten. Die Ermittler im Mordfall Bögerl erhoffen sich davon neue Erkenntnisse und Ermittlungsansätze.  

Die Stadt Neresheim unterstützt das Vorhaben und hat die Härtsfeldschule am Dossinger Weg 18 zur Verfügung gestellt. Im Erdgeschoss der Schule werden die Proben gleichzeitig in mehreren Räumen entnommen. Zunächst werden die Personalien erhoben, dann mit einem sterilen Wattetupfer eine Speichelprobe von der Mundschleimhaut genommen, was insgesamt nur wenige Minuten dauern soll. Die Polizei wird nach eigenen Angaben dafür Sorge tragen, dass Wartezeiten möglichst vermieden werden.

Staatsanwaltschaft und Polizei erhoffen sich durch die DNA-Reihenuntersuchung neue Erkenntnisse im Ermittlungsverfahren der entführten und getöteten Maria Bögerl. Wie berichtet, haben Kriminaltechniker molekulargenetische Spuren gesichert, die von einem Mann stammen. Der mögliche Spurenverursacher konnte bislang jedoch nicht ausfindig gemacht werden. Je mehr Männer freiwillig an der Reihenuntersuchung teilnehmen, deren DNA-Identifizierungsmuster nicht mit der gesicherten Spur übereinstimmt, desto kleiner wird der Kreis derer, die als Spurenleger in Betracht kommen, so die Hoffnung der Staatsanwaltschaft.

Im Vorfeld der Massenuntersuchung haben die Ermittler in knapper Form die wichtigsten Fragen und Antworten zur breit angelegten Speichelprobe zusammengefasst:

Warum führt die Polizei die DNA-Reihenuntersuchung durch?

Am 12. Mai 2010 wurde Maria Bögerl, die Frau des damaligen Vorstandsvorsitzen¬den der Kreissparkasse Heidenheim, aus dem Haus der Familie in Heidenheim-Schnaitheim entführt. Vom Ehemann der Entführten forderte ein bislang unbekannter Täter mit ortsüblichem Dialekt im Laufe des Vormittags Lösegeld. Das Lösegeld wurde nicht abgeholt. Am 14. Mai 2010 wurde das zur Entführung benutzte Auto von Frau Bögerl im Hof des Klosters Neresheim aufgefunden. Eine groß angelegte Suche und die Öffentlichkeitsfahndung nach Frau Bögerl verliefen erfolglos. Am 3. Juni 2010 entdeckte ein Spaziergänger die Leiche der getöteten Maria Bögerl in einem Waldstück bei Nietheim. 

Kriminaltechniker sicherten molekulargenetische Spuren,  die von einer männlichen Person stammen. Obwohl bislang schon über  3000 DNA-Proben von Personen erhoben und mit den gesicherten Spuren verglichen wurden, konnte der Spurenverursacher bislang nicht ausfindig gemacht werden.

Wann und wo findet die DNA-Reihenuntersuchung statt?

Die DNA-Reihenuntersuchung findet statt am Freitag, 14. Februar 2014, 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr, Samstag, 15.Februar 2014, 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr und Sonntag, 16. Februar 2014, 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr, jeweils in der Härtsfeldschule in Neresheim, Dossinger Weg 18.

Wer wird um eine freiwillige Speichelprobe gebeten?

Alle Männer im Alter von 21 bis 68 Jahren, die zwischen dem 01.01.1945 und 31.12.1992 geboren sind und die im Zeitraum vom 01.01.2010 bis 25.10.2013 der Stadt Neresheim oder den Stadtteilen Elchingen, Ohmenheim, Stetten, Kösingen, Dorfmerkingen und Schweindorf einschließlich  der Teilgemeinden Hohlenstein, Dehlingen, Weilermerkingen, Dossingen, Hohenlohe und Mörtingen gewohnt und bislang keine Speichelprobe abgegeben haben, werden um ihre Teilnahme gebeten.

Was muss ich zur DNA-Reihenuntersuchung mitbringen?

Bitte bringen Sie zum Termin Ihren Personalausweis oder Reisepass mit, damit Ihre persönlichen Daten zweifelsfrei festgestellt werden können.

Werde ich verdächtigt?

Nein! Sie werden nicht verdächtigt. Durch Ihre Mithilfe leisten Sie allerdings einen wesentlichen, aktiven Beitrag zur möglichen Aufklärung des Verbrechens. Denn je mehr Männer an der Reihenuntersuchung teilnehmen, desto kleiner wird die verbleibende Zahl. Hierdurch kann sich das Entdeckungsrisiko erhöhen. Außerdem ergeben sich möglicherweise neue Ermittlungsansätze.

Welche gesetzliche Grundlage liegt für eine DNA-Reihenuntersuchung vor?

Gesetzliche Grundlage für eine DNA-Reihenuntersuchung ist § 81h Strafprozess¬ordnung (StPO). Bei einem Verbrechen gegen das Leben dürfen mit einer - hier vorliegenden - gerichtlichen Genehmigung Personen, die bestimmte, auf den Täter vermutlich zutreffende Prüfungsmerkmale  erfüllen (z.B.  Alter, Geschlecht), mit ihrer schriftlichen Einwilligung Speichelproben entnommen, diese zur Feststellung des DNA-Identifizierungsmusters molekulargenetisch untersucht und die festgestellten DNA-Identifizierungsmuster mit den DNA-Identifizierungsmustern von Spurenmaterial abgeglichen werden (in diesem Fall mit gesicherten  DNA-Spuren  im Zusammenhang mit dem Verbrechen an Maria Bögerl).

Wie läuft eine DNA-Reihenuntersuchung ab?

Mit einem  sterilen Wattetupfer wird aus Ihrem  Mund  eine Speichelprobe erhoben.

Was geschieht mit der von mir entnommenen Speichelprobe?

Die Speichelprobe wird als Untersuchungsmaterial zur Feststellung des DNA-Identifizierungsmusters in anonymisierter Form an ausgewählte und auf ihre Zuverlässigkeit besonders geprüfte Untersuchungsstellen übergeben. Zur zweifelsfreien Zuordnung wird das Untersuchungsmaterial vor dem Versand an die Untersuchungsstelle mit einer Anonymisierungsformel, gebildet aus den Initialen, dem Geburtsjahr und einem zugeordneten Aktenzeichen der ermittlungsführenden Dienststelle, gekennzeichnet. Beispiel: Max Mustermann, geb.01.01.1975, Az. 12/34  - Anonymisiert: M.M.1975_Az. 

12/34 Untersuchungen werden nur am sogenannten nichtcodierenden Bereich (ohne Erbinformationen) des Untersuchungsmaterials und nur zur Feststellung des DNA-Identifizierungsmusters und des Geschlechts durchgeführt. Weitergehende Untersuchungen oder Feststellungen werden nicht vorgenommen. Das Untersuchungsmaterial (DNA-Identifizierungsmuster und Speichelprobe) wird unverzüglich vernichtet, sobald es zu Vergleichszwecken im Zusammenhang mit diesem Ermittlungsverfahren nicht mehr benötigt wird.

Wird mein DNA-Identifizierungsmuster (DNA-Profil) gespeichert?

Ihr DNA-Profil wird nur so lange in einer Datei (nicht in einer Datenbank) gespeichert, bis der Abgleich mit den noch nicht zugeordneten DNA-Identifizierungsmustern aus dem Fall Bögerl erfolgt und negativ ausgefallen ist. Danach wird Ihr DNA-Profil gelöscht.  Diese  kurzzeitige Speicherung des DNA-Profils ist jedoch notwendig, um es überhaupt abgleichen zu können.

Ich bin schon einmal straffällig geworden. Wird mein DNA-Profil jetzt bei der Polizei rückwirkend gespeichert?

Nein! Auch wenn Sie bereits einmal straffällig geworden sind, wird Ihr DNA-Profil mit dieser Maßnahme nicht rückwirkend gespeichert oder erfasst und es findet auch kein sonstiger Abgleich statt.

Werden meine persönlichen Daten, die durch die Polizei erhoben wurden, gespeichert?

Die Maßnahme wird unter Angabe der Personalien (Vor- und Nachname, Geburtsdatum, Geburtsort) aufgrund von §§ 161, 163 StPO in den Ermittlungsakten von Polizei und Staatsanwaltschaft dokumentiert, die Daten werden aufgrund von §§ 37, 38 des Polizeigesetzes Baden-Württemberg (PolG) in polizeilichen Dateien gespeichert. Bitte bringen Sie zur DNA-Reihenuntersuchung Ihren Personalausweis oder Reisepass mit, damit Ihre Personalien durch die Polizei zweifelsfrei festgestellt werden können

Was kann ich tun, wenn ich zum Termin der DNA-Reihenuntersuchung verhindert bin und trotzdem teilnehmen möchte?

In diesem Falle bitten wir Sie, sich mit der Sonderkommission Flagge unter Tel. 07161 63 2222  werktags in der Zeit von 08:00 Uhr bis 15:00 Uhr in Verbindung zu setzen. Die Beamtinnen und Beamten sind gerne bereit, mit Ihnen einen anderen Termin abzustimmen, sei es auf einer Polizeidienststelle oder auch bei Ihnen zu Hause.

Warum führt die Polizei derartige Termine einer DNA-Reihenuntersuchung durch?

In kurzer Zeit werden viele Menschen erreicht und in einem engen Zeitfenster  kann eine Vielzahl von Speichelproben erhoben werden, die nach dem Ausschlussverfahren helfen, den Kreis möglicher Verdächtiger des Verbrechens an Maria Bögerl rascher enger zu ziehen.


So funktioniert die Chronologie: Um je ein Bild weiter zu klicken, mit dem Mauszeiger rechts neben das Foto fahren. Es erscheint ein grau hinterlegter Bereich mit einem anklickbaren Pfeil.  Auf dem Tablet oder Smartphone gelangt man zum nächsten Bild mit einem "Wisch". 




Wo kann ich Hinweise zum Mord an Maria Bögerl geben und gibt es eine Belohnung?

Die Sonderkommission nimmt nach wie vor auch Hinweise zur Entführung und Tötung von Frau Bögerl entgegen. Sie können per Telefon unter der Nummer 07161 63 2222 oder per E-Mail an <span class="s1">ulm.kd.soko-flagge@polizei.bwl.de</span>  mitgeteilt werden. Anonyme Hinweise sind über das zertifizierte Hinweisgebersystem BKMS auf der Internetseite  <span class="s1">www.polizei-ulm.de</span>  möglich. Mehr Informationen zum Ermittlungsverfahren sind  unter  <span class="s1">www.polizei-bw.de</span>  / Fahndung / Polizeipräsidium Ulm / PP Ulm-Soko Flagge abrufbar.

Für Hinweise, die zur Ermittlung und Ergreifung des Täters oder der Täter führen, ist von privater Seite eine Belohnung in Höhe von 14.000 Euro und von Seiten der Staatsanwaltschaft in Höhe von 16.000 Euro ausgesetzt. Die von der Staatsanwaltschaft ausgesetzte Belohnung ist ausschließlich für Privatpersonen und nicht für Amtsträger bestimmt, zu deren Berufspflichten die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört. Über die Zuerkennung beziehungsweise Verteilung der Belohnungen bei mehreren Hinweisgebern wird unter Ausschluss des Rechtsweges nach rechtskräftiger Erledigung der Strafsache entschieden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel