Heidenheim Digital Hub: eine Riesenchance für die Region

Einst brachte das Textilunternehmen WCM die industrielle Revolution nach Heidenheim, jetzt soll in den leerstehenden Gebäuden (vorne die Senge, im Hintergrund das Magazin) an der digitalen Zukunft von Unternehmen gearbeitet werden.
Einst brachte das Textilunternehmen WCM die industrielle Revolution nach Heidenheim, jetzt soll in den leerstehenden Gebäuden (vorne die Senge, im Hintergrund das Magazin) an der digitalen Zukunft von Unternehmen gearbeitet werden. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Von Günter Trittner 17.07.2018
Der Kreistag will die Einrichtung sogar über die geplante Frist hinaus weiterführen, der Landrat bittet die Industrie um stärkere finanzielle Unterstützung.

Der Kreistag befürwortet nicht nur einstimmig die Einrichtung eines Digitalisierungszentrums in Ostwürttemberg, er plädiert auch dafür, dieses über die vorgesehene befristete Zeit hinaus weiterzuführen. Landrat Thomas Reinhardt sieht in dem Zentrum vor allem eine Hilfe für kleinere und mittlere Unternehmen, die hier das einschlägige Fachwissen erhalten sollen, um neue digitale Techniken einzusetzen. In die Digitalisierungszentren sollen auch die Hochschulen der Region ihre Expertise einspeisen. „Diese Unternehmen brauchen Unterstützung.“

Digitalsierungszentren soll es in Heidenheim, Aalen und Schwäbisch Gmünd geben. In Heidenheim ist das gelbe Haus (Senge) auf dem WCM-Areal als Standort vorgesehen.

Showroom zum Jahresende

Das Digitalisierungszentrum Ostwürttemberg ist eines von zehn, welchen landesweit diesen Februar grünes Licht gegeben wurde. Der nötige Projektantrag für die vom Land in Aussicht gestellte eine Million Euro an Fördermitteln wird nun Ende Juli gestellt. Ein Zuschlag setzt voraus, dass die Region ebenfalls eine Million Euro investiert. Ende 2018 könnten in der Senge der Showroom und die Testumgebung eingerichtet werden und 2019 die ersten Veranstaltungen anlaufen. Das Land hat eine dreijährige Projektlaufzeit veranschlagt, der Kreistag hat über zehn Jahre einem Zuschuss von 40000 bis 50000 Euro zugestimmt.

Landrat Thomas Reinhardt appellierte eindringlich an die größeren Unternehmen in der Region, sich finanziell im Digital Hub einzubringen. Dieses bringe Vorteile für die gesamte regionale Wirtschaft. „Die Digitalisierung ändert unsere Welt rasant.“ Noch seien die Drittmittel aus der Industrie „sehr überschaubar“.

Die Digitalisierung habe schon vor 40 Jahren begonnen, erinnerte Grünen-Kreisrätin und Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp an die doch beachtlich lange Anlaufgeschichte, seit 2010 jedoch habe sich die Zahl der Anwendungen rapid vermehrt.

Wissen in die Unternehmen

„Wenn wir dieses Wissen unseren Unternehmen nicht zugänglich machen, dann rutschen wir hier in die nächste Krise“, prophezeite Stumpp, „diese haben wir uns dann aber selbst zuzuschreiben.“

SPD-Kreisrat Rainer Domberg sprach von einer „Riesenchance“ für die Region. „Wir sollten hier viel Geld investieren und zeigen, dass wir nicht überall das Schlusslicht sind. Es ist dringend notwendig, dass wir dabei sind.“

Grünen-Kreisrat und Landtagsabgeordneter Martin Grath sprach noch einen psychologischen Aspekt an: „Wir müssen die Menschen mitnehmen, ihnen die Angst vor der Digitalisierung nehmen“, so Grath.

Wissensaustausch, Transfer und Weiterbildung

Eine regionale Drehscheibe für die Digitalisierung, so beschreibt das Land die Digital Hubs, die unter anderem in Freiburg, Bruchsal, St. Georgen, Calw und Böblingen entstehen sollen. „Es geht um Wissensaustausch, Transfer und Weiterbildung“, beschrieb IHK-Geschäftsführerin Michaela Eberle die Ziele des Digitalisierungszentrums.

Die IHK Ostwürttemberg hat die Förderzusage des Landes für die Einrichtung im Februar bekommen. Rund eine Million Euro Fördermittel fließen dafür in den nächsten drei Jahren in die Region. Das Digitalisierungszentrum soll je ein Standbein im Ostalbkreis und eines im Landkreis Heidenheim bekommen. Der Standort auf dem WCM-Areal mit einem Co-Working-Space im Ballenlager und einem Maker-Space im Sengegebäude ist im Hinblick auf den zukünftigen Hochschulcampus der Dualen Hochschule gewählt worden.

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