Orakel Die ultimative Vorschau: So wird das Jahr 2018 in Heidenheim

Was verrät der Blick in die Kristallkugel? Was erwartet uns 2018?
Was verrät der Blick in die Kristallkugel? Was erwartet uns 2018? © Foto: Archiv
Hendrik Rupp 10.01.2018
Jahresrückblicke? Wie langweilig. Spannender ist doch der Blick nach vorne. Was 2018 bringt, gibt es hier: übersichtlich, unverbindlich und postfaktisch.

Weissagungen sind wie Wetterprognosen: Allen Unkenrufen zum Trotz werden sie immer besser, da helfen Satellitenbilder und Computersimulationen.

Und jawohl, das gilt auch für die Frage, was das Jahr 2018 zu bieten hat. Einmal mehr hat die HZ-Redaktion das renommierte Max-Planck-Institut für relative Prognoseprognostik und allgemeine Divination gebeten, eine umfassende Vorhersage zu erstellen. In diesem Sinne: Mund halten, es war nämlich richtig teuer.

Januar

Kleiner Irrtum, große Wirkung: Der Gemeinderat wählt FCH-Chefcoach Frank Schmidt einstimmig zum neuen Beigeordneten und Bürgermeister. Grund ist ein Tippfehler in der Sitzungsvorlage: Statt „Wer wird der neue Rainer?“ stand dort: „Wer wird der neue Trainer?“ Naja, gewählt ist gewählt. Frank Schmidt nimmt den Posten an und wechselt erst einmal zwei Drittel der Stadträte aus, weil sie nicht ausreichend für die Sitzungen trainieren. Trainer beim FCH wird kommissarisch Rainer Domberg.

In Stuttgart kündigt die Landesregierung an, sich jetzt endlich mal fundiert um das Welterbe zu kümmern. Der Abgeordnete Martin Grath hilft auch mit und verteilt selbst gebackene Kekse in Form kleiner Mammuts. Das kommt überall sehr gut an.

Erfolgreich geht die Heidenheimer Vesperkirche zu Ende. Dass man sich in „The Holy Heidenheim Snack Temple“ umbenannte, lockte vor allem Jugendlichen und ausländische Fachkräfte an.

Februar

Skandal in Stuttgart: Die Landesregierung beschließt, die Heidenheimer 20-Millionen-Euro-Spende für die DH nun doch lieber für die Duale Hochschule in Stuttgart zu verwenden. „DHBW ist DHBW“, erklärt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. OB Bernhard Ilg kettet sich schreiend vor dem Landtag an. Der Abgeordnete Martin Grath hilft auch und bringt ihm täglich Butterbrezeln. Das kommt überall sehr gut an.

In Heidenheim muss Frank Schmidt nun das komplette Rathaus schmeißen, schlägt sich aber wacker. Nur ein Beispiel: Manche Bürger wollen den Hansegispass, andere lehnen ihn strikt ab. Schmidts Lösung: Doppelpass! Alle sind glücklich.

Die Sondierungsgespräche in Berlin dauern an.

März

Lange Gesichter im Kreis: Bei den bisherigen Kostenschätzungen für einen Ausbau der Brenzbahn wurde übersehen, dass die Bahn immer auf ZWEI Gleisen fährt. Ein partieller zweigleisiger Ausbau bedeutet also dass dort jeweils VIER Gleise nebeneinander liegen. Wer konnte das ahnen? Landrat Thomas Reinhardt ist enttäuscht, will aber weitermachen. Der Abgeordnete Martin Grath hilft auch und verteilt kleine Fahrpläne aus Blätterteig. Das kommt überall sehr gut an.

Der HSB schließt derweil seine Professionalisierung ab: FCH-Geschäftsführer Holger Sanwald übernimmt nebenbei auch die Geschäfte des HSB, der an Ostern als „Abteilung Breitensport“ in den FCH eingegliedert wird. Bis zum Jahresende stoßen noch die Abteilungen „Breitensport Süd“ (vormals SV Mergelstetten) und „Breitensport Nord“ (vormals TSG Schnaitheim) hinzu.

April

FCH-Trainer Rainer Domberg wechselt überraschend zum Erstligisten FC Bayern München, weil der dortige Trainer Jupp Heynckes „mal einen Jungen ranlassen“ will. Trainer beim FCH wird kommissarisch der bisherige Voith-Konzernchef Hubert Lienhard.

Unterdessen kehrt Bernhard Ilg im Triumph nach Heidenheim zurück: Das Land hat eingesehen, dass es die Heidenheimer DH ausbauen muss, es soll auch Geld für den City-Tunnel geben und das Staatsministerium holt täglich den Rat des Heidenheimer Oberbürgermeisters ein. Im Gegenzug lässt die Freiwillige Feuerwehr Heidenheim das Wasser ab, mit dem sie den Plenarsaal des Landtags geflutet hatte.

In Heidenheim wird der Abbruch des Voith-PTC vermieden. Die AfD mietet das Gebäude als Wahlkreisbüro an.

Mai

Der FCH beendet die Saison mit einem sensationellen Aufstieg in die Bundesliga. Interims-Trainer Hubert Lienhard wirft dennoch hin: „Kein DFB-Pokal, kein UEFA-Pokal, keine Champions-League: Ich habe nicht erreicht, was ich wollte“, sagt er und wendet sich dem Brenzbahn-Ausbau zu. Als Nachfolger kehrt der bisherige Bürgermeister Frank Schmidt zum Verein zurück.

OB Ilg muss nun das komplette Rathaus schmeißen – und neue Ideen haben: Brenzbahn-Manager Hubert Lienhard hat die Städtischen Betriebe zum Bahn-Ausbau abgezogen („schneller als die schafft das keiner“), für eine saubere Stadt ohne öffentliche Hilfe erfindet Ilg ein bahnbrechendes Mitmach-Konzept: Die „Kehring Community“.

Gegen Monatsende erfolgt der Spatenstich für den Neubau der Dualen Hochschule, nach nur dreieinhalb Wochen Planung. Im Gegenzug lässt die Freiwillige Feuerwehr Heidenheim das Wasser ab, mit dem sie die Planungsbehörden in Schwäbisch Gmünd geflutet hatte.

In Heidenheim öffnet das Winterdorf seine Türen, in dem künftig alle innerstädtischen Marktaktivitäten konzentriert werden: Die „Schatzi-Weinbar“ ersetzt das Küferfest, der „Brotzeit-Trödelturm“ den Kunsthandwerkermarkt.

Die Sondierungsgespräche in Berlin dauern an.

Juni

Tolle Überraschung: Zum 200. Firmengeburtstag spendiert die Paul Hartmann AG das fehlende zweite Gleis für die Brenzbahn. Eigentlich eine öffentliche Aufgabe, aber man kennt das ja. Zwei Wochen später haben die Städtischen Betriebe die Gleise installiert, nachdem die fehlenden Bahndämme aufgeschüttet sind (mit Hundehaufen und Kaugummis aus dem Stadtgebiet, dauerte nur drei Tage), und Ende des Monats fahren die Züge im Stundentakt. Interims-Bahnmanager Hubert Lienhard wirft dennoch hin: „Keine Elektrifizierung, kein ICE, ich habe nicht erreicht, was ich wollte“, sagt er und nimmt erstmal eine Auszeit.

Das imponiert auch OB Bernhard Ilg, der keine Lust mehr hat, das Rathaus ganz alleine zu schmeißen. Noch in derselben Woche wählt der Gemeinderat einstimmig Marcus Bosch zum neuen Bürgermeister. „Nabucco“ auf dem Schlossberg wird nun von einem Gremium von vier Stadträten dirigiert, die schon immer am besten wussten, wie Oper wirklich geht.

In der Stadt fallen Tausende auf ein Gerücht herein: Es hieß, zum großen Jubiläumsfest der Paul Hartmann AG würden die Beatles auftreten – und zwar in Originalbesetzung. Erst nach stundenlangem Warten dämmert es den ersten Zaungästen, dass das vielleicht gar nicht wahr ist.

Juli

Groß ist die Enttäuschung, als das Waldfreibad zum Start der Sommerfereien schon wieder schließt, doch Bürgermeister Marcus Bosch hat eine schlagende Erklärung: So lange die Opernfestspiele laufen, regnet es in Heidenheim bekanntlich immerzu. „Erst Last Night, dann Badezeit“, verkündet Bosch. Wer wollte ihm widersprechen?

OB Ilg hat inzwischen den neuen Hansegispass eingeweiht, der aber nur für Missmut sorgt: weil man auf den bisherigen Wegen besser und schneller durch Heidenheim kommt, bleiben die Blechlawinen aus. Anwohner im Osterholz gehen auf die Barrikaden: „Sind wir dem Durchgangsverkehr etwa nicht gut genug?“ heißt es. Verkehrsclubs fordern einen vierspurigen Ausbau, damit das Wohngebiet „endlich aus seiner Sackgassenposition befreit“ werde.

Die Opernfestspiele enden derweil in miesen Zahlen: Obwohl alle Aufführungen im Freien stattfanden, kamen kaum Besucher, was am radikal geänderten Programm lag: Statt der Musik-Profis standen die vier Stadträte auf der Bühne und sangen Volkslieder. Dass sie dabei Schilder hochhielten, auf denen „Ist aber billig!“ stand, half nichts, die Ränge blieben leer.

Wenigstens konnte man das Congress Centrum einige Wochen auch anders nutzen: Die AfD mietete es vorübergehend als Wahlkreisbüro an.

Versöhnlich endet der Monat: Mit einer großen Konfettiparade feiert die Heidenheimer Feuerwehr, dass es zehn Tage lang weder im Eugen-Loderer-Zentrum noch im Klinikum einen Brandmelder-Fehlalarm gegeben hat. Zehn Tage! Leider wird die Konfettiparade jäh unterbrochen: Brandmelderalarm im Eugen-Loderer-Zentrum.

August

Die Landesregierung macht endlich Ernst mit Ihrem Versprechen und kümmert sich um das Welterbe: Über dem ganzen Landkreis werfen Flugzeuge aus Stuttgart Anleitungen ab, wie man „ganz einfach selbst Geld drucken und Museen basteln“ kann.

Im Klinikum geht es derweil aufwärts: Ohne Hilfe vom Staat, dafür aber durch die Wunder der Homöopathie. Auf dem Schlossberg hat man nämlich die finanzielle Hochpotenz entdeckt: Wenn man zum Beispiel nur fünf Euro lange genug verreibt und verdünnt, fühlen sich am Ende auch Hunderte von Ärzten und Pflegekräften ordentlich entlohnt.

In der Stadt zeichnet sich eine neue Nutzung des Gummi-Becker-Areals ab: Die AfD mietet das Gelände als Wahlkreisbüro.

Ende des Monats startet der FCH seine erste Bundesliga-Saison, wird eine börsennotierte Kapitalgesellschaft mit saudischen Finanziers und kauft das Stadion von der Stadt. Unter den Fußballfans bleibt das völlig unbemerkt, weil die fleischlosen Fangruppierungen „Vegetarii Aquileiae“ und „Salatico Boys“ zum Sturm auf die Stadionwurst geblasen haben. Als Vermittler schreitet der Abgeordnete Martin Grath ein und verteilt Leberkäswecken mit Tofu.

September

Im Klinikum wird ein vierter, fünfter und sechster Bauabschnitt angegangen. Die Kosten liegen bei jeweils knapp zwölf Euro (hoch potenziert, natürlich). Das Klinikum ist inzwischen das zweitgrößte im ganzen Land, die Unis können nicht mehr so schnell neue Ärzte schicken, wie sie gebraucht werden, weshalb die DH Heidenheim ab Oktober ein Medizinstudium anbietet. Der Neubau, der gerade fertig geworden ist, ist dafür leider wieder zu klein. OB Ilg begibt sich nach Stuttgart und nimmt die Feuerwehr mit – eine Zusage für einen weiteren Neubau kommt sofort.

Große Freude auch auf dem südlichen Schlossberg: Die Baseballer der FCH-Breitensporttabteilung Mitte (früher HSB) haben die Weltmeisterschaft gewonnen.

Die Sondierungsgespräche in Berlin dauern an.

Oktober

Die Landesregierung macht endlich Ernst mit Ihrem Versprechen und kümmert sich um das Welterbe: Sie übernimmt die Stromkosten für den „Steinzeitgrill“ am Archäopark – zur Hälfte, wenigstens. Der Abgeordnete Martin Grath hilft auch und verkauft am Imbissstand kleine Mammuts aus Laugengebäck. Das kommt überall sehr gut an.

Auch für die alte britische Telefonzelle am Rathaus findet sich eine Nachnutzung: Die FDP mietet sie als Wahlkreisbüro an.

Auf dem Schlossberg kommt es zum ersten Erstliga-Showdown zwischen München und Heidenheim, das der FCH knapp gewinnt. Auch ein Grund: Bayern-Trainer Rainer Domberg war nicht am Spielfeldrand, sondern im Businessclub – „mal ein bissel ratschen“. Unter den Fußballfans bleibt das völlig unbemerkt, weil die rechtschreibenden Fangruppierungen „Scriptores Aquileiae“ und „Grammatico Boys“ gegen die Aufschrift „Volksbank Osttribüne“ Sturm laufen: „Da muss sofort ein Bindestrich rein!“ singen die Fans.

November

SPD und CDU erklären die Sondierungsgespräche für gescheitert. OB Bernhard Ilg hat einen Tobsuchtsanfall und reist mach Berlin. Mithilfe der städtischen Polizeibehörde, der Freiwilligen Feuerwehr sowie Mitgliedern der FCH-Fangruppe „Politico Boys“ nimmt er die Hauptstadt ein und reißt die Macht an sich, die er aber sofort weise verteilt. Bundeskanzler werden Roderich Kiesewetter und Andreas Stoch, um Wirtschaft und Finanzen kümmert sich Hubert Lienhard und der Abgeordnete Martin Grath verteilt als Außenminister Gebäck auf allen Kontinenten, das kommt überall sehr gut an. Rainer Domberg, vom FC Bayern wegen der Pleite in Heidenheim gefeuert, wird endlich doch noch Papst.

Das Klinikum Heidenheim, inzwischen Deutschlands größtes und erfolgreichstes Krankenhaus, bezieht seinen gewaltigen Neubau an der Brenz, für den man leider die komplette Stadt Herbrechtingen abreißen musste. Für die riesigen Klinikbauten auf dem Schlossberg wird schnell eine neue Nutzung gefunden: Die neuen Bettenhäuser werden vom FCH als „Sparkassen Business Hostels“ genutzt, den Rest mietet die AfD als Wahlreisbüro an.

Dezember

Die Welt ist endlich fertig, alles ist tiptop. Und selbst am Archäopark tut sich was: Nachdem das Mammut in die CDU eintrat und sich das Pferdle ein grünes Parteibuch besorgte, fließen endlich Millionen aus Stuttgart.

In der neuen Krankenhauskapelle des Klinikums (25000 Plätze) feiert Papst Rainer I. die Weihnachtsmesse, unter den Gästen sind auch die Bundeskanzler Kiesewetter und Stoch sowie Russlands Präsident Putin, dem Außenminister Martin Grath Russisch Brot gebacken hat. OB Ilg verliest vor der Weltpresse seine Weihnachtsbotschaft: „Ich hatte versprochen, dass 2018 nicht langweilig wird“, sagt er.

Marcus Bosch und Frank Schmidt werden vom Papst selig gesprochen. Danach gehen alle ins Winterdorf und warten aufs Christkind.