Rede Wie Heidenheim (noch) bürgernäher werden soll

Heidenheim / Andreas Uitz 09.01.2017
Oberbürgermeister Bernhard Ilg zeigte beim Bürgerempfang seine Visionen für die Stadtentwicklung auf und ehrte engagierte Bürger und Institutionen im Congress-Centrum.

Hunderte Hände hatten Oberbürgermeister Bernhard Ilg und seine Frau Barbara gestern beim Neujahrsempfang im Congress Centrum zu schütteln. „Es ist uns wichtig und eine Ehre, einmal im Jahr so vielen Bürgern persönlich alles Gute zu wünschen“, so der OB in seiner Ansprache.

Er könne ebenso wenig in die Zukunft blicken wie jeder andere, aber er wolle die Menschen ermutigen, künftige Aufgaben auch anzugehen. Die interessantesten seien dabei jene, deren Zweck umstritten und deren Ziel vorerst unbestimmt sind und für deren Erfolg es keine Garantie gibt. Ausdrücklich bedankte sich Ilg beim Gemeinderat, der trotz einzelner Meinungsverschiedenheiten den Haushaltsplan in sehr großem Einvernehmen verabschiedet und damit gezeigt habe, dass er zum Wohle der Stadt handle.

Heidenheim nähere sich wieder der Marke von 50 000 Einwohnern und sowohl den eingesessenen als auch den hinzukommenden wolle er das Versprechen einlösen, dass es sich hier besser wohnen und arbeiten lässt als anderswo. Die Stadt sei auf dem Weg, sich von der früheren Ordnungskommune über die Dienstleistungskommune zur Bürgerkommune zu verwandeln. Das habe der jüngst abgeschlossene „Werkstadt“-Prozess gezeigt. Die Digitalisierung und Vernetzung werde jeden Einzelnen noch mehr erfassen. „Natürlich wird es in dieser zunehmend komplexen und vernetzten Welt nicht einfacher, die Balance zu halten zwischen Fortschritt und Entschleunigung, zwischen Globalisierung und Heimat, zwischen Konsum und Nachhaltigkeit“, so Ilg.

Um diese Balance auf örtlicher Ebene zu meistern, brauche es ein modernes Gemeinwesen, in dem Bürger Anlaufstellen finden. Das geschehe zum Beispiel bei der „Caring Community“. „Wir müssen unsere Stadt zukunftsfest machen und dabei denke ich an alle Generationen zugleich“, sagte der OB, der auf die ältere Generation dabei ein besonderes Augenmerk richten will, „weil in uns allen, die wir 60 Lebensjahre oder mehr hinter uns gebracht haben, ein riesiges Potenzial steckt“. Die Teilhabe aller Bürger am gesellschaftlichen Leben sei Ilg ein besonderes Anliegen: „Mein Ziel ist es, zur sozialsten Stadt in unserer Region und gerne darüber hinaus zu werden.“

Eine Stadt, so Ilgs Überzeugung, ist mehr als nur Standort, sondern Arena und Retorte des Wandels und stets in Bewegung. „Resonanzboden für diese Bewegung zu sein und selbst auch immer wieder Bewegungsanstöße zu geben ist eine der zentralen Aufgaben, in deren Dienst sich unsere Stadtbibliothek stellen wird, sobald sie im November eröffnet.“

Darüber hinaus sprach der Oberbürgermeister einige städtebauliche Visionen an, die in der jüngsten Klausurtagung entwickelt wurden und noch im Januar vorgestellt werden sollen, darunter eine neue Achse von der Innenstadt über den Bahnhof zum WCM-Areal.

Im Mittelpunkt des Bürgerempfangs stehen seit Jahren die Bürger selbst und besonders jene, die durch ihr außergewöhnliches Engagement auffallen. 12 000 ehrenamtlich Engagierte gebe es in Heidenheim, so Ilg, und „es muss so sein, dass jeder, wirklich jeder, sich in Zukunft überlegt, wo er einen Beitrag leisten kann.“ Das könne nicht nur in Vereinen sondern auch in der unmittelbaren Nachbarschaft geschehen.

Einer der besonders Engagierten ist Eberhardt Colditz, seit der Gründung des Fördervereins der Musikschule 1994 deren Vorsitzender. In dieser Funktion habe Colditz dazu beigetragen, dass viele Kinder Zugang zu Instrumenten und zum Musizieren gefunden haben, so Ilg. Es seinen zahlreiche Kooperationen mit Schulen entstanden und etliche Aktivitäten umgesetzt worden. „Durch Ihre Tätigkeit unterstützen Sie und der Verein nicht nur die musikalische Bildung sondern bringen Musik auch in die Öffentlichkeit“, sagte der OB und zeichnete Colditz mit der Ehrenamtsmünze für Vereinsvorsitzende aus.

Die Ehrenamtsnadel in Gold überreichte Ilg an Barbara Härtl, die sich seit mehr als 20 Jahren im Diakonischen Werk engagiert, zunächst in der ambulanten Sterbebegleitung, und schon seit Jahren im Diakonieladen, in dem sie „die Seele des Ladens“ sei. „Ihnen geht es nicht nur um die Kleidung, sondern darum, den Menschen Würde und Wert zu geben. Ihre herzliche, professionelle und würdevolle Art schafft für Kunden eine Atmosphäre, die Wohlfühlen möglich macht“, so Ilg.

Dass Kampfsport auch Integration möglich machen kann, wird am Beispiel von Eduard und Juri Marker deutlich. Sie haben die Gruppe „Start e.V.“ und die Sambo-Abteilung im HSB gegründet. „Sie setzen sich als multifunktionaler Integrationsverein ehrenamtlich, aktiv und erfolgreich für jugendliche Migranten ein“, lobte Ilg und zeichnete die beiden mit der Ehrenamtsurkunde aus.

Als für gesellschaftliches Engagement beispielhaftes Unternehmen wurde Königsbräu ebenfalls mit einer Urkunde ausgezeichnet. In Oggenhausen sei Chefin Christiane Majer-Allgeier für Vereine und Einrichtungen eine Anlaufstelle. Sie sei aus der Dorfgemeinschaft nicht wegzudenken und unterstütze zahlreiche Aktivitäten, so Ilg. Für ihr musikalisches Engagement, das den Großteil ihrer Freizeit dominiert, wurden die jungen Sänger des Neuen Kammerchors ausgezeichnet. „Ihr habt Euch mit Leidenschaft und Herzblut der Sache verschrieben und habt Spaß in Eurem Engagement“, sagte der OB. Das sei heute nicht mehr selbstverständlich.

Der Chor bedankte sich für die Auszeichnung mit drei Liedern, die den Bürgerempfang ebenso wie der Auftritt der rhythmischen Sportgymnastik bereicherten.

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