Heidenheim Die Ostalb: Eine digitale Rennschnecke?

Der Digitalisierungs-Minister: Thomas Strobl (CDU) wurde am Mittwochabend von IHK-Präsident Markus Maier (re.) und der IHK-Geschäftsführerin Michaela Eberle begrüßt.
Der Digitalisierungs-Minister: Thomas Strobl (CDU) wurde am Mittwochabend von IHK-Präsident Markus Maier (re.) und der IHK-Geschäftsführerin Michaela Eberle begrüßt. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Silja Kummer 13.07.2018
Innenminister Thomas Strobl (CDU) nahm die Digitale Agenda Ostwürttemberg in Empfang und sprach zusammen mit Landtagsabgeordneten über das Zukunftsthema Digitalisierung.

Es eilt, darüber waren sich alle Redner am Mittwochabend in der IHK einig: Die Digitalisierung ist für die Zukunft der Unternehmen wichtig und für die Region Ostwürttemberg womöglich der entscheidende Standortfaktor.

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) hat man das schon lange erkannt und deshalb einen Digitalisierungsausschuss unter Vorsitz von Michael Belko, Leiter der Zeiss-Konzert-IT, gegründet. Dieser Fachausschuss begleitete die Erstellung der „Digitalen Agenda Ostwürttemberg“.

Das 24 Seiten starke Positionspapier wurde am Mittwoch an Thomas Strobl, Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration, überreicht. „Sie beschäftigen sich mit Themen, auf die es wirklich ankommt“, lobte der aus Stuttgart angereiste Politiker.

„Die Digitalisierung verändert die Welt – in einer Geschwindigkeit, wie wir sie bisher nicht kannten“, sagte Strobl. Die industrielle Revolution sei dagegen eine Schnecke gewesen. Die Arbeits- und Wirtschaftswelt werde gewaltigen Umbrüchen unterworfen, so der Minister. Baden-Württemberg sei die Innovationsregion Europas, „was weniger mit der Landesregierung zu tun hat und viel mit Ihnen“, meinte Strobl. Diese Innovationskraft müsse in die digitale Welt gebracht werden, um auch dort eine Spitzenposition einzunehmen.

Digital aus der Kurve

Auch der Ausbau des digitalen Funknetzes gehöre dazu: „Momentan fliegt man im Funkloch aus dem Netz, beim selbstfahrenden Auto dann aus der Kurve“, blickte Strobl in die Zukunft. Wolle man allerdings ein 5-G-Netz, bedeute dies in manchen Gegenden eine Verzehnfachung der Sendemasten. „Wenn wir für jeden Masten eine Bürgerbeteiligung brauchen, werden die Japaner und Koreaner schneller sein als wir“, so Strobl.

Im Gepäck hatte der Minister 16 Förderbescheide für Breitbandprojekte über insgesamt fast vier Millionen Euro, die er an den Landrat des Ostalbkreises Klaus Pavel übergab. „Der Landkreis baut das Backbone-Netz“, erklärte dieser, was ohne Förderung des Landes nicht zu schaffen wäre. 234 Förderanträge habe man dafür gestellt. Kupfer sei dabei nicht das Medium der Zukunft, sondern Glasfaser.

„Wenn Sie das nächste Mal kommen, bringen Sie bitte auch vier Millionen für den Landkreis Heidenheim mit“, bat IHK-Geschäftsführerin Michaela Eberle den Minister. Mit der Digitalen Agenda wolle die IHK eine nachhaltige Positionierung im Wettbewerb schaffen. „Mit dem Positionspapier können wir erstmals die Bedarfe der Region gegenüber Land und Bund gebündelt aufzeigen“, so Eberle. Nun gehe es an die Umsetzung: „Mit dem Digitalisierungszentrum Ostwürttemberg werden wir digitale Inhalte in die Aus- und Weiterbildung integrieren“, erläuterte die IHK-Geschäftsführerin.

Den Infrastrukturbereich ordnete sie den Kreisen und Kommunen zu, erwähnte aber auch, dass man sich gemeinsam für ein funklochloses Netz in der Region stark machen müsse. Mit der Digitalen Agenda für Ostwürttemberg habe man ein Spektrum an Bereichen aufgegriffen, die sich durch die Digitalisierung verändert haben oder noch verändern werden, erläuterte IHK-Präsident Markus Maier.

Bei der Veranstaltung, die die IHK als dritten landespolitischen Abend deklariert hatte, war nicht nur Minister Strobl zu Gast, sondern auch vier Landtagsabgeordnete der Region, die sich ebenfalls zum Thema Digitalisierung äußerten. Martin Grath (Grüne) sah in ihr viele Chancen: Möglichkeiten zur Pestizidreduzierung in der Landwirtschaft genauso wie die Chance, Ressourceneffizienz zu erreichen, zu mehr Mobilität und gleichzeitig weniger Verkehr zu kommen und Lösungen fürs Pflegedilemma genauso wie für den Ärztemangel auf dem Land zu finden.

Winfried Mack (CDU) hat mit Grath zusammen das Silicon Valley in den USA besucht und möchte den Austausch mit solchen Hotspots fördern. Dr. Stefan Scheffold (CDU) wies darauf hin, dass Deutschland es nicht alleine schaffen werde, sondern dass man Europa brauche. Andreas Stoch (SPD) mahnte an, die Menschen bei der Digitalisierung mitzunehmen. „Wir brauchen eine strukturierte Vorgehensweise bei der Weiterbildung von Mitarbeitern“, sagte er. Wenn sich die Menschen vor einer digitalen Zukunft fürchten würden, könnte dies dem Rechtspopulismus in die Hände spielen.

In der anschließenden Fragerunde meldete sich Landrat Thomas Reinhardt zu Wort. Er stellte fest, dass man bei der digitalen Infrastruktur im hinteren Drittel in Europa liege: „Wir haben keine Zeit zu verlieren.“ Er kritisierte die parallelen Förderverfahren von Bund und Ländern und forderte dazu auf, diese zusammenzufassen.

Das Geld, entgegnete Minister Strobl, sei momentan gar nicht das größte Problem. Viel schwieriger sei es, Baufirmen zu finden, die für die Infrastruktur sorgen.

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