DH Die Netz-Pionoierin

Prof. Dr. Sabine Möbs kommt als Forscherin in den Studiengang Wirtschaftsinformatik
Prof. Dr. Sabine Möbs kommt als Forscherin in den Studiengang Wirtschaftsinformatik © Foto: räp
Heidenheim / günter Trittner 30.10.2013
Sie gehörte in den 90er Jahren zu den ersten tausend Personen bundesweit, die einen Internetanschluss hatten: Dr. Sabine Möbs. Jetzt will sie in Heidenheim forschen.

Wirtschaftsinformatik war nicht die erste Berufsidee der heute 47-Jährigen gewesen, die im hessischen Butzbach geboren wurde. Mit ihrem Büro Ökotopia hatte sie sich im Bereich der Regionalentwicklung und Regionalplanung selbstständig gemacht. „Man wusste damals nicht einmal, was E-Commerce ist.“ Anderswo schon. Bei einem Pilotprojekt zur Regionalentwicklung des Müritz-Nationalparks, für das sie den Zuschlag erhalten hatte, kam sie mit Partnern in Schweden, Polen, Litauen und den USA in Kontakt und mit den Möglichkeiten der elektronischen Datenverarbeitung. Für den Tourismus sollte ein Informationssystem mit Touchpoints rund um Müritz etabliert werden. Diskutiert wurde mit den Partnerregionen auch eine gemeinsame Vermarktung im Internet. Die schwedischen Partner waren in der Einbindung des Internets deutlich weiter als alle anderen.

Studiert hat Möbs dann in Heidenheim. Warum? Weil in der damaligen Berufsakademie Prof. Dr. Hans Jürgen Ott europaweit den ersten Studiengang E-Commerce angeboten hatte. „Die Uni Frankfurt kam erst ein Jahr später.“

Mehr Frauen in die Lehre

Ein „spannendes Thema“ ist der elektronische Geschäftsverkehr, der elektronische Handel und das elektronische Lernen bis heute für Sabine Möbs geblieben, die Anwendbarkeit von E-Commerce und die Erfahrungen und das Erleben der Nutzer wurden ihr Forschungsfeld. Nach selbstständiger Tätigkeit im IT-Bereich hatte sie nach der BA beim Fraunhofer-Institut Feuer gefangen. Um aber als Wissenschaftlerin arbeiten zu können, „muss man promovieren“. Möbs hat dies in Irland an der Dublin City University 2011 getan, wo sie mit einem Fellowship des Irish Research Council als Postdoctoral Fellow in Zusammenarbeit mit Unternehmen geforscht hat. Gerade 25 solcher auf zwei Jahre befristeter Stellen gibt es in Irland.

Sieben Jahre hat Möbs insgesamt in Irland gelebt. Die Insel hat sie auch nur ungern verlassen. Allein, die Finanzkrise im Land legte auch Schatten auf den Forschungsbereich. Willkommen war ihr deswegen der Ruf aus Stuttgart nach mehr Frauen in Lehre und Forschung an den Hochschulen.

Wie Verwaltungen online Weiterbildungen organisieren

Mitgebracht nach Heidenheim hat Möbs als einzige weibliche Professorin im Studiengang ein Forschungsprojekt, für das sie eine Finanzierungszusage der EU bereits hat sichern können. Es geht darum, wie Verwaltungen im ländlichen Raum selbstständig online Weiterbildung für ihre Aufgabenbereiche organisieren und umsetzen können, um E-Learning also. Während große Verwaltungen in städtischen Gebieten ohne Probleme und großen finanziellen Aufwand Schulungen für Mitarbeiter ortsnah organisieren können, gelingt dies im ländlichen Raum kaum. Open Educational Resources in Kombination mit Open Data und Open Source lauten die Schlüsselwörter für Möbs. Der Zugang zu Wissen soll frei sein, das System auf Lernplattformen selbst so aufgebaut sein, dass Passendes kursartig vermittelt und wenn möglich der Lernerfolg durch Testfragen noch kontrolliert wird. Eingebunden ins Forschungsvorhaben sind bereits Testgemeinden in einem irischen County, alle Landgemeinden in Montenegro und ein Drittel der Landgemeinden in Luxemburg. Gemeinden aus dem Land kommen nun noch hinzu. Deshalb, so Möbs, sei sie auch gerne an die DHBW gewechselt, „weil hier angewandte Forschung möglich ist“.

Lernplattformen sind nicht neu. Das weiß Möbs. Das System, das man in Heidenheim entwickeln möchte, soll freilich präziser auf die Erfordernisse abgestimmt, exakt strukturiert, effizient und auf eine sichere Wissensvermittlung ausgelegt sein. Eine Entwicklung der Lernplattform, die eine Nutzung nicht nur am Computer im Büro, sondern auch auf dem Tablet oder einem Smartphone zu einem angenehmen Erlebnis macht, ist das Ziel. Wie die Mitarbeiter das elektronische Lernen in ihren Arbeitsalltag einbinden können, wird dabei ebenso untersucht. „Eagle“ wurde das Forschungsvorhaben getauft. Der Adler steht für Enhanced Government Learning.

Im August 2014 den Kilimandscharo besteigen 

„In Afrika funktioniert ein Großteil der Lehrerausbildung über Open Educational Resources.“ Woher Möbs das weiß? Sie gehört zu den weltweit helfenden Händen und Köpfen, die sich bei Foot 2 Afrika engagieren, einer tansanischen Nicht-Regierungs-Organisation, die besonders Frauen und Kindern Lebensperspektiven in diesem Land schaffen möchte. Letztes Jahr hat Möbs selbst dort Frauen unterwiesen – in der Informationstechnik.

Im kommenden August plant Möbs mit anderen Unterstützern von Foot 2 Afrika den Kilimandscharo zu besteigen und damit Spenden einzusammeln für ein Bildungszentrum am Fuß des Berger. Weitere Spendensammler und Bergwanderer sind willkommen.

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