Heidenheim Parken in Heidenheim: die nervige Suche nach der Lücke

Mal wieder zu spät dran für einen Parkplatz in der Innenstadt. Die Suche geht weiter.
Mal wieder zu spät dran für einen Parkplatz in der Innenstadt. Die Suche geht weiter. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Manuela Wolf 16.07.2018
Wer sein Auto in der Heidenheimer Innenstadt abstellen will, braucht Zeit, Geduld und Geld. Aber selbst das hilft manchmal nur bedingt.

Schätzfrage: Wieviel Zeit kostet Autofahrer die Suche nach einem Parkplatz im Schnitt pro Jahr? Das Analyse-Institut Inrix hat kürzlich in zahlreichen deutschen Städten Messungen vorgenommen und hochgerechnet. Ergebnis: 41 Stunden! Vermutlich kommt Heidenheim an diese Nerv-Marke nicht ganz ran, so schlimm wie in Stuttgart, Frankfurt oder München ist es auf der Ostalb sicher nicht.

Aber gefühlt! Gefühlt ist in der City nie ein Parkplatz frei, wenn man mal einen braucht. Das treibt den Blutdruck in die Höhe und die Aggressivität an manchen Tagen ins unermessliche. Jeder fünfte, so die Studie weiter, ist schon mal wegen einer Parklücke mit einem anderen Autofahrer in Streit geraten.

Für Innenstadt-Bewohner gibt es eine auf den ersten Blick recht einfache Möglichkeit, dem Problem aus dem Weg zu gehen. Wer seinen Hauptwohnsitz in einer der sechs Anwohnerparkzonen hat, kann beim Bürgeramt eine Genehmigung beantragen und sein Auto unbegrenzt abstellen. Nur: Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Beispiel Felsenstraße: Hier gibt es regen Suchverkehr

Durch die Nähe zu Landratsamt, Kfz-Zulassungsstelle und Innenstadt herrscht beispielsweise an der Felsenstraße von früh bis spät reger Komm- und Geh-Verkehr. Wer hier eine Garage oder einen Stellplatz sein Eigen nennt, kann sich glücklich schätzen. Alle anderen drehen Runden um den Block in der Hoffnung, irgendwo ein freies Plätzchen zu finden.

„Das ist wirklich lästig, besonders, wenn das Wetter schlecht ist oder die Kinder müde oder hungrig sind“, sagt Familie Klimcikova, die in einem Mehrparteienhaus an der Felsenstraße lebt. Nach jedem Wocheneinkauf, vor jedem Ausflug stellt sich für sie dieselbe Frage: Zum Be- und Entladen am Straßenrand oder in einer Einfahrt halten, für ein paar Minuten den Verkehr blockieren und dann den Wagen wegbringen? Oder doch besser Einkäufe, Kinderwagen, Leergut und alles, was sonst noch transportiert oder nach Hause gebracht werden will, ein paar Gehminuten zu Fuß schleppen, weil das Auto schon seinen Platz gefunden hat?

Könnte das Wiener Beispiel Schule machen?

Abends und an den Wochenenden sind dagegen viele Lücken frei in dieser Anwohnerparkzone. Besuch von außerhalb, wie ihn Ulrich Degeler aus Haus Nummer 37 von seinen Kindern aus Freiburg, Berlin oder Wien bekommt, profitiert davon nicht. Ohne Genehmigung ist die Parkdauer auf maximal zwei Stunden beschränkt, die Suche nach einem Stellplatz nimmt mitunter eine halbe Stunde und mehr in Kauf.

Abhilfe könnte ein Modell schaffen, das Degeler von seinen Besuchen in Wien kennt: Für ein paar Euro kann dort übers Handy ein Ticket für Anwohner-Zonen gebucht werden. „Parkplätze im Innenstadtbereich müssen ja nicht umsonst sein. Aber auf diese Weise ist das Parken keine Not-Lösung, sondern mit einem guten Gefühl verbunden.“

Pendler und Gelegenheitsbesucher, die keine Lust auf zeitraubendes Rumfahren haben, steuern Parkhäuser und Dauer-Parkplätze an. Für Kurzparker empfiehlt sich das Parkhaus in den Schlossarkaden (50 Cent/ Stunde). Wer längere Zeit in der City bleiben möchte, parkt zwischen 8 und 18 Uhr für günstige 2 Euro im Parkhaus an der Clichy-Straße, auf dem Schlossberg kostet es pauschal 2,50 Euro.

Fünf Cent für drei Minuten

Theoretisch macht es übrigens keinen Unterschied, ob ein Parkschein für kommunale Stellflächen traditionell vor Ort gekauft oder via Handy-App (in Heidenheim seit 2009 möglich) gebucht wird. In beiden Fällen kosten drei Minuten 5 Cent. Handy-Parker sparen sich jedoch den Weg zum Ticketautomaten – und bares Geld. Abgerechnet wird nur die tatsächliche Verweildauer, keine Minuten länger. Laut Inrix-Studie „überzahlen“ Deutsche im Schnitt 42 Stunden pro Jahr und haben dadurch sinnlose Mehrausgaben von 98 Euro.

Der Pressesprecher der Stadt Heidenheim, Wolfgang Heinecker, hat die App, nutzt sie aber in Heidenheim kaum. „Ganz ehrlich: Ich bin viel zu faul zum Autofahren“, sagt er. „ich bin aus lauter Bequemlichkeit immer mit dem Rad unterwegs.“ Die Beschwerden über das begrenzte Angebot an Parkplätzen in der City kann er nicht nachvollziehen und ist damit auf der Linie, die das Rathaus zu diesem Thema vorgibt – nämlich, dass ausreichend Stellplätze vorhanden sind. Heinecker: „Es fehlt sicher nicht an Parkplätzen, sondern an der Bereitschaft, seine Mobilitätsbedingungen, die man mit dem Auto erfüllt, mit allen Kosten zu betrachten. Es gibt kein Argument dafür, dass die Allgemeinheit die Kosten für zusätzliche Parkplätze tragen soll.“

Halten vor der Laden kaum möglich

Vielleicht doch? Für Einzelhändler und Unternehmer ist die Parkplatz-Situation in der City ein einziges Ärgernis. Rashed Jouma von der Änderungsschneiderei an der Wilhelmstraße wohnt im Zentrum und kommt zu Fuß zur Arbeit – außer, er muss etwas transportieren. „Ich kann vor der Ladentür untertags nirgendwo mit dem Auto halten. Ich weiß, dass es keine Möglichkeit gibt, an dieser Stelle Parkplätze zu schaffen. Aber sie täten meinem Geschäft gut.“

Denn trotz der zentralen Lage unweit der Schlossarkaden empfänden viele Kunden den Weg in die Änderungsschneiderei als umständlich, so die Rückmeldungen.

Gratis Parken am Rand der Stadt

Auch in der Buchhandlung Konold an der Hinteren Gasse wird das Thema parken oft diskutiert. Teures Parkhaus beim C&A, günstiges Parkhaus am anderen Ende der Fußgängerzone, die Masse parkt günstig, und nur der, der ein festes Ziel hat, geht den weiten Weg von den Schlossarkaden bis in die südliche Hauptstraße.

Der Rest shoppt eben in Heidenheims Norden, steigt ins Auto und fährt wieder nach Hause. Massimo Seghizzi, Betreiber der Eisdiele am Jaekle-Platz, hat sich schon oft Gedanken über mangelnden Parkraum direkt im Zentrum gemacht: „Natürlich kann man keine Gratis-Plätze erwarten. Aber es gibt ja auch kaum welche zum Bezahlen. Immer muss man sich außerhalb was suchen und zu Fuß gehen, das ist umständlich und sollte geändert werden.“

Nicht alle Menschen, die mit dem Auto in die Stadt kommen, sind offenbar dieser Meinung. In vielen Nebenstraßen rund um die Innenstadt finden sich hier und da kostenfreie Parklücken. Beliebt ist auch der WCM-Platz beim Lokschuppen.

Der ist an vielen Tagen übervoll, und das nicht nur, weil er von vielen DHBW-Studenten genutzt wird. Auch wenn es Pläne gibt, die Schotterpiste in eine gebührenpflichtige Stellefläche umzuwandeln: Der Weg von dort zur Arbeit in die Innenstadt und wieder zurück führt idyllisch an der Brenz entlang. Frische Luft und Bewegung – gesünder als Parkhausluft und -licht ist das allemal.

Tausende Knöllchen für Falschparker

Falschparker sind ein Segen für den kommunalen Geldbeutel – sollte man meinen. Was ist dran?

Im vergangenen Jahr hat die Stadt Heidenheim satte 287 000 Euro Verwarnungsgebühren eingenommen. Der Personalaufwand scheint dagegen gering. Tagsüber waren gerade mal drei Teilzeit-Politessen im gemeindlichen Vollzugsdienst eingesetzt, in den Nachmittag- und Abendstunden vier, Mitarbeiter des neuen kommunalen Ordnungsdienstes unterstützten zudem noch. Umgerechnet waren 6,5 Kontrolleure auf der Strecke.

Aber was bleibt unterm Strich tatsächlich hängen? Laut Rathaussprecher Wolfgang Heinecker sind die Kosten für die Kontrolle von Falschparkern, Falschfahrern und Rasern so hoch wie die Summe der Strafzettel. „Wir haben aus finanzieller Sicht nichts davon und den Ärger noch dazu“, sagt er. Denn während die eine Gruppe deutlich mehr Kontrollen fordere, um Verkehrssündern auf die Schliche zu kommen, klage die andere darüber, dass sie zur Kasse gebeten werde. „Diese Diskussion gibt es schon seit vielen Jahren. Irgendeiner fühlt sich immer ungerecht behandelt. Sein lassen werden wir die Kontrollen selbstverständlich trotzdem nicht.“

Bevor nun das alte Lied von der ungerechten Abzocke angestimmt wird, sei angesichts dieser überraschenden Kosten-Nutzen-Rechnung die Frage in den Raum geworfen: Was wären Kontrolleure ohne Falschparker?

Hier haben Anwohner Vorfahrt beim Parken

Sechs Anwohner-Parkzonen gibt es im Stadtgebiet. Wer in einer dieser Zonen den Hauptwohnsitz hat, ist berechtigt, eine sogenannte Bewohner-Parkgenehmigung beim Bürgeramt zu beantragen.

Die Verwaltungsgebühr beträgt 40 Euro für einen Zeitraum von zwei Jahren und wird pro Parkausweis und Fahrzeug erhoben.

Derzeit sind etwa 600 Anwohner-Parkausweise im Einsatz. Die Genehmigung gilt für alle unter der Adresse gemeldeten Fahrzeuge. Auch Firmen, Selbstständige oder Gewerbetreibende, die dort ansässig sind, können sich einen Anwohner-Parkausweis ausstellen lassen. Sie dürfen maximal fünf Fahrzeuge anmelden. Mit der Parkgenehmigung kann man in diesen Gebieten seinen Wagen ohne zeitliche Begrenzung abstellen. Mit Parkscheibe ist das Parken dort allen Fahrzeughaltern für zwei Stunden erlaubt.

Ausnahme sind Clichystraße, Wilhelmstraße und Erchenstraße. Dort müssen Autofahrer generell einen Parkschein lösen oder an der Parkuhr bezahlen.

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