Abschied Die Mutter aller Kochkurse verlässt das Haus der Familie

Brachte Generationen von Heidenheimern im Haus der Familie das Kochen bei: Heide Domberg.
Brachte Generationen von Heidenheimern im Haus der Familie das Kochen bei: Heide Domberg. © Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / Andreas Uitz 22.09.2016
43 Jahre lang brachte Heide Domberg in tausenden Kursen ganzen Generationen das Kochen bei. Jetzt hat sie das Haus der Familie verlassen.

Günstig und schnell gekochte schwäbische Hausmannskost, das Aufkommen des Römertopfs, totgegartes Essen aus dem Sicomatic, der Siegeszug der mediterranen Küche, Vollwertkost und der immer stärker werdende Trend zum Vegetarischen und Veganen, aber auch das Garen bei niedrigen Temperaturen, das Kochen mit dry aged Beef – es gibt wohl keinen Küchen- oder Essenstrend, der an Heide Domberg vorübergegangen wäre in den vergangenen vier Jahrzehnten.

43 Jahre lang war sie beim Haus der Familie beschäftigt, veranstaltete ebenso lange Kochkurse, aber nicht nur das: Als Fachbereichsleiterin war sie auch für die Koordination der Kurse und deren Organisation zuständig, kümmerte sich um die stetige Weiterentwicklung des Angebots und um immer neue Kursleiter.

„Ich denke, sie ist für das Kochniveau in unzähligen Haushalten mit verantwortlich“, konstatiert Inge Rudolph, Leiterin des Hauses der Familie und bis vor kurzem noch Dombergs Chefin. Denn nach mehr als vier Jahrzehnten ist die langjährige Mitarbeiterin dieser Tage in den Ruhestand verabschiedet worden.

Vieles hat sich verändert seit die gelernte Hauswirtschafterin Heide Domberg im Alter von 21 Jahren ihren ersten Kochkurs gab. Anfang der 1970er Jahre wurden in den Kursen, die in erster Linie von Frauen belegt waren, so klassische Dinge wie Spätzle und Braten gekocht. „Damals war es noch wichtig, dass die Zutaten günstig waren und schnell zubereitet werden konnten. „Von Zucchini und Aubergine hatte noch keiner was gehört“, erinnert sich Domberg.

Nach zwei Jahren kamen dann auch die ersten Männer in einen Kochkurs. „Es war eine ganze Gruppe, die sich aus einem Verein kannte und Kochen lernen wollte“, erzählt sie. Schnell hatte sich die gute Atmosphäre und die gute Stimmung bei den Kursen herumgesprochen und so kamen immer mehr Männer, die ihr und ihrem Angebot teils über Jahre hinweg treu blieben. „Ein Kursteilnehmer kommt seit 40 Jahren regelmäßig zu mir“, sagt Heide Domberg. Natürlich sind in diesen vielen Jahren aus den Kochkursen auch Freundschaften erwachsen. Teilweise waren auch ganze Familiengenerationen bei ihr, nicht wenige Kinder von einst jungen Kochschülern besuchten ihre Kinderkochkurse.

Und woher nimmt man die Inspiration und Motivation, über vier Jahrzehnte hinweg immer neuen Küchentrends zu folgen? „Ich habe mich viel fortgebildet, Vieles kam aus Rezeptbüchern, neue Gerichte entdeckt man auch beim Reisen oder durchs Ausprobieren.“ Schon lange reicht Domberg ein Blick auf Zutaten und aufs Rezept, um zu wissen, ob ein Gericht schmeckt oder nicht funktionieren kann. „Erfahrung macht da sehr viel aus.“

Viele Trends hat sie kommen und gehen sehen, doch in Vielem ist sich Heide Domberg treu geblieben: „Hefezopf und Spätzle werden eben mit weißem Mehl gemacht, da hat Vollkorn nichts verloren“, ist nur einer ihrer Grundsätze.

Dass sie mit dieser Erfahrung und ihrem Geschmack richtig lag, zeigt sich schon daran, dass Domberg bis zum Schluss zwei bis drei Kochkurse pro Woche gab.

Deutlich höher wird diese Zahl, rechnet man all die Kurse hinzu, die sie als Fachbereichsleiterin betreut hat. Zu Beginn ihrer Tätigkeit gab es in den Kochkursen 93 Teilnehmer, zehn Jahre später schon mehr als 500 jährlich, inzwischen sind es mehr als 1000. Und auch hier bewies sie über Jahrzehnte hinweg Kreativität, entwickelte neue Angebote wie Weinseminare, betreute Dozenten, fand immer wieder neue Ansätze, um das Programm im Haus der Familie abwechslungsreicher zu machen, pflegte den kollegialen Austausch mit anderen.

„Heute kocht man anders und isst anders als vor 40 Jahren“, sagt Domberg. In ihren Kursen habe über all die Jahre hinweg der Spaß beim Kochen im Vordergrund gestanden, als Beleg dafür kann die Treue vieler ihrer Teilnehmer dienen. Aber bei all dem, was sich – auch was die Gerätschaften und Zutaten betrifft – verändert hat, ist eines gleich geblieben: „Auch heute kocht man noch mit Wasser“, sagt Heide Domberg und lacht.