Streit Die Firma Erhard will ein Viertel der Belegschaft entlassen

Bei Erhard-Armaturen in der Oststadt herrscht dicke Luft: Das Unternehmen will Stellen abbauen und droht mit dem Austritt aus dem Arbeitgeberverband.Foto: Sabrina Balzer
Bei Erhard-Armaturen in der Oststadt herrscht dicke Luft: Das Unternehmen will Stellen abbauen und droht mit dem Austritt aus dem Arbeitgeberverband.Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Andreas Uitz 31.03.2016
Dicke Luft beim Armaturenhersteller Erhard: Das Unternehmen will rund ein Viertel der Belegschaft abbauen und verletzt dabei nach Ansicht der IG Metall zahlreiche Regeln. Bei Betriebsversammlungen kocht die Stimmung.

„Von der Erhard-Geschäftsführung wurde eine rote Linie überschritten, und das lassen wir uns nicht gefallen“, sagt ein sichtlich erboster Ralf Willeck. Der Bevollmächtigte der Heidenheimer IG Metall ist empört über das Verhalten im Management des Unternehmens, das seit 2010 zur internationalen Talis-Gruppe gehört und auf die Herstellung von Armaturen im Wasser- und Abwasserbereich spezialisiert ist.

Hintergrund des Streits sind ein Interessenausgleich und ein Sozialplan. Beide wurden vergangenen Sommer verhandelt und abgeschlossen. Demzufolge plant Erhard, innerhalb der kommenden drei Jahre einen Stellenabbau. Aktuell sind Willeck zufolge rund 200 Mitarbeiter bei dem Unternehmen beschäftigt. Im Interessenausgleich gebe es Regelungen zum Personalabbau aber auch die Zusicherung, dass die Fertigung von Großarmaturen am Standort Heidenheim gesichert ist.

Der Erhard-Geschäftsführer, mit dem diese Vereinbarungen ausgehandelt wurde, ist Willeck zufolge abberufen worden, und der neue Geschäftsführer wolle sich nicht an die Vereinbarungen halten. „Aktuell wurde etlichen Mitarbeitern gekündigt, ohne eine Sozialauswahl zu treffen oder sich an sonstige Vereinbarungen zu halten. Die Kündigungen sind rechtlich nicht wirksam, aber das ist dem Management völlig egal“, so IG-Metall-Chef Willeck.

Darüber hinaus habe die Geschäftsführung auch damit gedroht, aus dem Tarif auszusteigen. „Obwohl wir Entgegenkommen gezeigt haben, dass man bei anstehenden Lohnerhöhungen Kompromisse finden kann, hat die Geschäftsführung das Maß eindeutig überschritten und lediglich Forderungen gestellt, ohne etwas anzubieten“, sagt Willeck. „Aber die IG Metall lässt sich nicht erpressen.“

Dabei kann der Gewerkschafter darauf zählen, dass die Belegschaft hinter ihm steht. Der Organisationsgrad bei den gewerblichen Beschäftigten liege bei 95 Prozent, bei den Angestellten bei 50 Prozent. „Und die Stimmung im ganzen Betrieb ist auch angesichts der Entwicklungen der vergangenen Jahre auf dem Tiefpunkt.“

Über die aktuelle Situation wurden die Erhard-Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung am Mittwoch informiert, die gestern fortgesetzt wurde. „Inzwischen gibt es Anzeichen dafür, dass die Geschäftsführung ein Entgegenkommen zeigt, es wurde Gesprächsbereitschaft signalisiert“, so Willeck. Das sei jedoch nur durch den Druck möglich gewesen, den die Beschäftigten aufgebaut haben. „Jetzt scheint man beim Management auf Deeskalation zu setzen.“

Von Seiten der Erhard-Geschäftsführung war gestern keine Stellungnahme zum Konflikt zu erhalten.
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