Heidenheim Gedenken an Georg Elser: Die Einsamkeit des Entschlossenen

Mehr Menschen als in der Vergangenheit kamen diesmal zur Gedenkveranstaltung in die Georg-Elser-Anlage. Dort sprach OB Bernhard Ilg, während Schülerinnen die Person Elser vorstellten und Bläser des Musikvereins der Feier den Rahmen gaben.
Mehr Menschen als in der Vergangenheit kamen diesmal zur Gedenkveranstaltung in die Georg-Elser-Anlage. Dort sprach OB Bernhard Ilg, während Schülerinnen die Person Elser vorstellten und Bläser des Musikvereins der Feier den Rahmen gaben. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Michael Brendel 09.11.2018
In Schnaitheim wurde am Donnerstag an das missglückte Attentat Georg Elsers auf Adolf Hitler am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller erinnert.

Dass am Donnerstag die Sonne nicht sah, stattdessen Regen aus einem dauergrauen Herbsthimmel fiel, passte zum Anlass der Veranstaltung. Immerhin ging es um eine Episode finsterster deutscher Geschichte, als von demokratischen Zuständen allenfalls geträumt werden durfte.

Ebenso aussagekräftig allerdings, dass sich gut 80 Menschen von den unwirtlichen äußeren Bedingungen nicht abhalten ließen, einem Mann ihre Reverenz zu erweisen, der sich vor acht Jahrzehnten mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die herrschenden Verhältnisse zur Wehr setzte: Georg Elser.

Viele Jahre blieb Elser die ihm gebührende Würdigung verwehrt, wurde er selbst in seiner Heimat verschmäht. Das änderte sich erst nach und nach.

Mittlerweile finden sich Zeichen der Achtung quer durch die Republik: Straßen tragen seinen Namen, zum Beispiel in seinem Geburtsort Hermaringen. Gleiches gilt für Schulen wie in Königsbronn, wo Elser aufwuchs und lange Zeit lebte, und wo eine Gedenkstätte seiner Person und Tat gewidmet ist.

Beim Bahnhof hat ihm außerdem der Künstler Friedrich Frankowitsch ein übermannsgroßes Denkmal gesetzt.

Erstes Denkmal in Schnaitheim

In Berlin erinnert unter anderem ein Denkzeichen auf dem Gelände der früheren Reichskanzlei, also mitten im Machtzentrum des einstigen nationalsozialistischen Terrorregimes, an den Hitler-Attentäter, den die Gestapo in der Hauptstadt verhörte. Das erste Elser gewidmete Denkmal überhaupt erhielt aber Anfang der 1970er-Jahre im kleinen Schnaitheim seinen Platz, und deshalb hat die regelmäßig dort stattfindende Gedenkfeier einen besonderen Stellenwert.

Dass die Bedeutung weit darüber hinausreicht, sich Vergangenes in regelmäßigen Abständen in Erinnerung zu rufen, betonte Oberbürgermeister Bernhard Ilg in seiner Ansprache. Vielmehr liefere Elsers Tat eine bis heute gültige Erkenntnis: „Wir dürfen Nichtstun nicht damit entschuldigen, dass wir sagen: Alleine kann ich ja eh nichts tun, alleine kann ich ja eh nichts ausrichten.“ Beispielsweise sei jeder Einzelne auf vielfältigen Plattformen digitaler Kommunikation unterwegs und begegne dort auch Hass, Hetze, Verschwörung und verletzenden Kommentaren.

„Nehmen wir das so hin“, fragte Ilg, „oder stehen wir ein für die Werte der Ehrlichkeit, der Wahrheit, der Menschenwürde?“ Gleichzeitig betonte Ilg, dass Meinungsfreiheit auch Verantwortung bedeute. Etwa die, nach Antworten darauf zu suchen, woher man seine Informationen bezieht und welche Quellen vertrauenswürdig sind.

Zeichen gegen Unrecht

„Georg Elser ist ein Held unserer Geschichte und mit seinem Mut auch heute noch aktuell“, sagte Ilg und verwies darauf, dass sich Elser im Laufe seiner Anschlagsvorbereitung mehr und mehr von seiner Familie, seinen Freunden, Bekannten und Kollegen zurückgezogen habe, um niemanden zum Mitwisser zu machen.

In letzter Konsequenz habe das dazu geführt, dass viele erst Jahre später von seinem gewaltsamen Tod erfuhren, nachdem er im Konzentrationslager Dachau erschossen worden war. „Dennoch zeigen uns seine Überzeugung und sein Handeln, dass es gerade auch auf den einzelnen Menschen ankommt, wenn es gilt, ein Zeichen gegen Unrecht zu setzen“, so Ilg.

Vier Schülerinnen der Hirscheckschule zeichneten anhand von historischen Fotos das Leben Elsers nach. Der Musikverein Schnaitheim begleitete die Gedenkveranstaltung.

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