Heidenheim Die Brenzbahn wird vom ICE-Netz abgehängt

Da hilft auch rennen nicht: Passagiere der Brenzbahn erreichen ab 2019 in Ulm die ICE-Züge nach Stuttgart nicht mehr.
Da hilft auch rennen nicht: Passagiere der Brenzbahn erreichen ab 2019 in Ulm die ICE-Züge nach Stuttgart nicht mehr. © Foto: Thomas, stock.adobe.com
Heidenheim / Karin Fuchs 20.09.2018
ICE-Züge fahren in Ulm künftig früher ab. Die Folge: Bahnpassagiere aus Heidenheim verpassen die schnellen Anschlüsse und haben eine Dreiviertelstunde Aufenthalt. Landrat und IHK protestieren.

Gerade einmal sechs bis sieben Minuten Zeit haben Reisende mit der Brenzbahn, wollen sie am Ulmer Bahnhof den ICE-Anschluss in Richtung Stuttgart erreichen. Ankunft- und Abfahrtgleis liegen relativ weit auseinander, sodass sich die Bahnpassagiere schon jetzt sputen müssen. Doch künftig ist der ICE kaum mehr erreichbar, hat er nicht Verspätung.

Das befürchten Landrat Thomas Reinhardt und IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle. Aus Bahnkreisen haben sie erfahren, dass die DB Netz AG dem Fernverkehr für Fahrten zwischen Ulm und Stuttgart Baustellenzuschläge von zwei Minuten vorgibt. Das heißt: Die ICE-Züge fahren in Ulm zwei Minuten früher ab beziehungsweise kommen zwei Minuten später an.

Längere Fahrzeit auf Brenzbahn

Weil der Anschluss zur Brenzbahn deshalb – mit Ausnahme von ein paar Randzeiten – zu knapp zum Umsteigen wird, hat sich wiederum die Nahverkehrsgesellschaft des Landes mit den Betreibern auf der Brenzbahn darauf geeinigt, den straff getakteten Fahrplan zwischen Aalen und Ulm zu strecken. Die Fahrten dauern ein wenig länger und kommen somit auch später in Ulm an. Damit soll das Problem der Verspätungen auf der Brenzbahn behoben oder zumindest reduziert werden.

Doch von diesen versprochenen positiven Auswirkungen will sich Landrat Reinhardt nicht täuschen lassen und fordert die schnelle Bahnverbindung für die Region. Gemeinsam mit IHK-Chefin Michaela Eberle hat er sich deshalb an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Verkehrsminister Winfried Hermann gewandt und diese an das Versprechen erinnert, das die Landespolitik dem ländlichen Raum im Zuge der Diskussion um den Bau von Stuttgart 21 gegeben hat: nämlich kürzere Reisezeiten. „Dies war ein ganz wesentlicher Grund für die Unterstützung dieses Projektes durch die Kommunen im ländlichen Raum und ganz sicher auch mit ursächlich für das Ergebnis der Volksabstimmung zu Stuttgart 21“, schreiben Reinhardt und Eberle. „Das haben wir geglaubt, und nun werden wir abgehängt“, sagt Reinhardt. „So geht das nicht.“ Wenn nun im Vorfeld erst einmal eine Verschlechterung eintrete, dann verlören Land und Bahn an Glaubwürdigkeit.

Die Absender fordern: „Wir müssen darauf bestehen, dass mit der Realisierung von Stuttgart 21 auch die versprochenen schnelleren Reisezeiten in Richtung Stuttgart und Flughafen umgesetzt werden.“ Auch eine Verschlechterung im Vorfeld kommt für beide nicht infrage.

Eingeschaltet hat sich auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Grath, der ebenfalls die Anschlüsse sichergestellt haben will. Er will sich an den DB-Konzernbevollmächtigten Sven Hantel wenden und wissen, wo genau die Baustellen sind, wie lange der Zustand andauern soll und ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, auf der Brenzbahn-Strecke die Zeit reinzuholen.

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