Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger Das Duo „Bookends“ mit den Hits von Simon & Garfunkel im Heidenheimer Konzerthaus.

Heidenheim. Vor fünfzig Jahren gehörte es für jeden Rock-Fan zum guten Ton, mindestens ein Album von Simon and Garfunkel im Regal stehen zu haben, spätestens dann, wenn man den Film „Die Reifeprüfung“ gesehen hatte. Unvergessen, wie Dustin Hoffman zu „Sound of Silence“ seinen Koffer vom Gepäckband am Flughafen wegschleppte. „The Graduate“ stand ja noch ein Reifetest der besonderen Art bevor.

Doch was das geniale Folk-Rock Duo Paul Simon und Art Garfunkel lieferte, das waren zündende Hits der eher nachdenklichen Sorte. Am Sonntagabend kamen etwa 200 oft in Ehren ergraute Besucher ins Konzerthaus, um mit dem schottischen Duo „Bookends“ unsterbliche Hits wie „I am a Rock“ und andere auf authentische Weise und mit sauber geführten Stimmen präsentiert zu bekommen.

Kammermusikalischer Reiz

Der kammermusikalische Reiz dieser Songs wurde von den „Leos Strings“ verstärkt. Geige, Cello, Bass, Gitarre, Keyboard und Schlagzeug eigneten sich vorzüglich, den balladesken Charme mit sonoren Streicherlinien hervorzuheben, etwa bei „Homeward bound“, geschrieben von Paul Simon in einem Bahnhof in der englischen Provinz.

Klang das Vorprogramm von Dan Haynes etwas müde, so entfaltete er zusammen mit Pete Richard jene gefühlige, aber keineswegs kitschige Atmosphäre wie auch den bisweilen rockigen Charme des unsterblichen Duos aus den USA. Verträumte Streicherlinien bei „America“ erfreuten ebenso wie der bissige Unterton bei „Richard Cory“. Der Lebemann ließ seinen Reichtum in seiner Fabrik erschuften und der Arbeiter verfluchte seine Armut, wenn er Cory in Society-Magazinen prahlen sah. Dieser musste ja glücklich sein, aber eines Tages las der Ausgebeutete in den Schlagzeilen, dass Richard Cory nach Hause ging und sich eine Kugel in den Kopfgejagt hatte.

Der frühe Hit „Blessed“ kam mit derselben verhaltenen Frechheit wie beim „Original“, und da erklang natürlich der mit subtilem Charme und sauberer Stimmführung dargebotene Hit „Scarborough Fair“ mit herrlichen Violin- und Cellolinien, wo mit den Kräutern Petersilie, Salbei, Rosmarin und Thymian fast an ein Kochrezept erinnert wurde. Der Song lief gerne zwischen zwei Hendrix-Titeln wie der Anden-Welthit „El Condor pasa“, der bei Simon and Garfunkel nicht so abgenudelt wirkte.

Sängerisches Temperament

Die beiden Edelbarden verstanden es meist, ansprechende Melodien mit anspruchsvollen Texten zu verbinden. Schlagerhaftes wie „Cecilia“ fegte damals manchen Rocker aus den Charts. Es war eine Freude, diese beiden als „One guitar, two voices“ mit so viel stimmlichem Können und sängerischem Temperament im Konzerthaus erleben zu können. Es machte nichts aus, dass der Knaller „Sounds of Silence“ erst am Schluss kam und „Mrs. Robinson“, die mit Dustin Hofmanns Film-Partnerin jedoch gar nichts gemeinsam hatte, zu einem herrlichem Schlagzeugsolo erklang.

Man war für eine Weile weggetaucht aus den Belanglosigkeiten gegenwärtigen Musikgeschehens, und wohl jede Besucherin oder jeder Besucher hatte seine Erinnerung bei den Klängen von Simon and Garfunkel parat. „Bridge over troubled Water“ – dees war bei meim erschta Kuss“ erinnerte sich fast stolz ein drahtiger „Ü-60er“ nach dem Konzert.