Großbrand Feuer bei Edelmann: Die 800-Grad-Hölle schäumte über

Heidenheim / Erwin Bachmann 12.01.2018
Erst nach 24 Stunden konnten die Flammen gebändigt werden. Die Schadenshöhe dürfte im zweistelligen Millionenbereich liegen. Der Einsatz dauert an.

Schwerstarbeit unter Bedingungen, die auch Feuerwehr-Profis nur selten so extrem erlebt haben: In der Nacht zum Donnerstag waren in Heidenheims Weststadt zeitweise bis zu 200 Einsatzkräfte und mehr als 60 Fahrzeuge von Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis und Umgebung zusammengezogen worden.

So außergewöhnlich war die Situation, dass sich selbst Bezirksbrandmeister Frieder Lieb von Stuttgart auf den Weg gemacht hatte, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.

Und die war verzwickt. Das Feuer befindet sich in der Mitte des weitläufigen Kellerraumes. Dort herrschten nach Einschätzung von Feuerwehr-Pressesprecher Nils Molt zeitweise Temperaturen von bis zu 800 Grad, so dass man die einzige Chance darin sah, mit Hilfe großer Generatoren und auch handgeführter Strahlrohre Unmengen von Löschschaum ins Innere zu befördern.

Zwei große Probleme

Problem Nummer eins: In der extremen Hitze verbrannte der Schaum, bevor er die Flammen eindämmen konnte. Problem Nummer zwei: Das Schaumkonzentrat wurde irgendwann knapp und musste von Feuerwehren aus Ulm, Biberach, Göppingen und Aalen herangeschafft werden.

Auch bei der Wasserversorgung kam es kurzzeitig zu Engpässen. Eine Lösung sah Heidenheims Kreisbrandmeister Rainer Spahr darin, Wasser aus den randvoll gefüllten Becken des nahegelegenen Waldfreibades zu pumpen. Dazu wurde eine über die B 466 führende Schlauchbrücke gelegt, die aber nicht genügend Platz für die Durchfahrt großer Lkw bot, so dass die Bundesstraße für etwa zwei Stunden gesperrt werden musste.

Angesichts der starken, fast im gesamten Stadtgebiet spürbaren Rauchentwicklung musste in den Nachtstunden ein unmittelbar neben dem Edelmann-Areal stehendes Wohnhaus geräumt werden. Drei Personen wurden von der Stadtverwaltung in einem Hotel untergebracht, wo sie auch noch die gestrige Nacht verbracht haben, bevor sie voraussichtlich heute zurückkehren können. In den Morgenstunden wurden einige weitere Anwohner von der Feuerwehr gebeten, ihre verrauchten Wohnräume vorübergehend zu verlassen.

Donnerstagfrüh wurden die Einsatzkräfte dann zum erstenmal ausgetauscht. Ein erschöpfter Feuerwehrmann hatte in der Nacht Kreislaufprobleme bekommen, ist aber wieder wohlauf.

Ab Donnerstagmorgen: Schichtwechsel

Die neue Schicht bestand aus 50 Personen, die versuchten, das Feuer weiter einzudämmen. Die Rauchsäule war kleiner geworden – nicht aber das Problem, vollends an den Brandherd heranzukommen, zumal ein Statiker festgestellt hatte, dass das Lagergebäude inzwischen einsturzgefährdet war.

Die Lösung lag im Einsatz eines von einem Abbruchunternehmen gestellten Baggers, der ein Loch in die Fassade riss, damit der Löschschaum gezielter eingesetzt werden konnte. Das klappte offenbar: Am späteren Nachmittag war ein spürbares Abklingen des Feuers spürbar. Gegen 18.20 Uhr war auch der etwa 300 Quadratmeter große Brandherd „schwarz“.

Die Produktion des Verpackungsmittelherstellers lag gestern vorübergehend still, konnte aber in der Spätschicht wieder aufgenommen zu werden. „Wir stehen zwar alle noch etwas unter Schock“, so Edelmann-Geschäftsführer Oliver Bruns, andererseits wolle die Belegschaft in dieser Situation auch zusammenstehen. Unterstützung erhalte das Werk von den anderen Edelmann-Standorten in Deutschland, welche Teile der Produktion übernehmen. „Wir werden womöglich nahezu keine Ausfälle bei den Aufträgen haben“, zeigte sich Bruns optimistisch. „Wie haben eine tolle Mannschaft.“

Dieses Kompliment stellte Bruns auch den Einsatzkräften aus. Sie hätten eine Wahnsinnsarbeit geleistet. „Das kann man ihnen nicht hoch genug anrechnen und dafür sind wir sehr, sehr dankbar.“ Heute erwartet Bruns Gutachter, die Aussagen über die Standsicherheit des vom Brand betroffenen Gebäudes machen können. Während im Keller Kartons und Paletten gelagert wurde, ist im Haus der Versand mit den dafür nötigen Maschinen untergebracht. Diese sind wie bereits versandfertige Ware stark verraucht und verrußt.

Zur Brandursache ermittelt die Kripo Heidenheim. In Feuerwehrkreisen geht man von er Schadenshöhe im zweistelligen Millionenbereich aus.

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