Heidenheim / Karin Fuchs  Uhr
Die Frauenselbsthilfe nach Krebs besteht seit 40 Jahren. Was die Gruppe für Betroffene tun kann und warum sie nicht nur für Frauen offen ist, erzählt die Leiterin Susanne Mandl.

Susanne Mandl leitet seit 2015 die Frauenselbsthilfe nach Krebs in Heidenheim, davor war sie bereits Stellvertreterin und seit drei Jahren ist sie zudem im Vorstand des Landesverbands engagiert. Was Mandl für die Krebshilfe leistet, klingt nach einem Vollzeitjob, doch macht sie die Aufgaben ehrenamtlich. Die Heidenheimer Gruppe zählt zu einer der größten und ersten im Land. Am Freitag wird 40-jähriges Bestehen gefeiert und dabei über den Sinn und Zweck der Gruppe gesprochen.

Was haben an Krebs Erkrankte davon, wenn sie sich an die Gruppe wenden?

Susanne Mandl: „Wenn jemand die Diagnose Krebs bekommt, dann verbindet er das Wort mit dem Tod. Doch heute gibt es durch die besseren Behandlungsmöglichkeiten gute Heilungschancen. Wir haben oft schon vor der Behandlung oder Operation Kontakt mit den Betroffenen,  können Fragen beantworten, Mut machen, unsere Erfahrungen weitergeben.

Was sind das für Fragen?

Frauen wollen gleich nach der Prognose Brustkrebs den Tumor raus haben. Sie fragen sich dann, warum sie vorher eigentlich eine Chemo machen sollen. Wir werden aber auch mit Fragen konfrontiert: Macht eine Behandlung überhaupt noch einen Sinn, wenn bei mir der Krebs schon gestreut hat? Wir können dann auf Menschen verweisen, bei denen der Krebs auch schon gestreut hatte, die aber weiterhin bei uns sind. Unsere älteste Teilnehmerin ist übrigens 87 Jahre alt. Weitere Fragen beziehen sich auf die Anschlussbehandlung. Wir besichtigen regelmäßig Reha-Kliniken, haben selbst teils welche besucht und können so gut weiterhelfen, welche Klinik für welche Personen geeignet sind.

Was war für Sie der Einstieg zur Frauenselbsthilfe?

Ich kam erst nach meiner zweiten Krebserkrankung hinzu. Das war im Jahr 2010. Was mir damals gefallen hat: hier waren lauter Frauen, die selbst betroffen sind oder waren. Sie konnten bei ganz konkreten Problemen Tipps geben, wie kann ich meine Haut pflegen während der Chemo. Sie kennen Übungen, die bei Beschwerden helfen. Ich habe auch gelernt, dass Sport wichtig ist. Das war früher verpönt bei Krebserkrankungen, doch heute weiß man, dass der Sport das A und O ist, um die Nebenwirkungen in Grenzen halten zu können.

Wie kam die Frauenselbsthilfe vor 40 Jahren nach Heidenheim?

1976 haben sechs aktive Damen den Bundesverband gegründet. Damals hat sich das sehr schnell herum gesprochen. Drei Jahre später gab es schon 86 Gruppen, eine davon war die Heidenheimer. Hilde Härth war die erste Gruppenleiterin. Kurz darauf übernahm Annemarie Goller die Leitung, dann kam Gusti Schaich, darauf Traude Roth und dann ich. 1979 gründete sich parallel dazu auch der Landesverband Baden-Württemberg. Heidenheim war eine der größten und aktivsten Gruppen, das sind wir heute noch immer.

Was heißt aktiv?

Wir haben einen großes Programm, das von Information bis hin zu Gruppenangeboten reicht. Zum Beispiel der Abendtreff, bei dem es immer Referenten zu fachlichen Fragen Stellung nehmen. Ganz Zum Jahresbeginn hat zum Beispiel Robert Hefty von der Klinik für Urologie eine Vortragsreihe gestartet. Ganz aktuell kommt diesen Mittwoch der Klinikgeschäftsführer Udo Laventel, um über die strategischen Entwicklungen am Schlossberg zu berichten. Wir haben „Zeit für Kreativität“ mit der Kunsttherapeuten Birgit Hietkamp. Man muss nicht zeichnen können, doch beim Spiel mit den Farben kann man für ein paar Stunden vergessen, was einen bedrückt. Es kommen teils sehr gute Arbeiten heraus. Acht davon zeigen wir bei  der Jubiläumsveranstaltung. Zudem gibt es noch einige Sportangebote und auch den Abendtreff. Was in diesem Raum gesprochen wird, erfährt kein Dritter. Diskretion ist selbstverständlich.

Wie viele Teilnehmerinnen haben Sie derzeit?

Rund 120. Was mir sehr wichtig ist: Es können sich nicht nur Frauen an uns wenden. Entstanden ist die Gruppe, um Frauen mit Brustkrebs zu helfen. Doch das hat sich schon lange gewandelt. Viele wissen nicht, dass wir für alle Krebserkrankte offen sind. In der Gruppe haben wir zwölf verschiedene Krebsformen. Ich würde mir auch wünschen, dass mehr Männer den Weg zu uns finden, unabhängig der Krebsform. Auch Brustkrebs kommt bei Männern vor: Sieben bis zehn Männer werden jährlich wegen Brustkrebs an der Klinik in Heidenheim behandelt. Angegliedert ist uns das Netzwerk Männer. Um die jüngeren Patienten anzusprechen, haben wir das moderne Netzwerk junger Frauen. Dort kann man sich austauschen über das Internet, ohne Besuch einer Gruppe. Ich finde allerdings: das eine geht ohne das andere nicht. Den Menschen verstehe ich besser persönlich als über die Tastatur.

Die Jubiläumsfeier und mehr

Rund 160 geladene Gäste werden am Freitag bei der Jubiläumsfeier im Business-Club der Voith-Arena erwartet. Den Festvortrag hält Dr. Carina Paschold, Chefärztin der Frauenklinik und des Brustzentrums der Klinik am Schlossberg. Susanne Mandl ist es wichtig, dass es am Abend auch gesellig zugeht. Deshalb tritt zwischen den Reden die Gesangsgruppe „Corryfeen“ mit Corinna Rabus auf, später spielt der Felsen-Express Hits und die Albuch Stompers des TV Steinheim haben sich angekündigt.

Schon morgen, Mittwoch, spricht Udo Lavendel, Geschäftsführer des Klinikums Heidenheim, beim Abendtreff für Krebserkrankte, Angehörige und Interessierte über „Strategische Überlegungen zur Weiterentwicklung des Gesundheits-Campus auf dem Schlossberg“. Die Veranstaltung findet um 17.30 Uhr im Semi-Raum 3, im Erdgeschoss des AOK Gesundheitszentrums Heidenheim, Daimlerstr. 6 statt. kf