Gebäude DH: Architekt Jan Spreen führt durch seinen "Würfel"

Architekt Jan Spreen (links) und  Prof. Manfred Träger, Rektor der DHBW Heidenheim: Wohin soll an der Fassade ein großer Schriftzug für die Hochschule?
Architekt Jan Spreen (links) und Prof. Manfred Träger, Rektor der DHBW Heidenheim: Wohin soll an der Fassade ein großer Schriftzug für die Hochschule? © Foto: Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Günter Trittner 26.06.2016
2010 wurde die Neubau der DHBW bezogen. Für manchen ist der „Würfel“ innen eine unbekannte Größe geblieben. Deshalb gibt es Führungen.

Zuerst die Schar von Interessierten, welche mit der örtlichen Architektenkammer gekommen waren, danach noch eine offene Führung: Beidemal stand Architekt Jan Spreen am Samstag selbst Rede und Antwort. Der Münchner, der zum letzten Mal vor vier Jahren in Heidenheim gewesen war, war selbst beeindruckt, wie sich der Kubus in seinem Umfeld inzwischen etabliert hat. „Es sieht gut aus“. Allenfalls sollten die Bäume mehr Höhe gewinnen, dass der Campus-Charakter deutlich werde und das achtstöckige Gebäude in einem See von Grün zu schwimmen beginne.

Als „Bildungskristall“ (Spreen) ist die dunkle DHBW mit ihren grün getönten Fensternbändern und tiefen Einsichten in der Stadt bekannt wie ein bunter Hund. Aber für Fremde? Nur eine Stele trägt deren Bezeichnung. Für Rektor Prof. Manfred Träger ist das zu wenig. Die Führungen am Samstag waren für ihn auch Gelegenheit mit Spreen ins Gespräch zu kommen, wo an der Fassade der Schriftzug DBHW bestens und gut sichtbar platziert werden könnte.

40 Jahre wird die DHBW in diesem Jahr als Einrichtung alt. Bereits als der Neubau für Heidenheim geplant wurde, war klar, dass er nicht für alle Studierenden der schnell wachsenden Hochschule reichen würde. Inzwischen hat die DH ihr altes Gebäude an der Wilhelmstraße fast komplett wieder angemietet. Aber man hat auch die Aussicht auf einen Neubau jenseits der Bahngleise auf dem WCM-Gelände. Ein Freudentag für die Heidenheimer Einrichtung, wenn das Land so entschiede. Eine Entscheidung aber auch mit Nebenwirkungen. Die Studenten würden auf einen Schlag alle ihre Parkplätze auf dieser Fläche verlieren. Eine Semesterticket, über das die Studenten derzeit abstimmen, könnte für Träger ein Ansatz sein, bereits heute mehr Studenten für den ÖPNV zu gewinnen.

Was den Architekten Spreen auch beeindruckt hat: der gute Erhaltungszustand des Gebäudes. Träger gab des Lob an die Studenten weiter, die sehr auf ihre Hochschule achteten. Auch funktional, so Träger, habe der Neubau zu überzeugen gewusst. Das gelte für die Klimatisierung über Erdwärme, die im Sommer das Gebäude kühl halte und im Winter nur an 15 bis 20 Tagen des Zuschalten der Gasheizung erfordere. Das gelte aber auch für die Erschließung. Im Ernstfall muss das Gebäude, in dem sich bis zu 1000 Menschen aufhalten, binnen sieben Minuten nur über die Treppenhäuser geleert werden. Jährlich werde getestet, so Träger. „Wir schaffen das.“ Ansonsten nützten die Studenten fast ausschließlich die drei Aufzüge. Die Kapazität, so Träger, reiche aus.

Jeweils zwei Stockwerke haben den gleichen Zuschnitt. Die nächsten drehen sich um eine Kantenlänge um die Mittelachse. Ein einfaches Mittel, dass an der Fassade keine Monotonie aufkommen lässt und innen neue Bezüge von Wegen und Räumen schafft. Die Wirksamkeit dieses Kniffs von Spreen kann Träger bestätigten. Auch heute noch, wundere er sich beim Wechsel der Stockwerke: „Wie sieht das denn hier aus.“

Rund 100 Architekten hatten die Unterlagen für den Wettbewerb des Neubaus der DHBW in Heidenheim angefordert, 30 Entwürfe wurden von der Jury begutachtet. Der „Würfel“ war für diese letztlich der beste Wurf gewesen. Dass alles auch ein wenig vom Zufall bestimmt war, erzählte Spreen den Teilnehmern der Führung. In das Modell der architektonisch völlig inkohärenten Umgebung der künftigen Hochschule war ohne Absicht ein kleiner Holzklotz gestellt worden. „Wir haben gedacht, das ist ganz gut.“ Es sei ein Glücksfall des Entwerfens gewesen.

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