Geschlechter DGB-Frauentag: fehlende Gleichberechtigung in Gesellschaft und Politik aufgezeigt

Manuela Rukavina beklagte beim DGB-Frauentag die noch immer fehlende Gleichberechtigung der Frauen in Politik und Gesellschaft.
Manuela Rukavina beklagte beim DGB-Frauentag die noch immer fehlende Gleichberechtigung der Frauen in Politik und Gesellschaft. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Andreas Uitz 06.03.2016
Vor 105 Jahren wurde der Frauentag ins Leben gerufen und allen voran die Gewerkschaften begehen ihn bis heute. Dass Frauenthemen noch immer aktuell sind, machte die Vorsitzende des Landesfrauenrats, Manuela Rukavina, beim DGB-Frauentag im Werkgymnasium sehr deutlich.

„Auf die Themen der Frauen aufmerksam zu machen und den internationalen Frauentag zu feiern, hat große Bedeutung“, betonte Manuela Rukavina. Sie ist nicht nur Vorsitzende des Frauenrats, dem 52 verschiedene Verbände und Organisationen angehören, sondern auch Vorsitzende der Verdi-Frauen in Baden-Württemberg.

„Brauchen wir überhaupt noch einen Frauentag? Ja, und zwar lange nicht mehr so dringend wie jetzt“, sagte Rukavina im Hinblick auf die die politische Entwicklung im Land. Dass eine rechtspopulistische Partei wie die AfD in Umfragen gleichauf mit einer demokratischen Partei wie der SPD liege, „macht mich fassungslos.“ Die AfD nämlich vermittle in ihrem Wahlprogramm ein Frauenbild, das ins vorletzte Jahrhundert passe. „In diese Zeit wollen wir nicht zurück, und als Frau beängstigt mich das sehr.“ Als problematisch bezeichnete Rukavina, dass in Teilen der Gesellschaft noch immer „kleingeistige, reaktionäre und nicht gleichberechtigte Werte“ vorherrschten. „Das sind Bewegungen, die sich dagegen wehren, dass die Welt bunter wird. Viele Menschen wollen an ihrem Schwarz-Weiß-Denken festhalten.“

Die Gewerkschaften, so die Rednerin, stünden schon immer für Vielseitigkeit und Vielfältigkeit. Deshalb sei es heute Aufgabe der Gewerkschafter, hinzustehen und diese Werte auch öffentlich zu verteidigen. In Baden-Württemberg habe sich in den zurückliegenden Jahren einiges verbessert, trotzdem sei auch im Land in Sachen Gleichberechtigung noch sehr viel zu tun, sagte Rukavina.

Der Landtag habe bundesweit den geringsten Frauenanteil vorzuweisen, was auch am Ein-Stimmen-Wahlrecht bei der Landtagswahl liege. „Frauen werden schon bei der Kandidatur benachteiligt, weil die Parteien lieber auf bewährte Politiker setzen, die schon im Parlament sitzen. Außerdem scheuen Frauen Machtkämpfe, und deshalb ändert sich nur wenig“, beklagte die Rednerin. Sie sei überzeugt davon, dass auch im künftigen Landtag die Frauenquote unter der 20-Prozent-Grenze liegt. „Das ist ein großes Ungleichgewicht und wir werden auch weiter dafür kämpfen, dass das Landtagswahlrecht geändert wird.“

Das große Problem sei, dass Männer Politik aus ihrem Blickwinkel machten. „Die andere Hälfte der Welt, die Frauen, fehlt dabei.“ Trotz alledem hoffe sie, dass Frauenthemen auch in der künftigen Landespolitik weiter nach vorne gebracht werden, so Rukavina.

Sie lenkte in ihrer Rede den Blick auch auf die Politik und die Kommunen als Arbeitgeber im Öffentlichen Dienst. Auch hier sieht sie dringenden Nachholbedarf, etwa bei der Anerkennung und Bezahlung von Erzieherinnen und bei der Polizei. „Im Öffentlichen Dienst wird zu viel gespart, es gib zu wenig Leute und zu wenig Geld.“

Zwar habe sich auch in Baden-Württemberg vieles verbessert im Bereich der Kleinkindbetreuung und durch die Ganztagesschulen. Das sei sehr hilfreich für die Frauen, die arbeiten. „Wir haben zwar eine Frauenerwerbsquote von 70 Prozent, aber ein sehr großer Prozentsatz arbeitet nur Teilzeit oder in Minijobs“, beklagte Rukavina. Immer mehr Frauen teilten sich „den gleichen Batzen Arbeit“. Das führe dazu, dass die eigenständige Existenzsicherung der Frauen leide, was sich massiv auf die finanzielle Situation im Alter auswirke, „und das ist inakzeptabel“, so Rukavina.

Den Forderungen der Rednerin Manuela Rukavina verliehen bei der Veranstaltung die DGB-Frauen mit Liedern, Geschichten und Gedichten, begleitet vom Duo Dieter & Dieter, Nachdruck.

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