Theater Der Zauberer von Oz: Wow-Effekte und 250 Akteure

Insgesamt fast 250 Mitwirkende bringt die Inszenierung „Der Zauberer von Oz“ auf die Bühne des Naturtheaters. Oben stellt Regisseur Oliver von Fürich im Theatersaal den erwachsenen wie kindlichen Spielern seine Konzeption vor.
Insgesamt fast 250 Mitwirkende bringt die Inszenierung „Der Zauberer von Oz“ auf die Bühne des Naturtheaters. Oben stellt Regisseur Oliver von Fürich im Theatersaal den erwachsenen wie kindlichen Spielern seine Konzeption vor. © Foto: Thomas Bünnigmann
Heidenheim / Manfred Allenhöfer 11.03.2017
Oliver von Fürich hat den „Zauberer von Oz“ das erste Mal vor 25 Jahren inszeniert. Jetzt plant er eine aufwendige neue Version mit 250 Akteuren und vielen neuen Einfällen.

Insgesamt wirken 200 Aktive mit und stellen das ,Volk‘“, umreißt Oliver von Fürich den personellen Aufwand seiner Inszenierung für den Sommer. „Und dann kommen noch zweimal 20 sprechende Akteure dazu; wir haben natürlich alle Rollen wieder doppelt besetzt.“ Es wird also nicht gekleckert für den „Zauberer von Oz“, der am 18. Juni Premiere hat und für den im Vorverkauf, trotz noch winterlichen Umfelds, bislang „deutlich über 15 000 Karten verkauft werden konnten“.

Die Heidenheimer sind also gespannt auf die Inszenierung des US-amerikanischen Nationalmärchens, das Lyman Frank Baum im Jahr 1900 mit dem Titel „The wonderful Wizard of Oz“ veröffentlicht hat – als Erzählung für Kinder.

Es gibt mehrere Verfilmungen, von denen jene mit Judy Garland (1939) die bekannteste sein dürfte.

Heidenheimern mit gutem Gedächtnis ist vielleicht noch erinnerlich, dass auch das Naturtheater sich dieses Stoffes bereits zweimal angenommen hat: 2002 als Winter- und damit (reduziertes) Saalstück; und 1992 im großen Areal am Salamanderbächle.

Regie-Erstling für outdoor

„Das war meine erste Inszenierung für die Freilichtbühne“, erinnert sich Oliver von Fürich. „Der Stoff geisterte mir seither immer wieder im Kopf herum. Eigentlich war lange schon klar, dass da mal wieder eine neue Inszenierung fällig war“ – die, natürlich, ganz anders ausfallen wird als der Erstling vor einem Vierteljahrhundert. „Ich wollte den Stoff mal wieder aufarbeiten“, sagt der 46-Jährige, der mittlerweile insgesamt für rund 40 Inszenierungen verantwortlich war, „davon für draußen vielleicht zehn bis 15“, schätzt der erfahrene Spielleiter, der das Naturtheater-Areal also sprichwörtlich wie seine Westentasche kennt – und deshalb dessen Möglichkeiten heuer „ganz anders“ ausreizen möchte.

Eine besondere Sache nach 25 Jahren

„Ich werde, bei der Vorbereitung im engeren Sinne, über ein Dreiviertel Jahr auf die Premiere hingearbeitet haben.“ Nach 25 Jahren sei das für ihn aber eben auch „eine ganz besondere Sache“, die er mit großer Sorgfalt anpacke.

So hat er sich frühzeitig schon um Spieler bemüht; und liest man seine Besetzungsliste, stellt man rasch fest, dass an bekannten Spielern kein Mangel ist: Da ist viel Prominenz und viel Profil versammelt.

Das gilt entsprechend für die Ausstattung, um die sich verantwortlich („ein Glückstreffer“) Christian Horn gekümmert hat. Von Fürich schätzt ihn als „kreativen Kopf“. Horns Skizzen und Entwürfe kümmern sich um Originalität und Farbe „bis ins kleinste Detail“.

Umgesetzt wird das, auf der partiellen Basis bereits vorhandener Kostüme, von der Schneiderei des Naturtheaters – „eine Herausforderung“ in Qualität und Quantität, weiß von Fürich. Und er freut sich, dass die Heidenheimer Textilgestalterin Sabine Sablotny die Kostüme der beiden Hexen und des „Feigen Löwen“ als Lehrprojekt in drei Klassen mit angehenden Modedesignerinnen in Ulm realisieren wird.

Ein Kostüm aus Blech

Eine Fremdvergabe ist auch das Kostüm für den „Blechmann“, das der Brenzer Frieder Frankowitsch, Künstlername: Schroff, aus Schrott- und Blechteilen fertigt. Was heuer Aufgabe des Gestalters des Königsbronner Elser-Denkmals ist, hat für die Inszenierung von 1992 der langjährige Hausmeister des Konzerthauses geschaffen: „Adolf Kühn war ja gelernter Rüstmeister“, erinnert sich von Fürich.

Man darf also optisch attraktive Figurationen erwarten, beispielsweise auch das Auffächern der Regenbogenfarben in tänzerischer Leichtigkeit. Oder Bewohner der „Smaragdstadt“, die nicht nur im typischen Grünton erscheinen, sondern auch die Komplementärfarben sinnig ins Spiel bringen.

Und dann wird, nicht zuletzt bei den Auftritten der Hexen, die Pyrotechnik gut beschäftigt sein. Von Fürich will aber allenfalls einen Teil der „Überraschungen“ preisgeben; und so „verrät“ er immerhin, dass auch die „Vogelscheuche“, eine weitere wichtige Figur, brennen wird.

„Effekte werden wichtig sein“, meint von Fürich, der als Assistenten an seiner Seite weiß seine Frau Katharina von Fürich und weiter Julia Benz und Alexandra Hirschberger: „Und ich setze auf Wow-Effekte.“

Stelzen am Salamanderbächle

Dazu gehört auch „ein Stelzenlauf, so etwas hatten wir im Naturtheater noch nie“. Verantwortlich dafür sind die HSB-Sporttheatermacher Geli und Klaus Hensolt.

Und wichtig sind auch Tanzszenen. Von Fürich freut sich über die Zusage von Maximilian Barth, der „Horden von Kindern choreografieren“ wird. Er hat auch beim „Peter Pan“ schon mit ihm gearbeitet; und Barth ist, als eine der beiden „Vogelscheuchen“, auch ein wichtiger Spieler.

Im Januar begannen die Arbeiten mit dem Ensemble in ersten Leseproben; dann wurden einzelne Szenen „nach und nach durchgestaltet“. Auch tänzerische, artistische und musikalische Parts wurden einstudiert. Ende April findet dann ein Proben-Wochenende statt, danach geht's raus ins Freie: „Dann wird an den Finessen gearbeitet“, sagt der erfahrene Regisseur.

Nirgends schöner als zu Hause

Der, gefragt nach dem Motto seiner Inszenierung, meint: „Inhalt und Intention – das sind zwei paar Stiefel.“ Der Inhalt sei heute wohl besser bekannt als vor 25 Jahren: Dorothy, ein Mädchen aus der US-Provinz, gerät dank eines Wirbelsturms „ins Land über dem Regenbogen“. Dort lernt es neue Freunde kennen, etwa Vogelscheuche, Blechmann, Löwe. Und die glauben, keinen Verstand, kein Herz bzw. keinen Mut zu besitzen. Doch sie gehen „einen gemeinsamen Weg, auf dem sich das Gute gegen das Böse durchsetzt“. Und kehrt zurück.

Und die Intention? „Es geht zentral“, sagt der zweifache Vater, „um Selbstvertrauen – hast Du das, schaffst Du nahezu alles“. Und, das zitiert der Familienvater mit Behagen: „Zentraler Satz ist – ,nirgends ist es schöner als zu Hause.‘“

Soll man unterstellen, dass das für Oliver von Fürich, der ja beim „Zauberer“ sowohl seine Frau als auch seine Kinder Pauline (spielt einen Jitterbug-Kobold) und Jonathan an seiner Seite weiß, längst das Naturtheater geworden ist?

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