Heidenheim Der Wert der gesamten Stadt wird akribisch ermittelt

Für die Erstellung der städtischen Eröffnungsbilanz müssen alle Vermögensgüter erfasst und bewertet werden, dazu gehören auch die Straßenbeleuchtung, die Buswartehäuschen, Brunnen und Spielplätze.
Für die Erstellung der städtischen Eröffnungsbilanz müssen alle Vermögensgüter erfasst und bewertet werden, dazu gehören auch die Straßenbeleuchtung, die Buswartehäuschen, Brunnen und Spielplätze. © Foto: Markus Brandhuber/Archiv
Heidenheim / Andreas Uitz 17.05.2018
Im Zuge der Umstellung auf das neue Rechnungswesen muss die Stadt erheben, wie viel sie wert ist, und eine Eröffnungsbilanz erstellen.

Was gehört eigentlich der Stadt Heidenheim? Wie viele Gebäude, Grundstücke, Fahrzeuge, Schreibtische, und Straßenlaternen sind in ihrem Besitz? Auf Anhieb kann das sicherlich niemand benennen. Denn wichtig waren diese Zahlen bisher nicht, sie spielten im Rechnungswesen der Kommune kaum eine Rolle.

Doch das wird sich ändern. Zum kommenden Jahr nämlich wird das Rechnungswesen von der jahrzehntelang gepflegten Kameralistik auf die sogenannte Doppik umgestellt. Ein hochkomlexer Vorgang, der vor allen Dingen die Kämmerei schon seit Jahren umtreibt und fordert. Vereinfacht dargestellt muss die Verwaltung ab 2019 finanziell gesehen wie ein Unternehmen geführt werden, nämlich mit doppelter Buchführung. Die Vorgabe kommt vom Gesetzgeber und sie soll für mehr Transparenz und Übersichtlichkeit sorgen.

Gebäudewerte stehen fest

Zunächst jedoch muss eine Eröffnungsbilanz erstellt werden, in der aufgeführt ist, was sich alles in städtischem Besitz befindet – und vor allen Dingen wie viel wert es ist. Quasi eine Bewertung der Stadt. Da der Prozess schon vor Jahren begonnen wurde, steht bereits fest, dass sich 385 einzelne Immobilien in ihrem Besitz befinden, vom Klohäuschen über Kindergärten und Schulen bis hin zum Rathaus. Der Wert dieser Immobilien ist nach einem festgelegten System ermittelt worden und beläuft sich auf insgesamt 70 Millionen Euro. Die meisten Gebäude wurden nach ihrer Versicherungssumme bewertet, bei neueren Bauwerken kann auch der Herstellungswert herangezogen werden.

Doch wie sieht es mit den städtischen Grundstücken aus? Immerhin ist die Stadt auch Eigentümerin von mehr als 3000 Flurstücken inklusive der Innenstadt, von Wäldern, Wiesen, Heideflächen und bebauten Grundstücken. Deren Bewertung ist derzeit noch nicht ganz abgeschlossen, sie erfolgt anhand der Bodenrichtwertkarte oder anhand des Kaufpreises. Hinzu kommen auch noch die rund 250 Straßenkilometer in städtischem Eigentum.

Mitte des Jahres gibt es Zahlen

Doch damit nicht genug. Wie Ulli Edelmann von der städtischen Finanzverwaltung den Mitgliedern des Verwaltungs- und Finanzausschusses erklärte, müssen auch kleinere Vermögensgüter einzeln bewertet werden. Um dies bewerkstelligen zu können, wird die Auflistung mithilfe eines Partners erstellt. Dazu gehören 8000 Masten für die Straßenbeleuchtung, 100Buswartehäuschen, 30 Ampelanlagen, 51 Brücken- und 19 Stützbauwerke, 18 Brunnen, vier Anlagen zur Felssicherung und 146 Spielplätze und Hochwasserschutzeinrichtungen. Mit einer Fertigstellung der Bewertung all diese Positionen rechnet Edelmann Mitte des Jahres.

Außerdem muss auch das bewegliche Vermögen der Stadt erfasst und bewertet werden. Auch das erfolgt mit Unterstützung eines Partners. Aufgeteilt werden all diese Dinge in Werte über 1000 Euro und solche darunter, außerdem gibt es besonders werthaltige Vermögensgegenstände wie Kunstwerke, Exponate in Museen und Spielgeräte im Brenzpark.

Sind all diese Erhebungen erst mal abgeschlossen, dann geht es an die Erstellung der Eröffnungsbilanz. Ist diese abgeschlossen, werden die Verantwortlichen in der Verwaltung und im Gemeinderat tatsächlich wissen, wieviel die Stadt Heidenheim – zumindest nach materiellen Gesichtspunkten – tatsächlich wert ist.

Die Umstellung aufs neue Rechnungswesen läuft seit Jahren

Spätestens 2020 müssen alle Kommunen in Baden-Württemberg ihr Rechnungswesen auf die Doppik umgestellt haben, in Heidenheim wird das schon 2019 passieren. Ursprünglich hatte man das Jahr 2015, dann 2018 im Visier.

Die Vorbereitungen haben schon viel früher begonnen. Bereits 2011 wurde mit dem Projekt begonnen, das Schritt für Schritt angegangen werden musste.

In der Stadtverwaltung waren und sind zahlreiche Mitarbeiter mit der Umstellung beschäftigt, hinzu kommt noch ein externer Partner. Alles in allem belaufen sich die Kosten für das Projekt bisher auf rund 250 000 Euro, doch ist es noch nicht beendet.

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