Heidenheim Oldtimertag: Brenzpark wurde zum schönsten Park-Platz im Land

Heidenheim / Hendrik Rupp 08.07.2018
Im restlos belegten Brenzpark purzelten am Sonntag die Rekorde: Weit über 500 gemeldete Fahrzeuge und mehr als 15 000 Besucher aus dem ganzen Südwesten wurden beim Oldtimertag gezählt.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben: Der Mercedes-Club aus dem Allgäu hat um 15 Uhr das Nachsehen: Kein Platz mehr im Brenzpark, kein Platz auf dem Volksfestplatz, und selbst am Kino-Center und vor dem Aldi war nichts mehr zu holen: Die Fahrer der zwei Dutzend SL-Sportwagen nahmen es locker, parkten auf dem WCM-Gelände und marschierten zu Fuß weiter: „Ganz schön was los bei Euch“.

In der Tat: Der zweite Oldtimertag nach der der „Wiederbelebung“ der Aktion im Jahr 2016 übertraf gestern alle Erwartungen und sprengte alle Rekorde: Am Ende des Tages zählten die Veranstalter der Stadt Heidenheim und vieler unterstützender Vereine mehr als 520 angemeldete Fahrzeuge – wobei zu den besten Zeiten Hunderte von Klassikern gar nicht aufs Gelände passten und darum auch nicht angemeldet wurden. „Vor zwei Jahren passten alle Autos auf den Schäferlaufplatz“, so Hans-Jürgen Schiffner, Leiter der Städtischen Betriebe und Veranstalter seitens der Stadt Heidenheim.

In diesem Jahr war der Platz bereits um 10 Uhr vormittags komplett belegt, man machte einen zweiten Parcours auf dem kleinen Festplatz im Brenzpark auf, wo es schnell ebenfalls eng wurde: Kein leichter Job für die Park-Ordner des Technischen Hilfswerks, es gab durchaus auch Diskussionen mit Oldtimer-Besitzern, die lieber mehrere Meter Platz um ihre Schmuckstücke gehabt hätten. Platz, den es aber nicht gab im Brenzpark.

Umso mehr, da die Bandbreite wieder bewusst gewaltig war: Riesige landwirtschaftliche Zugmaschinen? Sattelschlepper aus den 1960er Jahren? Fahrräder mit Hilfsmotor aus der Nachkriegszeit? Alles ebenso vertreten wie Feuerwehrautos und natürlich Motorräder und Pkw jeglicher Couleur. Bisweilen gerieten die klassischen „Oldtimer“ (also 50 Jahre und älter) ins Hintertreffen und wurden von den „Youngtimern“ (also Fahrzeugen aus den 70er und 80er Jahren) fast schon verdrängt.

Doch das Konzept der Veranstalter ist klar: Die Mischung macht's, und wenn am Ende ein Adler-Autobahn-Cabriolet aus der Vorkriegszeit neben einem Opel D-Kadett aus den frühen 1980ern steht, ist nicht nur der Gegensatz reizvoll, sondern es findet auch jeder Fahrzeugtyp seine Liebhaber.

Gefühlt doppelt so viel wie 2016

Klar ist auch: Bereits in der zweiten Auflage hat sich das Treffen in der Branche bestens etabliert: Teilnehmer kamen auch aus Österreich oder dem deutschen Osten, Besucher bis aus der Schweiz oder Frankfurt. Wie viele genau, konnte man gestern nur schätzen – schließlich war der Brenzpark kostenlos und offen. „Ich habe oft gehört, es seien gut doppelt so viele Leute da gewesen wie vor zwei Jahren, das halte ich aber für übertrieben“, so Hans-Jürgen Schiffner. Rund 15 000 Besucher seien aber sicher nicht übertrieben.

Eine gewaltige Veranstaltung für den Kreis der kaum mehr als drei Dutzend Helfer: „Wir sind schon an die Grenzen gekommen“, so Hans-Jürgen Schiffner: Viele Helfer arbeiteten vom frühen Morgen bis zum späten Nachmittag durch. Zum Glück waren die Veranstalter nicht alleine: Ob MSC Schnaitheim oder Giengener Oldtimer-Club, ob Feuerwehr oder TSG Schnaitheim oder Brenzparkverein: Es wurde gebraten und serviert und ausgeschenkt, für Kinderspaß und Rundfahrten gesorgt.

Bekannte Heidenheimer zeigten ihre Garagenschätze

Und ob Trial-Show oder Schnaitheimer Cheerleader, Jugendfeuerwehr oder die erstmals aufgebotenen Stände regionaler Handwerker und Kfz-Spezialisten – zu sehen gab es für jeden etwas. Ebenfalls spannend: Wer in Heidenheim was in der Garage hat. Eine ganze Reihe nicht unbekannter Bürger ließ es sich nicht nehmen, auch an der Ausfahrt am Vormittag teilzunehmen – und das mit Wagen, die sie sonst so gut wie nie durch die Stadt chauffieren.

Erst am späteren Nachmittag lichteten sich die Reihen im Brenzpark, sicherheitshalber hatten die Veranstalter beschlossen, nicht abgeholte Pokale nachzuschicken. Prämiert wurde übrigens erneut nach Publikumswahl, so dass Lokalmatadoren strategische Vorteile hatten.

Vorteile für Lokalmatadore

Erst gegen 17 Uhr wurde es etwas ruhiger im Brenzpark – wobei es sich durchaus noch lohnte, da zu bleiben: Mancher Oldtimerfreund reiste erst zu dieser Stunde an. Da war der Oldtimertag zwar eigentlich schon vorbei, doch wer wollte, durfte immer noch auf den Parcours fahren.

2020 das nächste Treffen? „Das wird der Gemeinderat entscheiden“, so Hans-Jürgen Schiffner. Für die meisten Teilnehmer und Besucher war die Sache klar. Auch der SL-Club aus dem Allgäu will wiederkommen – dann aber früher.

Oldtimertag-Splitter: Poser, Pannen und die Pokal-Familie

Wie alt muss ein Auto sein, wenn es auf ein Klassiker-Treffen kommt? Im Brenzpark sieht man das bewusst locker, doch einige allzu selbstbewusste Besitzer handelten sich gestern den Unmut des Publikums ein. Ein 15 Jahre alter Passat? Ein BMW Z3 aus den späten Neunzigern? Da senkten sich die Daumen: „Gebrauchtwagenposer“.

Nur eine einzige Panne gab es bei allen Ausfahrten des Tages. Ein Vorkriegs-Schnauferl? Nein, ein rect neuzeitlicher Audi 100 blieb liegen – wurde aber wieder flott gemacht.

Unschlagbar billig ist der Oldtimertag dazu: Keine 8000 Euro hat die Stadt für den Tag eingestellt – dank ehrenamtlicher Hilfe und kostenlosen Stars (Oldtimer erhalten keine Gage) dürfte es kein annähernd so günstiges Großereignis geben.

Pokal-Familie des Tages waren gestern die Federolfs. Raymond Federolf gewann den Publikumspreis für sein Motorrad, der Käfer der Familie schnitt bei den Pkw am besten ab.

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