Heidenheim Klinikum: Kampf gegen die Keime im Wasser geht weiter

Amtsarzt Christoph Bauer (links) und Dr. Johannes Tatzel begutachten das Wasserleitungsnetz im Technikbereich des Hauses C.
Amtsarzt Christoph Bauer (links) und Dr. Johannes Tatzel begutachten das Wasserleitungsnetz im Technikbereich des Hauses C. © Foto: Günther Berger
Heidenheim / Andreas Uitz 05.07.2018
Noch immer wird das Wasser im neuen Bettenhaus C des Heidenheimer Klinikums gefiltert, weil sich hier Pseudomonaden eingenistet haben. Die Maßnahmen zeigen Wirkung, sind jedoch sehr teuer.

Bereits seit eineinhalb Jahren kämpft man im Klinikum im neuen Bettenhaus C gegen einen Feind im Wasser: Pseudomonaden heißen die Keime, dich sich in der Kaltwasserleitungen eingenistet haben und das Trinkwasser noch immer belasten. Sofort nach dem Auftauchen der Erreger reagierten die Verantwortlichen und sorgten dafür, dass an allen Wassenentnahmestellen, also an Waschbecken und Duschen ebenso wie an Toiletten Filter angebracht wurden.

Die, so heißt es nun von Seiten des Klinikums, seien noch immer in Betrieb und sorgten zuverlässig dafür, dass das Wasser höchsten Qualitätsansprüchen entspricht und „sicher frei von Pseudomonaden ist“, wie es auf Anfrage heißt. Doch diese Qualität hat ihren Preis: Monat für Monat müssen die Filter ausgetauscht werden, die Kosten dafür belaufen sich auf 35 000 Euro. Mehr als eine halbe Million musst das Klinikum also schon in die Filterung des Wassers investieren – ohne dass ein Ende absehbar wäre.

Parallel dazu wird versucht, die Keime endgültig zu eliminieren. Doch dazu muss erstmal herausgefunden werden, in welchen Bereichen der Leitungen sie sich aufhalten. Dr. Johannes Tatzel, der Leiter des klinikeigenen Instituts für Krankenhaushygiene hat in enger Zusammenarbeit mit Amtsarzt Christoph Bauer einen umfangreichen Maßnahmenkatalog gegen das Pseudomonadenproblem entwickelt. Hierbei wurde er von Prof. Dr. Martin Exner unterstützt, der das Bonner Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit leitet und weltweit zu den führenden Wissenschaftlern im Bereich der Trinkwasserhygiene zählt. Außerdem wurde im Klinikum eine eigene Wasserhygienekommission etabliert.

„Wir bekommen das Problem immer besser in den Griff“, sagt Klinikum-Geschäftsführer Udo Lavendel. Doch von einem endgültigen Erfolg scheint man noch entfernt zu sein. In den vergangenen zwölf Monaten wurden umfangreiche Beprobungen des Trinkwassers im Haus C gemacht, wodurch Schwachstellen identifiziert und lokalisiert werden konnten. Teils habe man diese sogar entschärfen können, so Klinikum-Pressesprecher Günther Berger.

Konzept zeigt Wirkung

So habe man etwa eine direkte Wasserleitung zum Wildpark gekappt. Technisch aufwendige Veränderungen im Leitungssystem würden Schritt für Schritt umgesetzt, dazu gehört der Rückbau von Leitungsabschnitten und der Ausbau von Anlagen mit erhöhtem Verkeimungsrisiko. „Unser Sanierungskonzept zeigt Wirkung“, sagt Tatzel. „Wir haben es geschafft, dass Pseudomonaden in den zentralen Abschnitten der Kaltwasserleitungen nicht mehr nachweisbar sind.“ Jetzt gehe man die letzten Leitungsmeter sowie Wasserhähne und Duschköpfe an um die Keime auch in der Peripherie endgültig zu eliminieren.

Darüber, wie lange das noch dauern könnte, will Berger keine Prognose wagen. Auch konnte bisher nicht endgültig geklärt werden, wie die Keime überhaupt in das Frischwassersystem des Neubaus gelangen konnten. Die Vermutung, dass es sich um bauliche Mängel handelt, konnte nie bewiesen werden. Deshalb ist auch noch nicht absehbar, ob das Klinikum für den enormen finanziellen Schaden jemanden in Regress nehmen kann oder auf den Kosten sitzen bleibt.

Pseudomonaden sind behandelbar

Die Keime im Neubau des Klinikums auf dem Schlossberg heißen korrekt Pseudomonadas aeruginosa. Diese Keime sind nicht multiresistent, das bedeutet, dass der Erreger mit Antibiotika erfolgreich behandelt werden kann.

Pseudomonaden sind in der Natur allgegenwärtig, beispielsweise in stehenden Gewässer, auch Pfützen, auf Böden und in Trinkwasserinstallationen. In Kaltwasserleitungen der meisten Wohnhäuser wird normalerweise nicht nach ihnen gesucht. Doch die Anforderungen an Kliniken sind höher, deshalb wird hier genauer getestet.

Gesunden Menschen können die Keime nichts anhaben, doch für Immungeschwächte wie Patiengen können sie gefährlich werden. Denn die Pseudomonaden gelten als die häufigsten Verursacher von Ansteckungen in Krankenhäusern. Sie können Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Blutvergiftungen verursachen.

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