Gras Der Kampf gegen den grünen Wildwuchs

Warten auf den Sensenmann? Das Gras in der Stadt steht höher als üblich – was eigentlich ja hübsch aussieht.
Warten auf den Sensenmann? Das Gras in der Stadt steht höher als üblich – was eigentlich ja hübsch aussieht. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Isabell Kobl 22.06.2016
Schön sind die hoch bewachsenen Grünstreifen an den Straßen. Dabei tobt ein Kampf: Das Gras wächst schneller, als man mähen kann.

Stur gemähte Rasenflächen? Die sind auf Heidenheimer Verkehrsinseln sowieso von gestern. Ob Tulpenpracht im Frühjahr, Stauden im Herbst oder die wunderbaren „Silbersommer“-Mischungen auf gekiesten Flächen – nicht selten würde man sich wünschen, im eigenen Garten wüchse es ebenso prächtig wie an den Straßen der Stadt.

Aktuell aber übertrifft sich das Wachstum schon beinahe selbst: An der Wilhelm/Clichystraße hat das Grün schon Hüfthöhe erreicht, vom Verkehr auf der Gegenfahrbahn rage kaum noch die Dächer über die Halme. Und auch sonst hat sich die Natur an vielen Straßenrändern nicht nur deutlich, sondern überdeutlich hoch über Randstein und Co. erhoben.

Eine neue Strategie für Wildwuchs in der Stadt? Ein Konzept der Landesregierung für noch mehr Grün im Schwarz? Statt „Straßenbegleitgrün“ lieber ein Straßenbegleit-Dschungel?

Zu schön um wahr zu sein. Was so üppig ins Auge sticht, ist für die Stadtverwaltung fast schon ein Betriebsunfall – oder auf jeden Fall das Symptom eines Wettrennens.

Am Start zum einen: Die Natur. Wochenlang hat es fast jeden Tag geregnet, entweder unwetterartig oder ganze Nächte hindurch. Den Effekt kennt man aus dem eigenen Garten: Was wächst, wächst nicht nur, es schießt geradezu in die Höhe.

Zum Start auf der anderen Seite: Die 40 Heidenheimer Stadtgärtner, die ihre Beete und Grünflächen schon lieber so sähen, wie es eigentlich gedacht ist. Und die seit dem Ende des Dauerregens im Dauereinsatz sind. Mähen, schneiden, stutzen. Tagein, tagaus.

Doch Heidenheim ist eben etwas größer als ein Privatgarten, ganz erheblich größer sogar: Über 226 Hektar des Stadtgebiets sollen eigentlich von der öffentlichen Hand gemäht werden. Das entspricht dem Rasen von 320 Voith-Arenen. Eine gewaltige Fläche, auf der es bei diesem Wettrennen zurzeit buchstäblich zum Hase-und-Igel-Effekt kommt: Ehe man an einem Ende der Stadt fertig gemäht hat, steht das Gras am anderen Ende schon wieder hoch.

Und das nicht genug: Viele Rasenflächen sind noch völlig durchweicht und würden sich beim Mähen in Schlammlöcher verwandeln – falls die Mäher der Stadt nicht überhaupt steckenblieben. Immer wieder greift man bei der Stadtgärtnerei zu den alten, von Hand geschobenen Balkenmähern. Das geht, es dauert aber länger.

Nein, die Stadtgärtnerei will vor dem rasenden rasen nicht kapitulieren: Zwei externe Unternehmen unterstützen die städtischen Betriebe vor allem bei speziellen Mäharbeiten. Zwei 18-Tonnen-Lkw sind andauern im Einsatz, um ganze Berge von Grasschnitt aus der Stadt zu fahren. Und die städtischen Beschäftigten sind im Dauereinsatz. „Besonders unsere Maschinisten und die sieben gärtnerischen Arbeitsgruppen haben in den letzten Wochen morgens jeweils eine Stunde früher angefangen“, sagt Heinecker. Und wenn es darum geht, die Mäher zu säubern, hilft auch die Stadtreinigung aus.

Und wie finden Bürger die hohen Wiesen in ihrer Stadt? „Es gibt nur vereinzelte, kritische Meldungen, die bei der Stadt eingehen. Die Leute sehen ja was gerade los ist“, so Heinecker. Und Fans des üppigen Grüns werden sich wohl auch nicht melden. Nicht geschimpft ist bekanntlich gelobt genug.

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