WCM Denkmalschutz mit sich selbst im Clinch?

Architektur, die polarisiert: Der Anbau zwischen Bodyfit und WCM-Maschinenhalle.
Architektur, die polarisiert: Der Anbau zwischen Bodyfit und WCM-Maschinenhalle. © Foto: Luftbild-Geyer
Erwin bachmann 07.04.2014
Es ist das letzte Relikt, das an die längst vergangene Glanzzeit der WCM erinnert. Jetzt kehrt in dieses Maschinenhaus neuer Glanz ein. Auch das Äußere des historischen Komplexes hat sich verändert: Im Blickfeld steht ein Anbau, mit dem der Bauherr jedoch nicht ungeteilten Beifall hervorruft.

Das denkmalgeschützte Gebäude mit seinem charakteristischen Türmchen war bereits 2012 von der in Herbrechtingen ansässigen Kinzler Heimtextilien Verwaltungs GmbH erworben worden. Dieses Familienunternehmen beliefert Großkunden mit Haus- und Heimtextilien, hat den Innenbereich des ehemaligen Wahrzeichens der Württembergischen Cattunmanufactur umgestaltet und wird in der großen Halle voraussichtlich ab Mitte Mai einen ansprechenden Ausstellungsraum samt Büros eröffnen.

Parallel zu den Umbauten im Innern hat die Bauherrschaft auf der Westseite des Gebäudes einen zwischenzeitlich im Rohbau fertiggestellten Anbau errichtet. Bei diesem trichterförmigen Gebilde handelt es sich um eine Treppe, mit der die Ausstellungsfläche im unmittelbar angrenzenden Maschinenhaus erschlossen werden soll. Zudem kann man über dieses Treppenhaus derzeit noch nicht ausgebaute Räume unterm Dachstuhl erreichen.

So sinnfällig die im schmalen Zwischenraum zwischen Bodyfit und Maschinenhaus aus dem Boden gewachsene Beton-Konstruktion sein mag, so sehr polarisiert sie auch. Während die einen Betrachter durchaus Geschmack an dem baulichen Kontrastprogramm finden, ausdrücklich den architektonischen Mut loben, passt das Ganze nach dem Geschmack der Kritiker so gar nicht zusammen. Sie bemängeln vor allem den als viel zu geringen empfundenen, in der Tat kaum einen Meter messenden Abstand des Neubaus zur schön gearbeiteten Westfassade des 111 Jahre alten Maschinenhauses – und stören sich daran, dass nun wesentliche Elemente nicht mehr zu sehen sind: Zum Beispiel „die ornamentale Gestaltung der im Bereich des Dachgesims eingesetzten Reliefs“, wie sie zusammen mit den „ahistorisch angewandten klassischen Motiven und Fensterteilungen“ in der amtlichen Liste der Kulturdenkmale beschrieben sind.

Die Meinungen über die Veränderungen am früheren WCM-Werksgebäude gehen auch innerhalb des Denkmalschutzes auseinander. Vor Erteilung der Baugenehmigung hatte die dafür zuständige Baurechtsbehörde des Bürgermeisteramts Heidenheim das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart eingeschaltet, worauf von dort Bedenken angemeldet worden waren. Nach aktueller Schilderung der Stadtverwaltung hatte der Bauherr diese Bedenken damals aufgegriffen und die Planung geändert, die vom Rathaus am 31. Oktober 2012 erneut dem Landesdenkmalamt vorgelegt worden sei. Am 10. Dezember 2012 habe die Baurechtsbehörde dann die Baugenehmigung erteilt, weil sich das Landesamt bis zu diesem Termin nicht mehr geäußert habe. Erst am 13. Dezember habe man dort gegenüber der Stadt erneut Bedenken geltend gemacht. „Allerdings war da die Frist bereits abgelaufen,“ argumentiert die Pressestelle im Rathaus, wo man sich auf Paragraph 54 der Landesbauordnung bezieht, in der geregelt ist, dass das Einvernehmen als erteilt gilt, wenn sich eine andere zuständige Stelle innerhalb eines Monats nicht mehr meldet.

Beim Regierungspräsidium spricht man sogar von „erheblichen denkmalamtlichen Bedenken,“ die man gegenüber der Stadt geäußert habe. Dass man damit nicht durchgedrungen ist, führt man bei der Pressestelle des RP letztlich auf einen reinen Formfehler zurück. So sei die ablehnende Stellungnahme des Landesamtes versehentlich nicht an das zentrale Postfach der Stadt, sondern direkt an den zuständigen Sachbearbeiter geschickt worden – und im Rathaus habe man diesen Umstand als Chance genutzt, die Bedenken als nicht eingegangen zu bewerten und damit nicht wirksam werden zu lassen. Die Frage, ob man sich ausgetrickst fühlt, will man im RP nicht beantworten. „Das überlassen wir dem Betrachter.“