Heidenheim Radon: Sechs Heidenheimer Schulen bekommen Messgeräte

Auch an der Eugen-Gaus-Realschule in der Stadtmitte wird gemessen.
Auch an der Eugen-Gaus-Realschule in der Stadtmitte wird gemessen. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Andreas Uitz 06.09.2018
An sechs Heidenheimer Schulen soll in zahlreichen Räumen die Belastung durch das radioaktive Edelgas gemessen werden, um genauere Erkenntnisse zu erhalten.

Die Stadtverwaltung will der Radon-Belastung an den Heidenheimer Schulen auf den Grund gehen und herausfinden, ob dieses radioaktive Edelgas tatsächlich in höheren Konzentrationen in den öffentlichen Gebäuden vorhanden ist.

Hintergrund sind die Ergebnisse von Studien, die das Radon-Labor des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) veröffentlicht hatte, und aus denen hervorging, dass an der Friedrich-Voith-Schule, dem Hellenstein-Gymnasium und dem Max-Planck-Gymnasium erhöhte Radon-Konzentrationen gemessen wurden.

Auf Seiten der Stadtverwaltung aber auch bei den Schulleitungen hatten diese Ergebnisse für Verwirrung gesorgt, weil dort von Messungen überhaupt nichts bekannt war. Inzwischen hat sich dem Fachbereichsleiter für Familie, Bildung und Sport, Matthias Heisler, zufolge herausgestellt, dass die Messungen, die in den Jahren 2015 und 2016 stattfanden, an den Schulen als Schülerexperimente liefen.

Weil bei diesen Messungen teils Werte herauskamen, die über dem Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft lagen, bot das Institut der Stadt an, die Gebäude erneut zu untersuchen.

Dieses Angebot wurde von der Stadtverwaltung angenommen und über die drei bereits untersuchten Schulen hinaus erweitert. So starten dieser Tage neue Messungen, und zwar an allen Schulen in städtischer Trägerschaft, in denen es im Erdgeschoss oder Keller Büro- oder Unterrichtsräume gibt. Das hat den Hintergrund, dass Radon natürlich im Erdboden vorkommt und von einer Belastung lediglich die unteren Stockwerke betroffen sein können.

So bekommen die Hausmeister der Schulen jetzt kleine Messgeräte zugesandt, die sie nach Anweisung des KIT in den betroffenen Räumen platzieren sollen. Diese sogenannten Radonexposimeter sollten mindestens zwei Monate lang die Radonwerte ermitteln, die Hälfte dieser Zeit sollte in der Heizperiode liegen. Dazu erhalten die Hausmeister ein Protokoll, in dem sie ausfüllen sollen, welches Gerät in welchem Raum in welcher Zeitspanne platziert war.

In welchen Räumen gemessen wird:

Um ein möglichst flächendeckendes Ergebnis zu erhalten, wird an insgesamt sechs Schulen gemessen. In der Schnaitheimer Hirscheckschule werden die Radonexposimeter in vier Klassenzimmern der Grundschule im Erdgeschoss aufgestellt, an der Werkrealschule in vier Klassenzimmern des Untergeschosses, in fünf Klassenzimmern im Erdgeschoss, im Hausmeisterbüro, in der Verwaltung und in der Schulküche. Am Hellenstein-Gymnasium wird in zehn Klassenzimmern im Untergeschoss und in sieben im Erdgeschoss gemessen, die Mensa ist ausgeschlossen.

Im Schiller-Gymnasium sind sowohl der Alt- als auch der Neubau betroffen. Im Altbau sind es drei Klassenzimmer, der HTW-Raum und die Küche im Untergeschoss sowie im Erdgeschoss sechs Klassenzimmer, die Bücherei, der Aufenthaltsraum, das Lehrerzimmer und das Hausmeister-Büro. Im Neubau des SG werden die Messgeräte im Untergeschoss im Werkraum und im Tonraum sowie in vier Klassenzimmern im Erdgeschoss platziert.

An etlichen Stellen wird die Radon-Konzentration auch im Schulverbund im Heckental gemessen. In der Grundschule werden die Geräte im Untergeschoss im Töpfer-Raum und in einem Klassenzimmer sowie im Erdgeschoss in fünf Klassenzimmern, im PC-Raum, im Sprachhilfezimmer, der Schulküche und dem TW-Raum platziert. In der Werkrealschule stehen die Radonexposimeter in drei Klassenzimmern im Untergeschoss, außerdem im Erdgeschoss in zwei Klassenzimmern, in der Bibliothek, im Hausmeisterbüro, im Essensbereich, im Aufenthaltsraum, in zwei Werkräumen sowie in der Hausmeister-Werkstatt.

In der Eugen-Gaus-Realschule gibt es Messgeräte im Untergeschoss im Musikraum, dem PC-Werkraum, in zwei Werkräumen sowie im Maschinenraum und im Erdgeschoss in sechs Klassenzimmern, dem Biologie- und dem Aufenthaltsraum. An der Mergelstetter Silcherschule wird im Untergeschoss in der Werkstatt, dem Funktionsraum, dem Werkstatt-Vorbereitungsraum und im Erdgeschoss in den Krippen- und Schlafräumen gemessen. Und warum der ganze Aufwand? „Die Ergebnisse der ersten Studie waren so verwirrend, nichtssagend und undurchsichtig, dass wir Klarheit haben wollen“, erklärt Heisler. „In dem ganzen Wirrwarr aus Information und Halbinformation wollen wir wissenschaftlich fundierte Daten haben, um bei Bedarf handeln zu können.“ Die Verwaltung wolle wissen, wie es um die Schulen bestellt sei, und ob von ihnen eine Gefahr ausgehe oder nicht. „Wenn wir die Fakten haben, können wir drüber diskutieren. Wir hoffen, dass wir dann mit gutem Gewissen sagen können, dass alles in Ordnung ist.“

Radon kommt im Erdboden vor

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das im Erdboden vorhanden ist. Es kann durch Risse und Undichtigkeiten im Fundamt in Gebäude dringen und sich dort anreichern.

Im Freien ist die Konzentration des Gases deutlich geringer als in Gebäuden. Witterungsverhältnisse und Lüftungsgewohnheiten in Gebäuden können die Radon-Konzentration beeinflussen.

Da Radon aus dem Erdboden kommt, sind in Gebäuden meist Kellerräume und Räume in den unteren Geschossen von einer erhöhten Konzentration betroffen.

In hohen Konzentrationen kann das Edelgas gesundheitsgefährdend sein. Es gilt als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in Deutschland.

Nach den ersten Messungen, die an den Heidenheimer Schulen gemacht wurden, sollen diese wiederholt und teils auch ausgedehnt werden. Hintergrund der Messungen ist das neue Strahlenschutzgesetz, das eine flächendeckende Erhebung der Radonbelastung fordert.

Sind bundesweit alle Gebiete erfasst, werden die mit besonderem Schutzbedarf ausgewiesen. Ob der Kreis Heidenheim davon betroffen sein wird, lässt sich noch nicht sagen. Spätestens am 31. Dezember 2020 müssen die Gebiete feststehen und bekannt gegeben sein.

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