Kirche Dekan Sven van Meegen blickt zurück auf 2013

Bewegtes katholisches Jahr: Auch auf Dekan Dr. Sven van Meegen (links) und die Katholiken im Kreis hatten Ereignisse wie die Wahl von Papst Franziskus (rechts oben) und der Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (rechts unten) ihre Auswirkungen. Vor Ort allerdings gab es weder Austrittswellen noch allzu viel Enthusiasmus.
Bewegtes katholisches Jahr: Auch auf Dekan Dr. Sven van Meegen (links) und die Katholiken im Kreis hatten Ereignisse wie die Wahl von Papst Franziskus (rechts oben) und der Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (rechts unten) ihre Auswirkungen. Vor Ort allerdings gab es weder Austrittswellen noch allzu viel Enthusiasmus. © Foto: Archiv
Heidenheim / Hendrik Rupp 06.01.2014
Ein überraschender Papstwechsel, erfreuliche Neubauten im Kreis und ein unerfreulicher in Limburg, Spannung an der Basis und neue Töne aus dem Vatikan – auch für die über 40 000 Katholiken im Kreis Heidenheim war 2013 ein sehr bewegtes Jahr. Dekan Dr. Sven van Meegen blickt zurück – und nach vorn.

Über den Mann wurde getuschelt: Im Februar 2001, bei der feierlichen Aufnahme des in Heidenheim geborenen Walter Kasper ins Kardinalskollegium in Rom, fiel ein anderer Kardinal ins Auge: Der trug eine schlichte Soutane, dazu die ältesten Schuhe, die man im Kollegium je gesehen hatte. Seine purpurrote Kappe, sozusagen das Minimum an Amtstracht, steckte er außerhalb des Vatikans einfach in die Tasche – und fuhr U-Bahn. Das, so hörte der bei den Feiern in Rom helfende Theologiestudent Sven van Meegen von einem Kollegen, sei Jorge Mario Bergoglio, der Kardinal von Buenos Aires. Heute kennt man ihn als Papst Franziskus.

Heute ist Sven van Meegen Dekan und vor Ort oberster Geistlicher für die über 40 000 Katholiken im Kreis Heidenheim. Ein katholischer Insider, und doch war auch van Meegen im Frühjahr komplett überrascht vom Rücktritt von Papst Benedikt. „Ich habe das erst für eine Falschmeldung gehalten, damit hat niemand gerechnet“, so van Meegen.

Der Rücktritt eines Papstes – ein seit Jahrhunderten nicht mehr getätigter Schritt. Van Meegen hat dafür Verständnis: „Das Amt braucht unglaublich viel Kraft.“

Auch das Ergebnis der Papstwahl verblüffte viele. Van Meegen analysiert es: „Die Kardinäle haben sich sehr viel Zeit zu Vorberatungen gelassen. Das war gut, denn sonst wäre Papst Franziskus sicher nicht möglich gewesen.“

Wie findet der Dekan seinen obersten Chef? Van Meegen ist voll des Lobes – gerade auch über die neue Richtung, die Franziskus vorgibt. Hinwendung zu den Armen, eine Abneigung gegen Pomp und Aufwand, neue Töne in manchen Reformfragen. „Ich bin sicher, da kommt noch sehr viel, Schritt für Schritt, aber unaufhaltsam.“ Keine Angst, dass Franziskus von seinem eigenen Hofstaat eingewickelt wird? „Keine Chance“, sagt van Meegen: Der Papst sei ein Jesuit und von einer enormen Willenskraft: „Er überlegt nicht, was für einen Papst üblich ist. Er überlegt, was Jesus tun würde.“

Wie kommt das vor Ort an? Seinen eigenen Enthusiasmus sieht van Meegen in den Gemeinden noch nicht recht gespiegelt: „Ganz ehrlich, ich denke, die Menschen warten erst einmal ab.“ So richtig angesteckt habe die neue Art des neuen Papstes unter den Gläubigen aber eher weniger als in der gesamten Weltöffentlichkeit. Ausnahmen gibt es natürlich: Nach den äußerst moderaten Aussagen Franziskus' zur Homosexualität seien auch schwule Gemeindemitglieder auf ihn zugekommen, so van Meegen: „Die Worte des Papstes waren sehr wertvoll für sie“, sagt der Dekan.

Monatelang sorgte Franziskus auch in Deutschland für positive katholische Schlagzeilen, doch dann wechselte der Wind im Blätterwald: 2013 war auch das Jahr der Limburg-Affäre um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Den beließ Papst Franziskus vorerst im Amt. Was denkt Sven van Meegen? „Die Fakten liegen noch nicht alle auf dem Tisch“, sagt er – nur um zu wiederholen, dass er einen Neuanfang des Bischofs in Limburg nicht für möglich hält. „das Vertrauen zu den Laien ist zerstört“, so van Meegen – und dass die luxuriösen Bauvorhaben des Bischofs gerade angesichts der Bescheidenheit des neuen Papstes eine besonders empfindliche Stelle treffe, sei selbstverständlich. „Wenn man Baukosten überschreitet, muss man eben zurückstecken, es ist doch das Geld der Menschen“, sagt van Meegen. Der Limburger Bischofssitz sei vom Dom auch nicht weiter entfernt als van Meegens Niederstotzinger Pfarrhaus von der dortigen Kirche. „Was brauche ich eine Privatkapelle?“, fragt der Dekan: „Ich habe einen Schlüssel zur Kirche, der war für den Bischof doch sicher auch zu haben.“

Dennoch – selbst die negativen Schlagzeilen haben für van Meegen positive Auswirkungen: „Es ist viel mehr Transparenz nötig, wenn diese üblich wird, hat es sein Gutes gehabt.“ Und unter dem Strich kann van Meegen heute verkünden, dass es in den Gemeinden der Gegend zwar viele Diskussionen, aber keine Austrittswelle gab: „Auch keine Abkehr von der Mitarbeit in den Gemeinden.“

Überhaupt: Vor Ort ist van Meegen mit dem Jahr 2013 sehr zufrieden: Ob Kitas in Giengen und Herbrechtingen, Gemeindehäuser und Begegnungsstätten in Nieder- und Oberstotzingen oder Dischingen: „Wir haben viel Raum für unsere Aufgaben schaffen können“, sagt der Dekan. Und auch der Kirchenbesuch sei leicht nach oben gegangen, ebenso der Anteil von Taufen und kirchlichen Trauungen.

Thema Priestermangel? „Das haben wir gut gelöst“, sagt van Meegen. Nur durch Priester aus Afrika? Das will van Meegen nicht stehen lassen: „Der Anteil ist auf 25 Prozent gedeckelt, da haben wir kein Problem. Und die Priester aus dem Ausland bringen mehr Offenheit und Weite mit.“ Klar sei, dass man bei Sprache und Kultur noch mehr schulen müsse: „Seelsorge ist eben Kommunikation“. Und Priester, die beispielsweise ein Frauenbild aus der Dritten Welt mitbrächten, müsse man umstimmen oder nach Hause schicken.

Kommunikation ist denn auch eines der Hauptanliegen des Dekans im neuen Jahr – auch die Kommunikationsfähigkeit junger Menschen. Kirche per Facebook? „Tabu darf das nicht sein, aber am Ende geht es eben wirklich um ein persönliches Gespräch.“

Wechselhaft war schließlich auch das private Jahr des Dekans, der wegen seines Doppelamts als katholischer Dekan und Dekan an der Dualen Hochschule Schlagzeilen machte. Die Sorge, er übernehme sich, habe er den Kritikern nehmen können, so van Meegen, der beruflich sehr zufrieden ist mit 2013. Nur privat hofft er auf ein besseres Jahr: 2013 verlor van Meegen in kurzer Zeit drei Familienangehörige durch schwere Krankheiten – tragische Erlebnisse, vor denen alle Schlagzeilen aus Rom oder Limburg verblassen.

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