Heidenheim Oper: Regisseurin Helen Malkowsky spricht über die Inszenierung

Die geliebte Natur im Rücken: Helen Malkowsky während einer Probenpause im Festspielhaus.
Die geliebte Natur im Rücken: Helen Malkowsky während einer Probenpause im Festspielhaus. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Manfred F. Kubiak 28.06.2018
Helen Malkowsky inszeniert den Heidenheimer „Nabucco“, der am Freitag Premiere hat, und will bei dieser Gelegenheit versuchen, dem Libretto die Geheimnisse zu entreißen.

So oft hatten Frauen bisher nicht das Sagen im Rittersaal. Tatsächlich ist Helen Malkowsky erst die zweite Regisseurin in der über 50jährigen Geschichte der Opernfestspiele. Und selbst wenn man ins Feld führen wollte, dass Petra Luisa Meyer 2014 und 2016 mit „Bajazzo/Cavalleria“ beziehungsweise „La Bohème“ ja schon zweimal da war, wäre Helen Malkowsky immer noch erst die dritte Frau, die hier Oper inszeniert. Ein Platz auf dem Podest in dieser Disziplin ist ihr also auf alle Fälle sicher.

Sicher ist auch: Die Arbeit in Heidenheim macht ihr Spaß. „Die Proben liefen gut und intensiv. Und ich habe es sehr genossen, dabei mal nicht die ganze Zeit über vom Tageslicht ausgeschlossen in einem Theater zu sein, sondern zumeist an der frischen Luft und mitten in der Natur.“ Die Naturfreundin, die insbesondere auch die Berge liebt, kann gar nicht laut genug davon schwärmen, wie schön sie das fand.

Hochemotionale Zustände

Etwas in Kontrast zu den Naturgefühlen steht hingegen, was bei den Proben verhandelt wurde: Giuseppe Verdis „Nabucco“. Helen Malkowsky hat da eine ganz klare Meinung: „Das ist zunächst einmal ein Stück über den Krieg. Über einen Krieg, den es unter dem Namen Nahostkonflikt gewissermaßen bis heute gibt.“

Was nicht bedeutet, dass dieser Krieg bei ihr als solcher auch auf der Bühne ausgetragen wird. Die Geschichte von „Nabucco“ bietet ja eher „viele hochemotionale Zustände“. Und weil das Libretto nicht unbedingt einem logischen Faden folgt, „schafft es auch Räume“, die auszuloten Helen Malkowsky in Heidenheim angetreten ist. „Wir versuchen, dem Libretto die Geheimnisse zu entreißen, das anzusprechen, was nicht drinsteht“, sagt die Regisseurin, ohne dass sie, aus Gründen der Spannung, allzu viel von ihrem Konzept verraten möchte. Vielleicht soviel: Es wird auch um die Frage gehen, wohin unausgesprochene Zwistigkeiten führen. Und dies: „Ganz grundsätzlich strebe ich bei allem idealerweise auch immer an, dass die Geschichte durch die Inszenierung auch dann verstanden werden könnte, wenn die Übertitel einmal ausfallen sollten.“

Was aber dürfen sich, abgesehen von der szenischen Interpretation der Geschichte, die Besucher vom Heidenheimer „Nabucco“ mal ganz allgemein erwarten? Helen Malkowsky antwortet, ohne zu zögern: „Eine hohe Emotionalität und die Einladung, Oper ganz persönlich zu erleben, weil ich hoffe, dass jeder sich irgendwie selber wiederfinden können wird. Darüber hinaus aber soll die Kulinarik der Oper trotzdem erhalten bleiben.“ Helen Malkowsky ist gebürtige Dresdnerin und – als Flötistin – studierte Orchestermusikerin. Da sie es schon damals schade fand, dass das Orchester immer erst relativ spät ins Geschehen einer Opernproduktion eingreift, überwog am Ende die Neugier auf den gesamten Entstehungsprozess so sehr, dass sie den Weg ins Regiefach einschlug.

Bayreuth inklusive

„Ich hatte viel Glück, dass ich schon am Anfang als Assistentin von der Zusammenarbeit etwa mit Herbert Wernicke und Claus Guth profitieren durfte“, sagt Helen Malkowsky, die bei solchen Gelegenheiten zum Beispiel in Sachen „Holländer“ nicht zuletzt auch in Bayreuth in Aktion trat. Seit 2001 realisierte die Regisseurin zahlreiche Musiktheaterproduktionen, unter anderem die „Pique Dame“ in Chemnitz, den „Parsifal“ in Kassel, „Die Entführung aus dem Serail“ an der Volksoper in Wien, den „Rosenkavalier“, den „Holländer“, „Don Carlo“ oder „Die tote Stadt“ in Nürnberg, „Werther“ in Aachen oder „Carmen“ in Bielefeld.

Außerdem war Helen Malkowsky darüber hinaus Oberspielleiterin und Leiterin des Opernstudios am Staatstheater Nürnberg, Operndirektorin des Theaters Bielefeld und zuletzt Hausregisseurin am Chemnitzer Theater und unterrichtete an der Universität der Künste in Berlin.

Und nun „Nabucco“ in Heidenheim. Heute ist Premiere. Die Spannung steigt stündlich.

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