Serie: Spitzenreiter 350 000 Euro: Das wertvollste Kunstwerk im Besitz der Stadt Heidenheim

Seit 2012 endgültig ein Stück Heidenheim: Paul Klees Aquarell „Ein Gefangener wird abgeführt“.
Seit 2012 endgültig ein Stück Heidenheim: Paul Klees Aquarell „Ein Gefangener wird abgeführt“. © Foto: Archiv
Heidenheim / Manfred F. Kubiak 01.09.2017
Das wertvollste Kunstwerk im Besitz der Stadt Heidenheim wird auf mindestens 350 000 Euro taxiert und ist Teil der „Schenkung Gunzenhauser“.

Preisfrage: Was bleibt gewissermaßen nicht hängen, wenn ein Galerist einem Oberbürgermeister seine Schätze zeigt? Antwort: ein Klee. Mindestens. Aber der Klee ist für diese Geschichte besonders wichtig, weil er seit jenem Tag das wertvollste Kunstwerk im Besitz der Stadt Heidenheim ist.

Womit auch schon so gut wie verraten wäre, wie der Oberbürgermeister heißt, von dem bereits die Rede war. Es ist Bernhard Ilg, der den Klee nach Heidenheim holte. Und Alfred Gunzenhauser ist der Name des Münchener Galeristen und Kunstsammlers, der der Stadt, in der er 1926 geboren worden war, Kunst im Wert von 1,35 Millionen Euro schenkte. Das war im Jahr 2009.

Wobei der Klee ursprünglich offenbar gar nicht dazu ausersehen war, den Weg von der Isar an die Brenz zurückzulegen. Der Galerist jedenfalls hat die Geschichte mit einer gewissen Wonne gern so erzählt, dass der Klee ihm abgeluchst worden sei. Vom Oberbürgermeister. Und deshalb hat, wenn die Schenkung zur Sprache kam, Alfred Gunzenhauser Bernhard Ilg gern und mit einem Unterton von Anerkennung – einen Schlawiner genannt.

„Den nehmen wir“

Wenn man so will abhanden gekommen war der Klee anlässlich eines Besuchs von Oberbürgermeister Bernhard Ilg und Kunstmuseumsdirektor Dr. René Hirner in München bei Alfred Gunzenhauser, der dessen entscheidende Phase einmal so erzählt hat: „Ich habe denen ein paar Sachen gezeigt, und dann habe ich sie dummerweise auch mit in meine Privatwohnung genommen und ihnen in meinem Schlafzimmer meinen geliebten Klee gezeigt; und dann hat der OB Ilg gesagt: ,Ja, den nehmen wir‘, und dann war's passiert, also der tut mir am meisten weh.“

Bei dem Klee, den wir nun die längste Zeit einfach nur immer beim Nachnamen genannt haben, handelt es sich um Paul Klees 1939 entstandenes Aquarell „Ein Gefangener wird abgeführt“. Erstmals in Heidenheim zu sehen war das mit 350 000 Euro taxierte Kunstwerk im Mai 2009 im Hugo-Rupf-Saal des Kunstmuseums.

Das wertvollste Kunstwerk im Besitz der Stadt Heidenheim ist der Klee allerdings strenggenommen erst seit dem 1. Dezember 2012. An jenem Samstag waren im Kunstmuseum mit einer der „Schenkung Gunzenhauser“ gewidmeten Ausstellung die nun so genannten Gunzenhauser-Räume eröffnet worden, zwei bis dato vom Hellenstein-Gymnasium genutzte und für 300 000 Euro hergerichteten Räume, mit denen das ehemalige Volksbad nun tatsächlich komplett zum Kunstmuseum werden konnte, das mit den 120 Quadratmetern eben der Gunzenhäuser-Räume, den 600 des Hugo-Rupf-Saales und den 400 der Hermann-Voith-Galerie seither über eine Ausstellungsfläche von 1120 Quadratmetern verfügt.

Die Schaffung eigener Räume für die „Schenkung Gunzenhauser“ bis zum Jahr 2012 war Bedingung für die Schenkung der Kunstwerke gewesen, die bis zu diesem Zeitpunkt nur eine Leihgabe dargestellt hatten und ansonsten hätten zurückgegeben werden müssen.

Insgesamt 33 Bilder

Die „Schenkung Gunzenhauser“ umfasst insgesamt 33 Bilder und besteht zum einen Teil aus Werken mit Motiven aus Stadt und Landkreis Heidenheim (zum Beispiel Eugen Brachts 1917 gemalte Ansicht der „Brenzbrücke in Herbrechtingen“), zum anderen aber vor allem aus exemplarischen Werken namhafter Künstler des 20. Jahrhunderts wie Willi Baumeister, Otto Dix, Horst Antes, Adolf Hoelzel, Johannes Grützke (unter anderem „Elser baut die Bombenmaschine“), Carl Buchheister, Karl-Fred Dahmen, K. O. Götz oder eben Paul Klee.

Der Klee war zuletzt2013 in Heidenheim ausgestellt gewesen. Ein Wiedersehen stellt Museumsdirektor Dr. René Hirner für „voraussichtlich 2019“ in Aussicht. Den Namen des im November 2015 verstorbenen Heidenheimers Dr. Alfred Gunzenhauser trägt auch das im Dezember 2007 in Chemnitz eröffnete „Museum Gunzenhauser“. Gunzenhauser hatte der Stadt Chemnitz hierfür seine mit 2500 Werken höchst umfangreiche Sammlung deutscher Kunst des 20. Jahrhunderts gestiftet, deren Wert auf über 100, mitunter sogar auf 200 Millionen Euro geschätzt wird.