Heidenheim Kunstmuseum: Wenn das Licht die Wahrnehmung verändert

Seine Werke leuchten nicht nur bei Tag: Günther Reger zeigt ab heute im Kunstmuseum Farbfeldmalerei.
Seine Werke leuchten nicht nur bei Tag: Günther Reger zeigt ab heute im Kunstmuseum Farbfeldmalerei. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Kathrin Schuler 19.10.2018
Mit Farbe und Licht erschafft Günther Reger Kunstwerke, die ihr Aussehen verändern können. Bis zum 10. Februar sind sie in einer Ausstellung im Kunstmuseum zu sehen.

Kunst mag nicht immer einfach zu interpretieren sein, doch zumindest bekommt man genau das, was man sieht: Ob Gemälde, Skulptur oder Druck – selbst wenn sich der Blickwinkel ändert, die Werke selbst sind unveränderlich in Form, Farbe und Gestalt. Möchte man zumindest meinen.

Bei Günther Reger ist es genau umgekehrt: Was in seinen Werken, die er ab heute im Kunstmuseum in Heidenheim ausstellt, zu sehen ist, entscheidet letztlich jeder Betrachter individuell. Und wie sie aussehen, ändert sich in Sekundenschnelle – genau in dem Moment nämlich, in dem das Licht an- oder ausgeknipst wird.

Regers Werke lassen sich der Farbfeldmalerei zuordnen: großflächig und gegenstandslos – im Mittelpunkt stehen die Farben selbst. Doch gleichzeitig möchte er diese Stilrichtung auch weiterentwickeln, sich einen eigenen Ast am Baum der Farbfeldmalerei wachsen lassen: „Meine Kunstwerke können durch das Zusammenspiel von bestimmten Farben und Licht ihr Erscheinungsbild verändern“, sagt der Künstler.

Wie das geht? Indem Reger seinen Farben verschiedene Leuchtpigmente beimischt. So zeigen sich dem Betrachter bei Tageslicht, im Dunkeln und bei Schwarzlicht jeweils völlig verschiedene Welten.

Auge in Auge mit dem Paradoxon

Ein roter Feuerball am Nachthimmel, ein Blick ins Erdinnere – daran erinnert die große rote Kugel in Günther Regers Werk „Black Sun – Red Eclipse“ auf den ersten Blick. Doch ohne Lichtquelle im Raum steht man plötzliche Auge in Auge mit der „Schwarzen Sonne“ – ein Paradoxon, an dem sich Reger besonders erfreut. „Wer sich auf das Werk einlässt, hat beinahe das Gefühl, in ein schwarzes Loch hineinfallen zu können“, sagt Reger.

Ein Fenster in den Weltraum

Vier seiner Werke präsentiert der Künstler aus Küpfendorf unter dem Titel „Black Sun – Red Eclipse“ bis zum 10. Februar 2019 in zwei Räumen im Kunstmuseum.

Alle sind mehrere Quadratmeter groß, das Hauptwerk erstreckt sich sogar nicht nur über eine Wand, sondern nimmt auch gut die Hälfte der Bodenfläche in Beschlag. In der Mitte: ein Stock, an dem sich das Licht bricht. Was es hier aber tatsächlich zu sehen gibt? „Da möchte ich mich nicht festlegen, das überlasse ich dem Betrachter selbst“, sagt Günther Reger.

Trotzdem: Er selbst sieht in seinen Bildern Fenster, durch die so mancher einen Blick in den Weltraum erhaschen kann.

Zeit sollte man mitbringen, um sich mit den Werken des Künstlers auseinanderzusetzen – nicht nur, um die Werke in jedem Licht betrachten zu können. „Wer sich auf die Farbfeldmalerei einlassen kann, erlebt die Bildinszenierung als eine Art meditativen Prozess“, meint Reger, der jedoch gleichzeitig nicht zu viel Esoterisches mit seinen Bildern in Verbindung bringen möchte.

Die Magie der Bilder

Was ihn jedoch interessiert, sind die Assoziationen, die seine Bilder beim Betrachter wecken. „Ich erzähle keine Geschichten, meine Werke sollen vielmehr Fragen stellen“, sagt der Künstler.

Und eine gewisse Magie sollen sie ausüben: Wenn die Besucher seine Ausstellung mit offenen Mündern verlassen, ist der Künstler zufrieden: „Ich will, dass sich die Leute fragen: Was ist Licht? Was ist Farbe? Und was passiert hier mit meiner Wahrnehmung?“

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