Heidenheim / Silja Kummer In der bundesweiten ADFC-Umfrage unter dem Motto „Wie ist Radfahren in Deiner Stadt?“ bekam Heidenheim eine 3,9. Hauptkritikpunkte: die mangelnde Kontrolle von Parkern auf Radwegen und fehlende öffentliche Fahrräder.

Das Klima für Radfahrer in Heidenheim bekommt die Schulnote 3,9. Das geht aus dem Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hervor. 3,9 ist keine Traumnote, aber Heidenheim liegt damit im Vergleich zu anderen Städten ähnlicher Größe (20 000 bis 50 000 Einwohner) auf Rang 145 von 311, also im Mittelfeld. „Außerdem hat sich Heidenheim seit 2014 leicht verbessert“, erläutert Johannes Metzger, Vorsitzender des ADFC-Kreisverbands Heidenheim. Damals war noch die Note 4,3 vergeben worden.

Wie viele Menschen haben sich an der Umfrage beteiligt?

212 Teilnehmer haben Heidenheim hinsichtlich seiner Stärken und Schwächen im Hinblick auf den Radverkehr bewertet. Allein schon die Zahl derer, die mitgemacht haben, entzückt Johannes Metzger: „Beim letzten Fahrradklima-Test vor zwei Jahren waren es nicht einmal 100 Teilnehmer“, sagt er. Seiner Meinung nach spiegelt dies ein gestiegenes Interesse am Thema Radfahren wieder. Repräsentativ sind die Zahlen der Umfrage, die das Bundesverkehrsministerium fördert, sicherlich nicht. Aber Metzger bestätigt, dass sich darin die Themen wiederfinden, mit denen auch die ADFC-Vertreter vor Ort konfrontiert werden.

Heißt das, dass auch mehr Menschen mit dem Fahrrad fahren?

Johannes Metzger glaubt, dass das so ist, weil durch die Pedelecs vor allem ältere Menschen vermehrt aufs Zweirad steigen. Auch habe der ADFC im Landkreis im vergangenen Jahr einen Mitgliederzuwachs von 13 Prozent gehabt.

Was sind Heidenheims Stärken für Radfahrer?

Im Rahmen der Umfrage werden verschiedene Aspekte des Radfahrens in der jeweiligen Stadt abgefragt. Die Stärken von Heidenheim liegen dabei in der Erreichbarkeit des Stadtzentrums, der Wegweisung für Radfahrer und der Bewertung, ob Radfahren eher Spaß oder Stress darstellt. Besser als in anderen Städten ähnlicher Größe wird die Oberfläche der Radwege, die Fahrradförderung in letzter Zeit und die Werbung für das Radfahren bewertet.

Wird in Heidenheim also mehr für Radfahrer getan als früher?

„Heidenheim hat sich tendenziell nach oben gearbeitet“, sagt Johannes Metzger. Er meint das nicht nur in Bezug auf Heidenheims Abschneiden im Fahrradklima-Test, sondern auch hinsichtlich des Umgangs mit den Radfahrern als Verkehrsteilnehmer. Ausreichend sind die Bemühungen seiner Meinung nach aber nicht: „Wenn man den Klimaschutz ernst nimmt, muss die Infrastruktur für Radfahrer noch viel besser werden“, meint der Kreisvorsitzende des ADFC.

Was kritisieren Radfahrer in Heidenheim?

Die schwächsten Punkte sind die Führung des Radverkehrs an Baustellen, die Falschparkerkontrolle auf Radwegen und die Bereitstellung von öffentlichen Fahrrädern, die nämlich komplett fehlt. Unter der durchschnittlichen Bewertung in anderen Städten ähnlicher Größe liegen die Fahrradmitnahme im öffentlichen Nahverkehr und die geöffneten Einbahnstraßen in Gegenrichtung.

Warum ist das Parken oder Halten auf Radwegen so ärgerlich?

Für Radfahrer entstehen extrem gefährliche Situationen, wenn sie vom Radweg auf die Fahrbahn wechseln müssen, sagt Johannes Metzger. Kritisiert werde in der Umfrage aber nicht die Tatsache, dass die Blockaden auf Radwegen zunehmen, sondern dass diese nicht stark genug geahndet würden. „Wenn die Fahrzeuge auf der Straße parken würden, wäre schnell die Polizei da“, meint er.

Für wen wären öffentliche Fahrräder von Nutzen?

„Ich könnte mir vorstellen, dass Pendler, die in Heidenheim arbeiten, eher mit dem Zug kommen würden, wenn ihnen am Bahnhof öffentliche Fahrräder zur Verfügung stünden“, meint Metzger. Er sieht dabei aber nicht unbedingt die öffentliche Hand in der Pflicht, „auch die größeren Firmen könnten sich etwas einfallen lassen“, sagt er.

Was kann die Stadt tun, damit die Bewertung bei der nächsten Umfrage noch besser ausfällt?

Mehr Geld in die Hand nehmen: „Es müssen mehr Mittel in den Radverkehr fließen“, sagt Johannes Metzger. Es sei an vielen Stellen schon etwas getan worden für den Radverkehr, aber die Menschen würden sich ein durchgängiges Radwegenetz durch die ganze Stadt wünschen.

Bei den Städten mit 20.000 bis 50.000 Einwohner liegt Baunatal (Hessen) hinsichtlich des Radklimas auf Platz 1, gefolgt von Ingelheim am Rhein auf Platz 2. Auf dem letzten Platz (311) ist Hof gelandet, nur etwas besser bewertet wurde Kulmbach (Platz 310).

Im Vergleich innerhalb Baden-Württembergs (ähnliche Stadtgröße) liegt Heidenheim auf Platz 29 von 50. Schwäbisch Gmünd liegt auf Platz 59 (von 106, bundesweiter Vergleich von Städten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohner) mit einer Note von 4,04, Aalen auf Platz 76 mit der Note 4,14.