Rad Das Eigenleben des Hinterrads

„An die Power muss man sich erst gewöhnen“: Ralf Frey bietet Heidenheims erste E-Bike-Schule an – und die ist nicht nur für Senioren gedacht.
„An die Power muss man sich erst gewöhnen“: Ralf Frey bietet Heidenheims erste E-Bike-Schule an – und die ist nicht nur für Senioren gedacht.
Heidenheim / 08.04.2014
E-Bikes boomen gerade in Heidenheim – war die hügelige Stadt abseits des Brenztals doch stets eher etwas für sportliche Radler. Doch die umweltfreundliche Mischung aus Fahrrad und Kraftrad ist nicht nur für Senioren Hilfestellung wie Herausforderung. „Bikeorado“-Inhaber Ralf Frey hat darum die erste E-Bike-Fahrschule ins Leben gerufen.
Herr Frey, Fahrradfahren kann eigentlich jeder – und es wird schon in der Schule unterrichtet. Wozu braucht es da eine E-Bike-Fahrschule?    
Die Idee entstand aufgrund unserer Kundenerfahrung. Wir haben gemerkt, dass hier häufig eine Hemmschwelle oder Unsicherheit ist, was das E-Bike anbelangt, die wir abbauen wollen. Auch von kleineren Malheuren wurde uns berichtet, weil das Fahrverhalten anders ist als bei regulären Fahrrädern.
Gibt es beim Fahrverhalten große Unterschiede?    
Ja, bei den Pedelecs wird die Kraft, die durch das Treten aufs Hinterrad übertragen wird, von einem E-Motor verstärkt – in höchster Leistungsstufe um bis zu 200 Prozent. An diese Power muss man sich erst gewöhnen: Der starke Schub beim leichten Treten ist anfangs etwas ungewohnt, das Fahrrad hat quasi ein Eigenleben. Hinzu kommt die ungewohnte Steuerung am Lenker. Dort lässt sich einstellen, ob man ohne oder mit Elektromotor-Verstärkung radelt. Und wenn „mit“, dann kann man noch entscheiden, ob in der Eco-, Normal- oder Powervariante. Da ist es gut, wenn man in geschützter Umgebung und mit fachlicher Anleitung die Anwendung üben kann.
Welche Inhalte werden in Ihrer E-Bike-Schule gelehrt?    
In erster Linie geht es darum, das E-Bike besser kennenzulernen. Der Hauptaspekt liegt auf dem praktischen Üben unter fachlicher Anleitung. Wir haben erfahrene Praktiker in unserem Racing-Team, die diese Praxiseinheiten anleiten und wertvolle Tipps geben. Dabei achten wir darauf, dass es Frauen- und Männer-Teams gibt und diese jeweils auch Frauen oder Männer als Trainer haben, sodass Hemmungen gar nicht erst entstehen. Direkt am Haus verfügen wir über eine großzügige Teststrecke mit kleinen Hügeln, an denen sich das Anfahren und Bremsverhalten ausprobieren lässt. Unterschiedliche Straßenbeläge erfordern unterschiedliches Bremsverhalten. So ist es bei Schotter anders als bei normalem Asphalt – auch da lässt sich bei uns experimentieren. Außerdem wird Theorie vermittelt, wie das Bike funktioniert. Daneben geben wir Tipps, welches E-Bike für wen geeignet ist, wo der Unterschied zu einem Pedelec liegt und worauf beim Kauf zu achten ist.
Das klingt, als wollten Sie mit der Schule nur neue Kunden generieren.    
Wenn wir Fahrradkunden damit gewinnen, dann freut uns das natürlich. Aber das war nicht das Hauptanliegen. Wir wollen, dass die Menschen sicher und souverän mit dem E-Bike im Straßenverkehr unterwegs sind. Deshalb kann man auch zu uns kommen, wenn man bereits ein E-Bike besitzt – und dies nicht bei uns gekauft hat. Es geht darum, zu üben, zu probieren und Spaß zu haben. Auf unserer Teststrecke entstanden schon Verabredungen für Gruppen-Ausfahrten und sogar eine Radreise.
Inzwischen sind E-Bikes und Fahrräder von der Steuer absetzbar. Ein Kaufanreiz im Heimatland der sparsamen Schwaben?    
Es ist erwiesen, dass 45 Prozent aller Arbeitswege unter zehn Kilometern liegen. Da bietet es sich an, mit dem Fahrrad zu fahren. Die Anschaffungskosten kann man nun, genau wie bei einem Dienstwagen, steuerlich geltend machen. Diese Regelung gilt rückwirkend zum 1. Januar 2012. Als erstes wird die Mehrwertsteuer als Vorsteuer bei der Anschaffung des Rades bei der nächsten Umsatzsteuervoranmeldung abgezogen. Der verbleibende Netto-Betrag lässt sich dann als Betriebsausgabe abschreiben. Damit spart man je nach Höhe des Steuersatzes noch einmal eine beträchtliche Summe. Insgesamt lässt sich so ein Drittel der Kosten sparen.
Beim Auto gibt es Unterschiede von privater und beruflicher Nutzung. Wie verhält sich das bei einem Fahrrad?    
Hier ist der Sachverhalt der gleiche. Bei der Privatnutzung gilt die sogenannte „Ein-Prozent-Regelung“. Das bedeutet: Ein Prozent des Fahrrad-Listenpreises muss über die Lohnsteuer bezahlt werden. Kostet ein neu angeschafftes Pedelec zum Beispiel 900 Euro, werden monatlich neun Euro versteuert.