Heidenheim Damit Keime künftig vor der Kliniktür bleiben

Kein Zutritt für Keime: Udo Lavendel, Dr. Jörg Sandfort, Christoph Bauer, Dr. Martin Grünewald und Hans Eberhardt (von links) erproben beispielhaft am Klinikum und mit Heidenheimer Arztpraxen ein Vorsorge-Rezept, damit Keime erst gar nicht ins Klinikum kommen.
Kein Zutritt für Keime: Udo Lavendel, Dr. Jörg Sandfort, Christoph Bauer, Dr. Martin Grünewald und Hans Eberhardt (von links) erproben beispielhaft am Klinikum und mit Heidenheimer Arztpraxen ein Vorsorge-Rezept, damit Keime erst gar nicht ins Klinikum kommen. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Karin Fuchs 25.07.2018
Niedergelassene Ärzte und Klinikärzte starten ein Forschungsprojekt, das bundesweit zum Rezept gegen gefährliche Keime werden könnte. Dabei werden Patienten vorab auf Keime gescannt

Harmlose Bakterien können bei einem Kranken schwere Infektionen verursachen, vor allem, wenn die Keime in großer Zahl vorkommen. Weil die Keime anpassungsfähig sind und mit Antibiotika nicht mehr zu behandeln sind, geht die Angst um vor den so genannten multiresistenten Krankenhauskeimen. Die Krux: Das Wort suggeriert, dass diese Keime im Krankenhaus entstehen, was so nicht ist. Denn eingeschleppt werden sie im Grunde von den Patienten selbst.

Drei Millionen als Förderung

Damit Patienten nicht als Keimschleuder ins Klinikum kommen und dadurch für sich selbst oder andere Patienten eine Gefahr werden, erproben die Heidenheimer ein Rezept, das sie eigens entwickelt haben. Gefördert werden sie vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses mit knapp drei Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren.

Bei wissenschaftlich belegtem Erfolg könnte das Programm bundesweit Anwendung finden und zur Lösung des Problems beitragen. Die Anwendung könnte zur Regelversorgung werden, von den Krankenkassen gefördert. „Staufrei“ heißt das Projekt und bezieht sich auf den Namen des Keims, der in die Zange genommen wird: Staphylococcus Aureus.

Unerwünschtes Mitbringsel

„95 Prozent der Patienten bringen die Keime selbst mit“, sagt Chefarzt und Projektleiter Dr. Martin Grünewald. Dabei will das Krankenhaus die Keime am liebsten vor der Türe lassen. Genau hier setzt das Projekt an, weshalb die niedergelassenen Ärzte ins Spiel kommen. „Das Projekt findet eigentlich in den Praxen statt“, sagt Dr. Jörg Sandfort, Vorsitzender der Kreisärzteschaft.

In den Fokus genommen werden Patienten, die zu geplanten Operationen ins Klinikum geschickt werden. Diese werden auf Keime auf der Haut getestet. Werden solche nachgewiesen, wird der Patient unterwiesen, wie er die Keime deutlich reduzieren kann. Er bekommt ein Paket mit diversen Mitteln, von der Artzseife, über das Deo bis zum zur Rachenspülung und wendet diese fünf Tage lang an. Das heißt, er duscht täglich, spült dreimal täglich den Rachen und vieles mehr. Gleichzeitig wird er angewiesen, diverse Flächen im Haushalt zu desinfizieren. „So kommt der Patient bestmöglich dekontaminiert ins Klinikum“, sagt Sandford. Und weniger Keime reicht aus, fügt Dr. Günewald an, damit eine Infektion ausbleibt.

40 Praxen sind dabei

Beteiligt sind im Moment 40 Arztpraxen im Landkreis, die 70 Prozent der Patienten für geplante Operationen überweisen. Sandfort rechnet damit, dass noch Praxen weitere hinzu kommen. In den Praxen werden Arzthelferinnen speziell geschult, um wiederum die Patienten zu unterweisen. „Innovativ ist die Eigenverantwortung des Patienten“, betont Klinikgeschäftsführer Udo Lavendel den neuen Ansatz. Diese gezielte Vorsorge könnten sich wegen ihres erzieherischen Effekts in Zeiten von Grippe oder Novovirus bei der Influenza positiv auswirken, hofft Christoph Bauer, Leiter des Gesundheitsamts am Heidenheimer Landratsamt.

„Staufrei“ startet am 1. April 2019 und ende am 31. März 2021. Schon ab Oktober soll eine Probephase anlaufen, wo die Tests und die anschließende Behandlung bei einer Auswahl an Patienten auf Praktikabilität geprobt wird. Mit Ergebnissen, ob das Programm seine Wirkung zeigt und sich auch rechnet, wird dann im Jahr 2022 gerechnet.

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