Fest Christophorus-Schule: 110 Jahre Förderung und Wertschätzung

Heidenheim / CHRISTIAN NICK 20.06.2016
Die Christophorus-Schule beging mit einem Festakt ihr Jubiläum zum 110-jährigen Bestehen – zuvor standen die Klassenzimmer-Türen offen.

110 Jahre eine Idee. Ein Leitbild, das sich in über einem Jahrhundert in ganz unterschiedliche Konzepte und Begrifflichkeiten gekleidet hat – sich aber im Wesenskern treu geblieben ist: Einen Ort für Kinder zu schaffen, „an denen sie sich nicht als zweite oder dritte Wahl fühlen“, wie es Ex-Kultusminister und Neu-SPD-Landtagsfraktions-Vorsitzender Andreas Stoch in seinem Grußwort formulierte.

110 Jahre sind nun vergangen, seit die sonderpädagogische Bildungseinrichtung 1906 gegründet worden war. „Hilfsschule“ hieß sie damals. Eine heute anachronistisch anmutende, aber durchaus eigentlich noch passende Bezeichnung, befand der Leitende Schulamtsdirektor Jörg Hofrichter: Ging und geht es doch damals wie heute darum, „eine Schule, die hilft und Freude am Lernen vermittelt“, zu sein.

Einer Diagnose, der auch Oberbürgermeister Bernhard Ilg zustimmte, der die Förderschulen als „kompetenten und verlässlichen Pol der Achtung und Wertschätzung“ rühmte.

Ihre Freude, dass „diese Idee bis heute bewahrt werden konnte“, sowie ihren Dank an Eltern, Lehrer, Partner und Unterstützer drückte denn auch Schulleiterin Monika Heizmann aus. Mit 23 Schülern ging es einst los. Die „Hilfsschule“ wuchs rasch, ehe während des Ersten Weltkriegs die Kinder mit Lernproblemen kurzzeitig wieder in den Volksschulen die harte Schulbank drücken mussten. Ab 1930 gab's zwei Klassen. 1937 schon drei – und man förderte dann bereits knapp 70 Schüler.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren es derer schon über 90. Vier Lehrkräfte kümmerten sich seinerzeit um die Kinder. Die 60er-Jahre brachten dann nicht nur neue sonderpädagogische Konzepte, sondern auch neue Termini hervor: Aus der „Hilfsschule“ wurde zunächst eine „Schule für Lernbehinderte“, Anfang der 90er dann die „Förderschule“. Im vergangenen Jahr dann der (vorerst) letzte neue Titel: „Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum“.

Innovativ war die Christophorus-Schule indes nicht nur in Sachen der Weiterentwicklung der Namensfindung: Die Betreuung im Hort wurde schon etabliert, als dies bei Weitem noch nicht Standard war, eine sonderpädagogische Frühförderstelle, der sonderpädagogische Dienst als umfassendes Beratungsangebot, eine Eltern-Kind-Gruppe und auch eine Schülerfirma etabliert.

Alles in allem gute Voraussetzungen, um zu erfüllen, was die Schule Eltern und Kindern verspricht – da waren sich grundsätzlich alle sechs Redner einig, die umrahmt von musikalischen Darbietungen der Schulband, der Flöten-Gruppe und des Chors das Wort an das Publikum richteten.

Die Gäste indessen konnten nicht nur Musik und Worten lauschen, sondern hatten vorher zwei Stunden Gelegenheit, sich bei der „Offenen Schule“ über das vielfältige Tun von Schülerschaft und Pädagogen Einblick zu informieren.

Den Tenor, der sich in den Reden der Gäste niederschlug, fasste Jörg Hofrichter zusammen: „Ich glaube nicht, dass diese Schule sich Sorgen machen muss.“ Schulleiterin Heizmann freilich artikulierte – im breiteren Kontext – solche durchaus: Männliche Sonderpädagogen? Mangelware. Chancengleichheit? Noch lange nicht gegeben. „Mit Sorge“ blicke sie auf die weitere Zukunft der Förderschulen.

Und tatsächlich: Eine „Angst bei Eltern und Schülern, wie es mit den Sonderschulen weitergeht“, spürte in seiner Zeit als Kultusminister auch Andreas Stoch, wie er zugab, nachdem er in „persönlicheren Worten, als Sie es meist von mir hören“, seine langjährige Verbundenheit mit der Christophorus-Schule betont hatte.

Doch allen Diskussionen um Schulstrukturen zum Trotz: Der Begriff Inklusion weist für Stoch weit darüber hinaus: nämlich zu einer „Gesellschaft, die jeden Menschen akzeptiert“. Auch in seiner neuen Rolle, versicherte der Fraktionschef, werde er alles tun, damit „Kinder glücklich und selbstbewusst“ – und zukünftig keine Lehrerstellen abgebaut werden.

Eine neue Rolle übt seit Kurzem auch Martin Grath aus, der ins gleiche Horn stieß und ebenfalls von einer langen persönlichen Verbundenheit mit der Christophorus-Schule zu berichten wusste – und auch von einer Erfolgsgeschichte, die Mut macht: Vor Jahren habe er beim Brezel-Verkauf auf dem Schulhof der Förderschule einen Schüler kennengelernt – jener Junge von damals hat heute seinen eigenen Bäckereibetrieb. Und den Meisterbrief in der Tasche.

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