Heidenheim Mangelnde Info nach Pannen auf der Brenzbahn

So viele Reisende wie sonst nie stehen abends am Bahnhof in Heidenheim nach dem Totalausfall. Die Auskunft der Bahn ist mangelhaft. Viele wissen nicht, wie sie weiterkommen sollen.
So viele Reisende wie sonst nie stehen abends am Bahnhof in Heidenheim nach dem Totalausfall. Die Auskunft der Bahn ist mangelhaft. Viele wissen nicht, wie sie weiterkommen sollen. © Foto: Leserfoto
Heidenheim / Karin Fuchs 02.08.2018
Triebwagen bleiben liegen, Bahnreisende laufen quer übers Feld zum Banhof zurück, Reisende warten auf verlässliche Informationen. Versagt die Bahn beim Krisenmanagement?

Auf der Brenzbahn herrscht dieser Tage Chaos. Nach den Pannen im Februar haben Ausfälle, Verspätungen und vor allem die mangelnde Information der gestrandeten Bahnkunden einen neuen Gipfel erreicht.

Erst am Montag blieb zwischen Ellwangen und Aalen ein Triebwagen beschädigt liegen und wirbelte den Fahrplan auf der eingleisigen Strecke bis Ulm gehörig durcheinander. Das Chaos setzte sich am Mittwoch und Donnerstag fort. Eine Woche davor hatten Verspätungen geärgert.

Brandgeruch alarmiert Anlieger

Der Höhepunkt dann am Mittwochabend im Feierabendverkehr: Fahrgäste eines liegen gebliebenen Zuges zwischen Königsbronn und Oberkochen liefen zu Fuß auf den Schienen sowie quer übers Feld zum nächsten Bahnhof. Das berichten Anlieger aus Königsbronn. Die Bahn hatte Mittwoch noch mitgeteilt, dass die Menschen am Bahnhof in Königsbronn ausgestiegen und in den parallel verkehrenden Bahnbus umgestiegen seien.

„Bei uns auf dem Balkon roch es um 17.40 Uhr irgendwie komisch, aber es war kein Brand ums Haus zu sehen. Doch dann kamen plötzlich viele Fahrgäste auf dem Gleis gelaufen, die zurück zum Bahnhof wollten. Einen anderen Weg gab es ja nicht, da ihr Zug im Einschnitt Richtung Oberkochen gestrandet war“, berichtet ein Anlieger aus Königsbronn. Er entdeckte den Triebwagen der Baureihe 644 unter dem Rosenkranzbrückle. Die Hilfslok war schon vor Ort. Nicht nur er fragt sich, wie die Fahrgäste, teils mit Koffern beladen, aus dem Zug gekommen waren. Außer dem Notfallmanager seien keine Hilfskräfte zu sehen gewesen.

Am Tag nach der Panne kann die Bahnsprecherin auf Nachfrage die Geschehnisse genauer rekonstruieren: Der Zug sei um 14.13 Uhr in Ulm los gefahren, eine Stunde später kurz vor Königsbronn blockierten die Bremsen. Deshalb sei der Zug auf freier Strecke stehen geblieben.

Dort schon seien etwa 30 Personen ausgestiegen und übers freie Feld zum Bahnhof gelaufen, um dort einen Bus zu erreichen, der im Berufsverkehr laut Fahrplan halbstündlich pendelt.

Der Zug sei daraufhin noch ein Stück weiter gefahren, ist dann aber kurz nach Königsbronn endgültig liegen geblieben. Ein Notfallmanager wurde alarmiert. Dieser kam per Auto und angesichts der Hitze mit Wasser im Gepäck angefahren. Zu diesem Zeitpunkt waren schon alle Reisenden ausgestiegen. Laut der Bahnsprecherin richtete die Bahn einen Busersatzverkehr ein, teils seien Taxis eingesetzt gewesen. Sieben Verbindungen fielen komplett aus, dazu kamen zehn Teilausfälle, also Züge, die schon vor ihrem Ziel wieder wendeten, sowie Verspätungen.

Den gestrandeten Triebwagen abzuschleppen, erwies sich als nicht einfach. Die ersten Kopplungsversuche mit einer Baulok seien aufgrund der blockierten Bremsen fehlgeschlagen, so die Bahnsprecherin. Erst gegen 20 Uhr sei der Zug bis zum Bahnhof in Schnaitheim geschleppt worden.

„Es ist alles sehr unglücklich gelaufen, da kann man nichts schönreden, es tut uns leid“, so die Bahnsprecherin. Diese Entschuldigung dürfte vor allem die von Pannen geplagten Pendler wenig beschwichtigen. „In Königsbronn mussten wir 2,30 Euro bezahlen für die einfache Fahrt nach Heidenheim“, berichtet einer der Gestrandete. „Den Fahrgästen platzt der Kragen. Da muss sich niemand wundern, wenn die Situation einmal eskaliert.“

Nichts geht mehr auf der Brenzbahn. Ein Bombardier Talent war bei Königsbronn liegengeblieben und blockierte die Strecke. Bis der Triebwagen abgeschleppt werden konnte, vergingen Stunden. Die Fahrgäste hatten sich schon selbst zu Fuß auf den Gleisen auf den Weg gemacht.
Nichts geht mehr auf der Brenzbahn. Ein Bombardier Talent war bei Königsbronn liegengeblieben und blockierte die Strecke. Bis der Triebwagen abgeschleppt werden konnte, vergingen Stunden. Die Fahrgäste hatten sich schon selbst zu Fuß auf den Gleisen auf den Weg gemacht. © Foto: Bernd Pfister

Der Ärger ist groß und lässt nicht nach. Vor allem als am frühen Donnerstagmorgen erneut Störungen für die Brenzbahn gemeldet wurden. „Deshalb bin ich gleich mit dem Auto gefahren“, berichtet einer der Pendler, der am Vortag eine Irrfahrt von mehr als zwei Stunden hinter sich hatte. Eigentlich wäre er nach 40 Minuten zu Hause gewesen.

Die Störungen am Donnerstag lagen an einem defekten Triebwagen, der bis zur Reparatur in Schnaitheim ein Gleis blockierte. Deshalb sei es zu geringen zeitlichen Verschiebungen gekommen, so die Bahn.

Warum diese Häufung? „Es sind keine Hitzeprobleme“, sagt die Bahnsprecherin, eine Bremsenblockade könne immer vorkommen. Betroffen war übrigens die Baureihe Talent, die die Bahn erst vor wenigen Jahren gebraucht aus dem Kölner Raum für die Brenzbahn geordert hatte – mit dem Ziel die alten Dieseltriebwagen mit hohen Einstiegen und wenig Stauraum für Fahrräder und Kinderwagen zu ersetzten.

Bahnpanne: Margit Stumpp fährt in der Not per Anhalter

Betroffen vom Zugausfall am Mittwoch war auch Grünen-Bundestagsabgeordneter Margit Stumpp auf ihrem Weg nach Berlin. „Ich stand am Bahnsteig in Königsbronn, da kam die Durchsage Zugausfall. Per Autostopp bin ich dank eines freundlichen türkischen Bürgers rechtzeitig in Aalen am Bahnhof angekommen“, berichtet sie.

Eine Stunde zuvor war die Brenzbahn beim Sommerinterview mit den Grünen-Abgeordneten in der HZ-Redaktion Thema gewesen. „Die Zustände sind nicht akzeptabel“, hatte Stumpp gesagt.

Erst vor zwei Wochen habe sie sich mit Sven Hantel getroffen, dem Konzernbevollmächtigten der Bahn für Baden-Württemberg, mit einem Stapel von Anliegen im Gepäck: Von der Bahnunterführung in Aalen bis hin zu den Fahrgastrechten und der Barrierefreiheit auf der Brenzbahn. „Bezüglich der Pannen könnte ich ein eigenes Dossier mitnehmen“, berichtet Stumpp, die ihre Berlinfahrten per Bahn bestreitet.

Von Berlin bis Aalen liefe es meist gut, die letzten Kilometer nach Hause nach Königsbronn seien am problematischsten. „Es ist ein absoluter Missstand, dass sich eine hundertprozentige Tochter des Bundes so kundenfeindlich verhält“, ärgert sie sich Stumpp ebenso wie Landtagsabgeordneter Martin Grath, der in den Stuttgarter Landtag per Bahn pendelt.

Grath streitet mit der Bahn zurzeit um 180 Euro Erstattung. Weil ein Zug nach Stuttgart ausfiel, Grath aber unbedingt einen Flug in Frankfurt erreichen musste, nahm er sich ein Taxi. Dazu hatte ihm ein Bahnmitarbeiter geraten. Kosten: 180 Euro. Die Bahn erstatte ihm 7,50 Euro mit der Begründung, er hätte ja den nächsten Zug nehmen können. Dass er damit den Flug nicht erreicht hätte, zähle für die Bahn nicht. „Ich habe nicht vor nachzugeben.“

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