Heidenheim / Joelle Reimer  Uhr
Viel Gefühl steckte das Akustik-Duo „Caro & Stev“ am Samstagabend in seinen Auftritt im Naturtheater.

Die wichtigste Lektion, die Carolin Wölz und Stefan Chau-Huu als Akustik-Duo „Caro & Stev“ den Gästen am Samstagabend im Café des Naturtheaters beigebracht haben, soll gleich vorweg genommen werden: Wer als Duo auftritt, muss Kompromisse eingehen können. Oder, wie Pianist und Gitarrist Stev mit einem Augenzwinkern meinte: sich mit den Entscheidungen des anderen abfinden.

Und das taten sie, „Caro & Stev“, die beide ursprünglich aus Heidenheim stammen und nun zum ersten Mal öffentlich hier aufgetreten sind. Zum Glück taten sie es. Denn schnell wurde klar: Gerade diese Kompromisse können sich als Highlights eines Konzertes entpuppen. Eben weil dabei die individuellen Stärken so schön zur Geltung kommen, und eben weil dabei die Liedauswahl und das gesamte Hörerlebnis an Vielfalt gewinnen. Wobei gesagt werden muss, dass „Caro & Stev“ mit der Vielfalt sowieso keine Probleme hatten, im Gegenteil: Wie oft gelingt es schon, Christina Stürmer mit Elvis zusammenzubringen, von Whitney Houston übergangslos zu Justin Bieber zu wechseln – und wieder zurück – oder das jazzige „Autumn Leaves“ und Udo Jürgens nachdenkliche Worte in „Das Leben bist du“ aufeinander folgen zu lassen? Eben.

Nur angebracht wäre es deshalb gewesen, wenn das Publikum dem musikalischen Duo allein für seine Liedauswahl Applaus gespendet hätte. Doch weil es in der Musik bekanntlich nicht nur um das Was, sondern auch um das Wie geht, galt der teils stürmische Beifall vorwiegend der glasklaren Stimme von Carolin Wölz und Stefan Chau-Huus leidenschaftlichem, gefühlvollem Pianospiel. Überhaupt: Gefühl steckte in allem, was die beiden auf der Bühne machten – sogar in den charmant-schwäbischen Anmoderationen der Sängerin.

Die angepriesene Vielfalt bewiesen sie auch mit dem Wechsel zum zweiten Teil des Abends – einem Wechsel von ruhig zu rockig. Mit Michael Jacksons „Man in the Mirror“ kündigten sie eine Veränderung an, die nach der Pause prompt Einzug hielt – wenn auch zunächst mit technischen Schwierigkeiten.

Doch was ein echter Live-Auftritt ist, geht eben nicht ohne Rauschen über die Bühne, auch wenn das bedeutet, dass die beiden Marius Müller-Westernhagens „Weil ich dich liebe“ teilweise unplugged darbieten mussten; mit dem positiven Nebeneffekt, dass die sanften Töne von Carolin Wölz noch ein Stück gefühlvoller daher kamen. Überhaupt standen ihr diese leisen, gefühlvollen Lieder besonders gut. Songs von Lady Gaga, Adele oder Aretha Franklin zählten dazu, und was ihr bei „A Natural Woman“ an Stimmvolumen zu fehlen schien, machten sie und ihr Piano-Partner durch ihre ganz eigene Interpretation des souligen Hits wieder wett.

Rockiges wie „Like the Way I Do“ von Melissa Etheridge und „Shut up and dance with me“ von „Walk the Moon“ rundeten den Abend ab, doch als Zugabe besannen sich „Caro & Stev“ wieder ihrer gefühlvoller Zusammenarbeit und hauten mit einer eigenen Tina-Turner-Interpretation das Beste zum Schluss heraus – Gefühl pur, ohne Kompromiss.