Wahl Bürgermeister-Kandidatur: Simone Maiwald tritt gegen Olaf Bernauer an

Simone Maiwald will Nachfolgerin von Bürgermeister Rainer Domberg werden.
Simone Maiwald will Nachfolgerin von Bürgermeister Rainer Domberg werden. © Foto: Schepp
Erwin Bachmann 10.01.2018
Wer wird Nachfolger von Rainer Domberg? Am 25. Januar schlägt die Stunde der Wahrheit: Neben Olaf Bernauer stellt sich auch die Kulturamtsleiterin der Stadt Gießen zur Wahl.

Von einst sieben Bewerbern um die Nachfolge von Bürgermeister Rainer Domberg sind noch zwei übrig, für die es am 25. Januar zur Sache geht: Vorstellung und Wahl des neuen Beigeordneten erfolgen in öffentlicher Sitzung, die Abstimmung selbst ist geheim.

Ein gut gehütetes Geheimnis war bislang, wer denn neben dem Steinheimer Bürgermeister Olaf Bernauer den Hut in den Ring wirft. Und wenn es bisher auch den Anschein hatte, als habe Bernauer ein Heimspiel, so verdichtet sich doch, dass mit Simone Maiwald eine ernstzunehmende Mitbewerberin auftritt, die bei ihren bisherigen Vorstellungsrunden in den Gemeinderatsfraktionen dem Vernehmen nach durchaus zu punkten vermocht hat.

Und die sich im Klaren darüber ist, mit wem sie es zu tun hat. „Ich weiß schon, dass es da eine gesetzte Person gibt und dass die Prioritäten bereits öffentlich formuliert worden sind,“ sagt die 57-Jährige, die auf HZ-Anfrage ihre Kandidatur bestätigt hat und deren Biographie vor allem kulturelle Schwerpunkte erkennen lässt. Die gebürtige Münsteranerin studierte in Wuppertal und Nantes Musik und Romanistik. Danach war sie im Kulturreferat der Stadt Wuppertal tätig, Geschäftsführerin einer Konzert- und Ausstellungshalle in Wuppertal, Pressereferentin in der Kinder- und Jugendbildung, künstlerische Leiterin des Rheinischen Musikfestes in Düsseldorf und Geschäftsführerin der dritten Bergischen Biennale für Neue Musik.

2001 übernahm Maiwald, die zuvor berufsbegleitend eine Verwaltungsausbildung absolviert hatte, in Rottweil den Fachbereich Kultur, Sport, Jugend und Fremdenverkehr. 2003 war die alleinerziehende Mutter eines mittlerweile erwachsenen Sohnes als Chefin des Kulturamtes in Bonn in der engeren Wahl, zog einem Bericht der „Gießener Allgemeinen Zeitung“ zufolge jedoch aus persönlichen Gründen zurück. 2011 kandidierte sie als Beigeordnete in Radolfzell, wo sie knapp scheiterte. 2013 schließlich konnte sie sich gegen rund 70 Bewerber um die Leitung des Gießener Kulturamtes durchsetzen, wo sie ein großes Aufgabengebiet zu bewältigen hat.

Mehrfach beworben

Doch Simone Maiwald ist weiter auf dem Sprung. Anfang vorigen Jahres bewarb sie sich um eine ähnliche Position in Potsdam, wo sie bei 117 Bewerbern unter den Favoriten, aber gleichfalls nicht ganz vorne war. Jetzt also, ein knappes Jahr später, ein neuer Anlauf. Und warum, nach der 84 000-Einwohner-Stadt Gießen, ausgerechnet Heidenheim? Als einen der Gründe führt die Kandidatin die baden-württembergische Kommunalverfassung an, die den Städten ein sehr großes Maß an Selbstgestaltung einräume. Heidenheim selbst sei ihr mit seiner römischen Geschichte bekannt geworden, als sie in der Vergangenheit Kontakte mit der Nachbarstadt Aalen gehabt habe.

Und warum Heidenheim?

Und bei ihren Besuchen in Heidenheim habe sie bemerkt, dass sich „hier etwas bewegt“, dass es eine in vielerlei Hinsicht aktive Stadt sei, zwar nicht Universitätsstadt wie Gießen, aber eben doch Hochschulstadt. Mit zu den Standort-Vorteilen zählt Maiwald die zweite Bundesliga („mit Fußball kenne ich mich aus, weiß auch, was Abseits ist“) die Lage der Stadt („wunderschön“) und das Congress Centrum („da merkt man, dass Heidenheim was möchte“).

Sie selbst möchte auch. „Ich würde mich riesig freuen und würde mich in die Arbeit stürzen,“ sagt sie und könnte sich gut vorstellen, ihre fachliche Kompetenz einzubringen und mit Oberbürgermeister Bernhard Ilg an einem Strang zu ziehen, den sie als sehr aktiv und gut vernetzt wahrnimmt. Auch inhaltlich gibt es offenbar Schnittmengen. „Für mich ist Bildung die Voraussetzung für gelingende Demokratie,“ sagt Maiwald, die selbst Lehramt studiert hat, sich aber nicht als verbissene Kulturkämpferin begreift, sondern über Grenzen hinweg denken will und Kultur immer im Zusammenhang und in der Wechselwirkung mit anderen Lebensbereichen sieht: zum Beispiel mit dem in Heidenheim gleichfalls hochgehaltenen Sport, aus dem sich wiederum Chancen für Soziales, Integration und Gesundheit ergeben.

Und was ist ihr Eindruck nach den Gesprächen vor Ort, wie kommt sie an? „Sehr unterschiedlich,“ so ihre spontane Antwort – „ist ja auch sehr normal, denn es läge doch schon in der Persönlichkeit ein Problem, wenn man mich überall toll finden würde.“