Schnaitheim / Karin Fuchs SCHNAITHEIM. Die Schnaitheimer bekommen einen ebenerdigen Zugang zu Gleis 2 am Bahnhof. Und wenn alles gutgeht, entsteht auf dem Schäfer-Areal eine Wohnbebauung. Diese Pläne hat Oberbürgermeister Bernhard Ilg den nahezu 100 Bürgern vorgestellt, die mit ihm von der Turnhalle aus durch das Wohngebiet Hagen spaziert waren.

Das Gebiet rings um den Schnaitheimer Bahnhof sowie das Wohngebiet Hagen westlich der Bahngleise soll Sanierungsgebiet werden. Das Wirtschaftsministerium hat dazu bereits den Förderzuschuss bewilligt. Nun geht es um die weiteren Details, wobei vor allem die Bewohner ein großes Wort mitsprechen sollen. Und das tun sie in Schnaitheim auch. Schon bei der ersten Informationsveranstaltung im November in der Turn- und Festhalle reichten fast die Plätze nicht aus. Und auch gestern waren an die 100 Bürger zum Treffpunkt an den Fischerweg gekommen. Angesichts der knapp 400 versandten Einladungen ist das ein außergewöhnlich hoher Anteil, wie auch der OB anerkennend zur Kenntnis nahm. Es war ein Geben und Nehmen: Auf der einen Seite stellte der OB den Bürgern die Pläne und Ideen der Stadt vor, auf der anderen Seite notierten Mitarbeiter der Stadt und der Wüstenrot-Gesellschaft, die mit den vorbereitenden Untersuchungen betraut sind, die Anregungen der Bürger.

Neuer Platz: Der Bereich zwischen Hirscheckschule, Turnhalle und Fischerweg, der heute teils Pausenhof, teils Parkplatz, teils Turnhallen-Vorplatz und Straße ist, soll einen Platzcharakter erhalten. Dies sei ein Wunsch gewesen, den Vertreter von Vereinen und Institutionen geäußert hätten, so der OB. Erreicht werden soll dies, indem die vielen Unebenheiten und Stufen beseitigt und zueinander passende Bodenbeläge geschaffen werden sollen. Anliegerstraße soll der Fischerweg zwar nicht werden, doch kann sich der OB vorstellen, dass es gerade im Bereich dieses neuen Platzes Restriktionen für den Verkehr geben wird.

Erlebbare Brenz: Der Uferbereich soll zwar ausgeholzt werden, doch einen direkten Zugang zur Brenz, wie es ihn im Brenzpark gibt und den sich manche Bürger gewünscht hatten, wird es nicht geben. Laut Ilg sei dies aus wasserwirtschaftlichen und naturschutzrechtlichen Gründen nicht realisierbar.

Jugendtreff-Bluebox: Nicht allen gefällt das kleine Gebäude gleich neben der Bahn, das im Moment so gut wie nicht genutzt wird. Außer zu Partys, nach denen laut Bekunden einiger Spaziergänger die Überreste am nächsten Tag zu sehen sind. Die Jugendlichen wünschten sich einen eigenen Treffpunkt, konstatierte der Oberbürgermeister. Doch nicht so, so der Einwand eines Teilnehmers. Wenn Jugendtreff, dann sollte dieser aufgewertet werden.

Bahnzugang: Nur über die Stufen der Überführung ist das Bahngleis 2 in Schnaitheim zu erreichen, auf dem alle Züge halten. Zwar führt mittlerweile ein Fußweg vom Bahnübergang in der Ortsmitte dorthin, doch ist das nur eine Behelfslösung. Denn wer schlecht zu Fuß ist oder Gepäck transportieren muss, für den ist das ein weiter Weg, zumal es keinen Parkplatz gibt. Oberbürgermeister Ilg kündigte eine Lösung an, die den Anwohnern zu gefallen schien: Neben der Fabrikstraße wird auf dem bislang brach liebenden Gelände ein Park-and-Ride-Platzplatz geschaffen und von dort aus ein ebenerdiger Zugang direkt zu Gleis 2. Zudem soll der in die Jahre gekommene Fußgängersteg erneuert werden.

Schäfer-Areal: Die Stadt hat Interesse, das Gelände zu kaufen, die alten Fabrikgebäude abzubrechen und eine Wohnbebauung zu errichten, angepasst am die Umgebungsbebauung. Das heißt laut OB Ilg, zwei- bis Dreifamilienhäuser mit einer maximalen Höhe des jetzigen Fabrikgebäudes. Laut Wunsch eines Anwohners sollte die Stadt keinen Bauträger ranlassen, sondern selbst bauen. Der OB sagte zwar nichts dazu, verwies aber darauf, dass die Stadt ja gerade wieder dabei sei, eine eigene Baugesellschaft zu gründen. Aus den Reihen der Teilnehmer kam der Hinweis, bei der Bebauung auch an Wohnraum für Studenten zu denken.

Parken: Bei dichter Wohnbebauung und kleinen Grundstücken steht im Hagen nur wenig Parkraum zur Verfügung. Geparkt wird entlang den Straßen. Warum nicht Garagen entlang der Bahn bauen, so der Vorschlag eines Bewohners? Das sei gleichzeitig Schallschutz gegen den Bahnlärm.

Straßensanierung: Ein bis zwei Straßen will die Stadt laut OB Ilg pro Jahr sanieren. Begonnen wird mit den Straßen im schlechtesten Zustand und mit den schlechtesten Leitungen und Kanälen. Ob ein Gehweg angelegt wird, hängt von der Breite der Straße ab. Für Privatstraßen, wie es sie auch im Hagen gibt, ist die Stadt nicht zuständig. Eine Übertragung sei jedoch möglich. Kosten für die Anlieger seien bislang in anderen Sanierungsgebieten nicht entstanden. Ausnahme könnte sein, wenn für Straßen noch nie Erschließungsgebühren erhoben worden seien. Mit der Sanierung wird laut OB auch das Problem behoben, dass bei starken Niederschlägen Wasser über die Leitungen in die Häuser gelangt, bei denen es keine Rückschlagklappen gibt.

Weiteres Vorgehen: Der Gemeinderat legt die genauen Abgrenzungen des Sanierungsgebietes fest und fasst danach einen Satzungsbeschluss. Dazu wird auch ein Bericht samt Plan erstellt, in dem die Sanierungsziele festgelegt werden. Die Wüstenrot wird ein Büro einrichten, wo Privatleute für eigene Sanierungsmaßnahmen Beratung erfahren und Förderanträge stellen können. „Da kann keiner mehr sagen, in Schnaitheim passiert nichts“, so der OB zufrieden.