Amtsgericht Brutaler Überfall auf Obdachlose in Notunterkunft in Heidenheim bleibt ungesühnt

In der städtischen Notunterkunft in der Härtsfeldstraße ereignete sich der Überfall im Juni 2016.
In der städtischen Notunterkunft in der Härtsfeldstraße ereignete sich der Überfall im Juni 2016. © Foto: Sabrina Balzer
Andreas Uitz 13.12.2017
Vom Jugendschöffengericht wurden drei junge Männer freigesprochen. Ihnen hatte man vorgeworfen, die städtische Notunterkunft überfallen zu haben.

Die Tat liegt eineinhalb Jahre zurück, geschah im Juni 2016. Doch den Opfern ist sie noch immer leb- und schmerzhaft in Erinnerung, denn teils haben sie nach wie vor unter den Folgen zu leiden – körperlich wie psychisch.

Rückblick: Es ist mitten in der Nacht, als vermutlich drei maskierte Männer das Gebäude in der Härtsfeldstraße stürmen, das als städtische Notunterkunft für Obdachlose genutzt wird. Wortlos stürmen die Täter zwei Wohnungen, in denen sich Bewohner aufhalten, und beginnen, auf diese einzuprügeln. Unter anderem kommt dabei ein Teleskopschlagstock zum Einsatz, mit dem so heftig zugeschlagen wird, dass er zerbricht. Drei Männer werden bei dem brutalen nächtlichen Angriff so schwer verletzt, dass sie im Klinikum versorgt werden müssen, einer von ihnen leidet heute noch unter den Folgen der Attacke.

Es ging um zehn Euro

Doch wer waren die Angreifer, und wie kam es zu dem nächtlichen Überfall? Damit hatte sich im Sommer bereits das Schöffengericht auseinandergesetzt, und zwei Männer verurteilt. Die sollen zwar nicht direkt an der Tat beteiligt gewesen sein, jedoch zu dieser angestiftet haben – wegen Schulden in Höhe von zehn Euro.

Ein 41-Jähriger wurde zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten, sein 24-jähriger Neffe zu drei Jahren verurteilt. Rechtskräftig sind die Urteile nicht, da die Verurteilten in Berufung gegangen sind.

Wie bereits beim Verfahren im Sommer stützte sich die Staatsanwaltschaft beim jetzigen Prozess vor dem Jugendschöffengericht im Wesentlichen auf die Aussage eines Zeugen. Angeklagt waren drei junge Männer, die den Überfall ausgeführt haben sollen.

Mitglieder der Black Jackets

Der Zeuge will mitbekommen haben, dass die Angeklagten die Schläger waren – unter anderem habe einer der jungen Männer damit geprahlt. Sowohl der Zeuge als auch die drei Angeklagten waren zur Tatzeit dem Dunstkreis der Gang „Black Jackets“ zuzurechnen.

Doch über die Aussage dieses zentralen Zeugen hinaus gibt es wenig Anhaltspunkte, die auf die Täterschaft der jungen Männer hinweisen. Und eben dieser Zeuge wurde von allen drei Verteidigern als unglaubhaft eingestuft, da er sich mit seiner Aussage für seinen Rauswurf bei den „Black Jackets“ habe rächen wollen. Die Angeklagten selbst bestritten von Anfang an, etwas mit dem Vorfall zu tun gehabt zu haben.

Die Aussagen mehrerer Zeugen, unter anderem die der Opfer, halfen dem Gericht zwar, nachzuvollziehen, wie der Überfall vor sich ging – zweifelsfreie Hinweise auf die Täter konnten sie jedoch nicht liefern.

Keine klaren Beweise

Der Staatsanwalt sah es aber als erweisen an, dass es sich bei den drei Angeklagte um die Täter handelt. Aus seiner Sicht ist der Hauptzeuge voll glaubwürdig und hat ohne jeden Belastungseifer ausgesagt. Außerdem, so der Anklagevertreter, gebe es ausreichend Hinweise auf die Täterschaft der drei Männer.

Das sahen die Verteidiger der drei Angeklagten ganz anders. Sie bezeichneten die Aussagen des wichtigsten Zeugen als unglaubhaft und plädierten auf Freispruch. Dem kam das Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Jens Pfrommer denn auch nach. Zwar gebe es Anhaltspunkte und auch den Kontakt der drei Angeklagten zur „Black-Jackets“-Szene, doch das reiche ebensowenig für eine Verurteilung wie die Aussagen der Zeugen, die alles nur vom Hörensagen gewusst hätten. „Wir haben nichts Habhaftes gegen die Angeklagten“, betonte Pfrommer und sprach sie frei.