Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger Siggi Schwarz bot den Besuchern im Lokschuppen mit seiner Band und Ehrengast Chris Thompson einen Abend, an dem er Rockerlebnisse längst vergangener Tage wieder auferstehen ließ.

Fast ganz im Zeichen von „Manfred Mann’s Earth Band“ (MMEB) stand der fantastische Rock-Abend im Lokschuppen am Samstagabend. Siggi Schwarz hatte dazu mit Chris Thompson ein „MMEB“-Urgestein mitgebracht, der einst der legendären britischen Rock-Band seine reiche wie zauberhafte Stimme verlieh.

Dabei zeigten die Songs den universellen Charakter der Formation deutlich. Mal Progressive, mal Hard Rock, aber immer mit ungeheurer Energie und krachender Power. Siggi Schwarz handhabte nicht nur seine Gitarre in gewohnt virtuoser Weise, er lieferte auch Rockiges aus eigener Feder und das in mitreißendem Charme und einer poetischen wie musikalischen Qualität, die der von „MMEB“ nicht nachstand.

Perkussive Explosionen

Mit Markus Engelstätter hatte er einen Sänger, der etwa Siggis „Love is a beautiful thing“ oder „Sacrifice of Love“ stimmgewaltig und mit rockiger Strahlkraft den begeisterten 400 Besuchern darbot. Perkussionist Joé Cortijo bot zusammen mit Schlagzeuger Matthias Bäuerlein ein Feuerwerk an perkussiven Explosionen, die einfach mitrissen. Max Hunts satte Läufe auf dem Keyboard und Danny O’Steens voluminöser, aber melodisch gehandhabter Bass erfreuten durch die enorme klangliche Präsenz und eruptiven Elemente, etwa beim leicht souligen „People get ready“.

Siggi Schwarz wirkte mit seiner Gitarre wie ein ruhender Pol. Seine scheinbar stoische Miene täuschte, denn er legte viel Emotion und Herzblut in sein begnadetes Spiel mit knisternden Licks und einem farbigen Klangspektrum. Hier war der klassische „British Rock“ gut aufgehoben, wenn die Harmonien auf Siggis Gitarre jubelten und sprühten bei seinem durchweg inspiriert wirkenden Spiel. Dieser bewegende Kosmos an Klängen kam bei Siggi Schwarz authentisch und ehrlich.

Chris Thompsons metallisch-bewegliches und von ungeheurer Kraft sprühendes Organ erfreute nicht nur bei dem Klassiker „Davy’s on the road again“ und dem „MMEB“-Edelkracher „Father of Day“, wo Thompson mit allen Fasern seines Körpers zu singen schien. Sein sängerisches Charisma lebte in allen Songs des Abends, aber er wirkte mit britischem Understatement, nahm sich zurück und ließ der Musik den Vortritt. Das war bunter, klangschöner und rebellischer Rock, der unauffällig, aber dennoch bestimmend von Siggis federnden Bendings, kraftvollen Crescendi und knackigen Riffs lebte. Gelassenheit, Leichtigkeit und unbeschwerte Lebendigkeit lag in seinem faszinierenden Gitarrenspiel und die wirkte auf alle Mitstreiter auf der Bühne und auch bei schon reiferen Gästen im Publikum richtig ansteckend.

Lee Mayall nicht mit dabei

Prachtvoll und voluminös kam die Stimme von Chris Thompson bei dem „Who“-Titel „Summertime Blues“ und der Joe-Cocker-Version von „With a little help“ mit urigem Blues-Rock-Charakter. Einen Wermutstropfen musste Siggi Schwarz dennoch verkünden. Viele vermissten den angekündigten Lee Mayall und seine prächtigen Saxophonstöße. Der sei leider schwer erkrankt, so Siggi, befinde sich aber langsam auf dem Weg der Besserung: „Halten wir ihm die Daumen.“ Siggis in bester Rock-Tradition erklingendes „Love of my life“ klang bei Markus Engelstätter mit viel Emotion wie bei „When a man loves a woman“. Mit jubelnden Keyboard-Läufen und satten Gitarren-Beats, dazu der rockig-röhrenden Stimme von Chris Thompson erklangen „Don’t kill Carol“ und ein emotional mitreißendes „Blinded by the night“.

Seine authentisch vorgetragenen Titel „Redemption Song“ und „You angel you“ hatten Kontur und Schlagkraft und sie ließen längst vergangene Rock-Erlebnisse noch einmal auferstehen. Nicht nur der unsterbliche „MMEB“-Kracher „Mighty Quinn“ wurde zum textsicher gejubelten Mitsinger. Ist das schon wirklich vierzig Jahre her? Siggi Schwarz und seine Freunde boten eine formidablen Rock-Abend und zeigten dabei, dass trotz des unsäglichen Brexit Großbritannien mit seinen Rock-Legenden der Welt ein wunderbares Geschenk gemacht hat.

Die Zugabe mit dem Fleetwood-Mac-Titel „Don’t stop thinkin‘ about tomorrow“ wirkte da leicht ironisch. England und sein Blues-Rock werden weiterleben, auch dank Künstlern wie „Siggi Schwarz and Friends“. Thank you.

Manfred Mann’s Earth Band (MMEB)

Die „Manfred Mann’s Earth Band“ (MMEB) ist eine britische Rockband um den südafrikanischen Keyboarder Manfred Mann. Sänger und Gitarrist Christ Thompson war von 1975 bis 1979 und von 1981 bis 1997 Mitglied der Band. Der britische Rock-Sänger, Gitarrist und Komponist hatte mit „MMEB“ in den 1970er und 1980er Jahren einige Top-Ten-Hits, beispielsweise „Blinded by the Light“, „Davy’s on the Road Again“ und „Mighty Quinn“.